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21.09.02 / Alles nur heiße Luft?

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. September 2002


Alles nur heiße Luft?
Von nichtbewiesenen Klimamodellen und sich widersprechenden Experten

Im Hochwasser von Donau und Elbe droht unterzugehen, daß die Klimakatastrophen-Modelle, die jetzt scheinbar bestätigt werden, erst im Juli 2002 einer vernichtenden Kritik unterzogen wurden. In Mitteleuropa gibt es zur Zeit kein wichtigeres Thema als das Wetter. Dabei kommen Berufspolitikern und Medienleuten allerdings die Begriffe "Klima" oder "Klimakatastrophe" viel leichter über die Lippen als der Begriff "Wetterextrem". Um ein solches handelte es sich bei den durch das Tief "Ilse" ausgelösten sturzbachartigen Regenfällen in Norditalien, Österreich, Tschechien und Deutschland tatsächlich. Die dadurch ausgelöste Jahrhundertflut jedoch mit dem Klima in Zusammenhang zu bringen, ist insofern abwegig, als es sich dabei nicht um ein reales Geschehen, sondern um ein abgeleitetes statistisches Konstrukt handelt.

Die World Meterorological Organization (WMO) definiert das Klima eines Standortes oder einer Region als 30jährigen Mittelwert verschiedener Wetterparameter wie Temperatur, Niederschlagsmenge, Windgeschwindigkeit usw. Auch die sogenannten Klimamodelle beschäftigen sich nicht primär mit dem Klima und seinen Wandlungen, sondern mit dem Wetter beziehungsweise mit Wetterszenarien, denn bei ihnen handelt es sich um vielschichtige Erweiterungen komplexer Wetterprognosemodelle, die den täglichen Wetterberichten der audiovisuellen Massenmedien zugrunde liegen.

Der Hamburger Atmosphärenphysiker Prof. Ehrhard Rasche warnt vor einer Überinterpretation der Klimamodelle, die dem Kyoto-Protokoll zugrunde liegen: "Viele der das Klima bestimmenden Prozesse sind nicht genau genug bekannt, um realistisch in Modellen nachvollzogen zu werden."

Das hat ein deutsch-israelisches Team theoretischer Physiker unter Leitung von Prof. Armin Bunde (Gießen) und Prof. Shlomo Havlin (Tel Aviv) getan. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Juli 2002 in der angesehenen Fachzeitschrift Physical Review Letters (No. 89) veröffentlicht. Die ernüchternde Schlußfolgerung der Physiker: "Klimamodelle sind weit schlechter als ihr Ruf. Sie reproduzieren die Gesetzmäßigkeiten des Wetters längst nicht so wie erhofft." Demgegenüber hätten sich die bekannten Bauernregeln als viel zuverlässiger erwiesen, weil sie auf jahrhundertelanger Erfahrung beruhen.

Eine solche Bauernregel, die "Siebenschläferregel", hat sich auch in diesem Sommer bewahrheitet - und zwar in eindrucksvoller Weise. Am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, der bei den Landwirten als einer der wichtigsten "Lostage" gilt, entscheidet es sich, ob die Tiefdruckgebiete in den folgenden sieben, acht Wochen von der nordatlantischen Wetterküche auf einer nördlichen oder einer südlichen Bahn Richtung Ostsee ziehen. Entweder wird der Sommer dann auf den britischen Inseln und in Skandinavien oder in West- und Mitteleuropa verregnet. Wird die Weiche, wie in diesem Jahr, Richtung Süden gestellt, weil den Tiefs der direkte Weg nach Osten durch Kaltluftmassen über der Nordsee versperrt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß die Tiefs die ansonsten im Sommer sehr seltene "Vb-Route", das heißt den Umweg über Südfrankreich, den Golf von Genua und die Alpen zur Ostsee einschlagen. Auf dieser "Vb-Route" zog das berüchtigte Höhentief "Ilse". Es brachte den Urlaubern am Mittelmeer ungewöhnlich kühles Wetter, saugte über der warmen Meeresoberfläche riesige Mengen Wasserdampf auf, die dann auf dem Weg über die Alpen kondensierten und weiter nördlich als Wolkenbrüche niedergingen. Zur gleichen Zeit herrschten nördlich des Polarkreises Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen.

Die alten Bauernregeln beruhen offenbar auf Langzeitkorrelationen im Wettergeschehen, der "Erhaltungsneigung" des Wetters, die nach Ansicht von Prof. Armin Bunde dem mathematischen Potenzgesetz der Chaostheorie gehorcht. Mit Hilfe moderner stati-stischer Verfahren konnten Bunde und seine Mitarbeiter zeigen, daß dieser Zusammenhang für Wetterstationen in völlig verschiedenen Klimazonen gilt. Das deutsch-israelische Team hat insgesamt sieben in Deutschland, in den USA, in Japan, Australien, England und Kanada erstellte Klimamodelle an Hand langer Temperaturreihen von 14 ausgewählten meteorologischen Meßstationen in Europa, Nordamerika und Australien darauf überprüft, ob sie in der Lage sind, den Langzeitkorrelationen im Wettergeschehen Rechnung zu tragen. Dabei schnitt das Modell des Hamburger Max Planck Instituts für Me-teorologie am schlechtesten ab.

Trotzdem lassen sich die Hamburger nicht von ihrem Weg abbringen. Mojib Latif vom Hamburger MPI mußte zwar zugeben, daß der seit nunmehr zehn Jahren beobachtbare Trend zur Verstärkung der Sommerniederschläge der von seinem Institut prognostizierten tendenziellen Versteppung Mitteleuropas fundamental widerspricht. Aber immerhin hätten die Klimamodelle eine Häufung heftiger Niederschläge vorausgesagt. Und Prof. Joachim Schellnhuber, der Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der als Mitunterzeichner der Publikation von Bunde und Havlin urteilte: "Die Klimamodelle haben den Härtetest nicht bestanden", läßt inzwischen durch- blicken, er habe sich der Modellkritik nur angeschlossen, um eine Aufstockung der Finanzmittel für die Verbesserung der Klimamodelle zu erwirken. E. Gärtner