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05.10.02 / Präsidentenwahl in Serbien erbrachte keinen endgültigen Sieger

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Oktober 2002


Warten auf die Stichwahl
Präsidentenwahl in Serbien erbrachte keinen endgültigen Sieger
von R.G. Kerschhofer

Es gab das allgemein erwartete Ergebnis, nämlich keines: Die aussichtsreichsten Kandidaten schnitten zwar am besten ab, aber keiner erreichte die absolute Mehrheit, so daß es zur Stichwahl am 13. Oktober kommt. Der "gesamtjugoslawische" Präsident Kostunica, dessen Amt im Gefolge der Bun-desstaatsreform Serbien-Montenegro überflüssig wird, hat die Nase vorn. Er ist Nationalist, aber nicht durch die Milosevic-Ära belastet, und kann im zweiten Wahlgang mit Stimmen rechnen, die diesmal anderen nationalistischen Kandidaten zugute kamen. Sein Gegenspieler Labus hingegen, der Kandidat des serbischen Ministerpräsidenten Djindjic, hat sein Wählerpotential bereits ausgeschöpft. Er ist wie Djindjic ein "Reformer", was in postkommunistischen Gesellschaften gleichbedeutend ist mit Ausverkauf ans Ausland und Massenarbeitslosigkeit.

Die Wahlbeteiligung lag nicht nur wegen des Schlechtwetters bei wenig über 50 Prozent. Sie spiegelt auch die allgemeine Desillusionierung wider sowie den Boykott durch die Albaner. Da Djinjic damit rechnet, sein Amt als serbischer Ministerpräsident zu verlieren, wenn sein Erzfeind Kostunica serbischer Präsident wird, könnte er seine Amtszeit dadurch verlängern, daß er seine Anhänger aufruft, der Stichwahl fernzubleiben: Dann nämlich läge die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent, das Votum wäre ungültig, und eine Neuaustragung von Anfang an wäre notwendig. Auch der Ultranationalist Seselj, der auf dem dritten Platz landete, könnte seine Anhänger zum Boykott statt zur Entscheidung für Kostunica aufrufen, denn je länger die Misere andauert, umso mehr Zulauf gibt es für die Ultras.

Der serbische Nationalismus hat sicher einiges auf dem Kerbholz - noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, später im Königreich Jugoslawien, in der Tito-Zeit und zuletzt unter Milosevic. Man darf allerdings nie vergessen, daß er nicht annähernd zu solch fataler Bedeutung gekommen wäre, hätten ihn nicht fremde Mächte ausgenützt und hochgespielt, nämlich Rußland und die Entente gegen die Mittelmächte und insbesondere gegen Österreich-Ungarn. Selbst Milosevic konnte sich lange Zeit auf die alten Mentoren stützen, vor allem auf Frankreich und Rußland. (Während man umgekehrt den Kroaten - wie übrigens auch den Slowaken - eine Art Kollektiv-Schuld als "Verbündete Hitlers" anlastet!)

Was dem serbischen Nationalismus heute Anhänger zutreibt, sind ebenfalls Kräfte von außen: Eine gnadenlose Globalisierung und die multi-ethnischen Balkan-Illusionen der "Staatengemeinschaft". In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß die kürzlichen Wahlen in dem Staatskonstrukt Makedonien zwar "ruhig" verlaufen sind - mit nur wenigen Feme-Morden. Aber die verfahrene Situation spiegelt sich am deutlichsten darin wider, daß die früher zersplitterten Albaner jetzt fast geschlossen hinter jener Partei stehen, die als ziviler Arm der UCK gilt.