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05.10.02 / Allenstein: Partnerschaftsvertrag perfekt

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Oktober 2002


Allenstein: Partnerschaftsvertrag perfekt
Kreisgemeinschaft und Kreis einigen sich auf Zusammenarbeit in sieben Punkten
von Horst Tuguntke

Die Fahne des Landkreises Allenstein zierte den Konferenzsaal des Hotels Warminski in Allensteins ehemaliger Roonstraße als hier am 5. Juli 2002 der von langer Hand vorbereitete Partnerschaftsvertrag zwischen der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land e.V. und dem am 1. Januar 1999 von den Polen geschaffene Landkreis Allenstein vom Allensteiner Landrat Adam Sierzputowski und dem Kreisvertreter Leo Michalski feierlich unterzeichnet wurde. Dem von der Kreisgemeinschaft entworfenen Vertrag lag der Grundsatz zu Grunde "Wer die Vergangenheit nicht überwindet, der hat keine Zukunft." (Zur Vorgeschichte siehe OB/PAZ 28)

Die Osnabrücker Paten der Kreisgemeinschaft waren mit dem Landrat Manfred Hugo samt Stellvertreter, dem Landtagsabgeordneten Georg Schirmbeck, dem Partnerschaftsbeauftragten Karl-Heinz Finkemeyer sowie Mitgliedern aller Fraktionen des Osnabrücker Kreistages stark vertreten. Von polnischer Seite nahmen außer dem Landrat Adam Sierzputowski sein Stellvertreter, der Erste Sekretär (OKD), mehrere Kreistagsmitglieder und der Vorsitzende des Ermländischen Gemeindeverbandes, also des Vorgängers des heutigen Landkreises Allenstein, teil. Dazu kam die örtliche Presse. Der Kreisausschuß der Kreisgemeinschaft war vollständig vertreten.

Der polnische Landrat Adam Sierzputowski führte in seiner Begrüßungsrede aus: "Wir, die ehemaligen und die heutigen Bewohner des Landkreises Allenstein/Olsztyn, haben gemeinsame Schicksale hinter uns und gemeinsame Ziele vor uns." Diese Ziele umriß Kreisvertreter Leo Michalski in seiner Rede: "Es ist das gemeinsame lebhafte Interesse an dem Wohlergehen des Landkreises Allenstein/Olsztyn; beide Partner unternehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle Anstrengungen, Maßnahmen zu fördern und voranzutreiben, die geeignet sind, dem Wohlergehen der Gebietskörperschaft und ihrer Bewohner zu dienen." Es geht über die Verständigung hinaus um eine vertrauensvolle aktive Zusammenarbeit, um in kommunalen Aufgabenbereichen einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas auf der unteren Ebene zu leisten.

In sieben Punkten zeigt der Partnerschaftsvertrag das angestrebte beiderseitige Zusammenwirken auf. Es geht ad eins um den Schutz der Denkmäler, ad zwei um den Schutz und die Präsentation der Errungenschaften der Kultur, ad drei um heimatliche und historische Forschung auf Kreisebene, ad vier um die Publikation von Büchern und Schriften aus dem Landkreis, ad fünf um Hilfestellung im sozial-humanitären Bereich, ad sechs um die Kontaktpflege zwischen den ehemaligen und heutigen Bewohnern sowie ad sieben um die Förderung des Landkreises durch Kontaktaufnahmen in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus und Bildung. Dabei gilt dem Schüler- und Jugendaustausch ebenso das Augenmerk wie der Verbesserung des Deutschunterrichts in Schulen und auf Seminaren.

Ausdrücklich hält der Partnerschaftsvertrag die Bereitschaft der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land fest, die Gesellschaften der Deutschen Minderheit auf dem Gebiet des Landkreises in der Verfolgung ihrer Satzungsziele zu fördern, während der Landkreis Allenstein sich dazu bereit erklärt, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten die angestrebten Förderungsmaßnahmen zu erleichtern. Beide Vertragspartner verpflichten sich darüber hinaus zu regelmäßigen Konsultationen.

Der Partnerschaftsvertrag zwischen dem Kreis und der Kreisgemeinschaft Allenstein erstreckt sicht außer auf die sechs Großgemeinden des Altkreises Allenstein-Land, also Stadt und Amt Wartenburg sowie die Gemeinden Diwitten, Dietrichswalde, Jonkendorf, Purden und Stabigotten, auch auf die zum Landkreis neu hinzugekommenen Städte und Gemeinden Bischofsburg, Guttstadt, Hohenstein, Seeburg, Groß Köllen und Heiligenthal. Die Kreisvertreter der betroffenen Kreisgemeinschaften Heilsberg, Osterode und Rößel haben dem Vertrag schriftlich zugestimmt und den Kreisvertreter von Allenstein-Land ermächtigt, auch ihre Interessen gegenüber dem Landrat in Allenstein wahrzunehmen.

Die Landsmannschaft Ostpreußen e.V., vertreten durch ihren Stellvertreter Bernd Hinz, hat in ihrem verlesenen Grußwort Glückwünsche übermittelt und aufgezeigt, daß im Verlauf der letzten Jahre 15 Partnerschaftsverträge zwischen ostpreußischen Heimatkreisgemeinschaften und polnischen Gebiets-

körperschaften abgeschlossen worden sind. Ziel dieser Partnerschaften sei es, so die Landsmannschaft, unter Abbau der gegenseitigen Vorurteile und Klischees den Menschen hüben und drüben bewußt zu machen, daß Deutschland und Polen in dem zusammenwachsenden Europa nicht nur eine Interessengemeinschaft bilden, sondern darüber hinaus auch eine Ideengemeinschaft, ja Schicksalsgemeinschaft in dem Europa der Zukunft sein werden.

Mit ihrem Vorstandsgeistlichen, Kanonikus Johannes Gehrmann, gibt die Kreisgemeinschaft Allenstein-Land der Hoffnung Ausdruck: "Dies mögen die Götter zum Guten wenden." N

Vertragsunterzeichnung: Zu sehen sind von rechts nach links der niedersächsische Landtagsabgeordneter Georg Schirmbeck, der Osnabrücker Landrat Manfred Hugo, der stellvertretende Kreisvertreter Kanonikus Pfarrer Johannes Gehrmann, der Kreisvertreter Leo Michalski und der polnische Landrat Adam Sierzputowski Foto: Tuguntke