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05.10.02 / "Das ist eine von uns" / Rotraut Richter: Das Veilchen vom Potsdamer Platz

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Oktober 2002


"Das ist eine von uns"
Rotraut Richter: Das Veilchen vom Potsdamer Platz

Rotraut Richter wurde am 15. Mai 1915 in Berlin-Steglitz geboren und ist dort aufgewachsen. Ihr Vater war Regierungsbaurat, ihre Mutter die Malerin Lis Happe-Richter. Der Filmschauspieler Hans Richter war nicht ihr Bruder und auch nicht mit ihr verwandt gewesen, ebensowenig war sie mit dem Filmschauspieler Paul Richter und dem Romanschriftsteller Hans Richter verwandt.

In einem Landschulheim, das sie besuchte, entdeckte sie zum erstenmal ihre Liebe zur Schauspielkunst. "Hanneles Himmelfahrt" wurde ihre Glanzrolle. Nach beendeter Schulzeit studierte sie an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin. Am Landestheater in Darmstadt hatte sie ihr erstes Engagement, dann spielte sie schon an mehreren Berliner Theatern. Ihr erster Film war "Das erste Recht des Kindes" (1932).

Der Ehrgeiz der Rotraut Richter war von besonderer Art. Es hat sie nie danach verlangt, weder auf der Bühne noch auf der Leinwand gut angezogene und hübsche junge Mädchen zu spielen, die in eleganten Räumen wohnen, schöne Reisen an von der Natur gesegnete Gestade machen, in vornehmen Tanzlokalen Cocktails schlürfen oder sonst irgendwie den Überfluß des Lebens kosten. Sie hat keinen Wert darauf gelegt, junge Damen darzustellen, die viele Verehrer haben und um deren Liebe die Männer sich in Scharen bewerben. Nein, ihre Gestalten sind nicht aus der großen Welt; ihre Liebe gehört den Kindern aus dem Volke. Sie wählte sich auch hier nicht solche, mit denen das Schicksal es gut meinte, sondern Geschöpfe, die das Leben hin- und hergestoßen hat. Sie verwächst so mit diesen Gestalten, daß die Leute sagten: "Das ist eine von uns." In ihren wichtigsten Filmrollen, als "Edeltraut Panse" in "Krach im Hinterhaus", als "Mariechen Bindedraht" in "Veilchen vom Potsdamer Platz" und als "Hedwig" in "Meiseken", verkörperte sie den volkstümlichen Typ der kleinen Berliner "Göre". Aber es ist nicht das kesse Mundwerk allein, das diese Göre auszeichnete. Sie hatte Mundwerk und Herz. Sie war immer eine Göre, die man liebhaben mußte, weil sie auf der Seite eines Schwachen stand und weil sie der Gerechtigkeit, um die es im Leben oft schlecht bestellt ist, zum Siege verhilft. "Krach im Vorderhaus" (1941) war ihr letzter Film bis 1945.

Nach dem Krieg spielte Rotraut Richter in Berlin Theater. Unter der Regie von Georg C. Klaren stand sie noch 1947 in der DEFA-Produktion "Wozzeck" (mit Kurt Meisel, Helga Zülch) vor der Kamera. Rotraut Richter starb bereits am 1. Oktober 1947 in Berlin nach einer komplizierten Blinddarmoperation und wurde in Berlin-Dahlem beigesetzt. kai-press

Rotraut Richter: Als Hedwig in dem Film "Meiseken" Foto: Imago/N.F. Archiv kai-press