17.01.2022

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19.10.02 / Geschmacklos

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. Oktober 2002


Kommentar
Geschmacklos

Globalisierung heißt das Zauberwort. Nicht nur in der Wirtschaft beherrscht es das Geschehen, seit langem ist auch die Kunst davon infiziert. Alle Jahre wieder auf der "documenta" in Kassel wie auch auf Ausstellungen der Avantgarde in anderen deutschen Städten kann man sich ein Bild davon machen, wie sehr sich die zeitgenössische Kunst über alle Grenzen hinweg vereinheitlicht hat. Entstanden ist eine Kunst, mit der Otto Normalverbraucher und Lies-chen Müller allerdings ihre Schwierigkeiten haben dürften. Ein Kopfschütteln allein ist nun nicht mehr angebracht. Was waren das für Zeiten, als ein Joseph Beuys eine Badewanne einfettete und eif-rige Putzfrauen diese "Sauerei" mit wahrem Feuereifer reinigten! Auch konnte man sich eines Schmunzelns nicht erwehren, als Museumsbesucher kurzerhand ein "Kunst"-werk verzehrten, bestand es doch zum großen Teil aus wohlduftenden Äpfeln. Heute aber wird's makaber: da zeigte die mexikanische "Künstlerin" Teresa Margolles Abdrücke von Toten auf hellen Stofftüchern, da bot sie einer mittellosen Mutter eines erstochenen Drogenabhängigen einen Sarg an - als Gegenleistung verlangte sie die gepiercte Zunge des toten Jungen, die sie konservierte und anschließend ausstellte. Die Krone auf ihr "künstlerisches Schaffen" aber setzte sie, als sie Galeriebesucher durch dichten Wasserdampf gehen ließ, Dampf, der entstanden war, als nicht identifizierte Leichen im zentralen Leichenschauhaus gewaschen wur-den. Während des Festivals "MEXartes-berlin.de" sind bis zum 1. Dezember Arbeiten auch dieser "Künstlerin" im Haus der Kulturen der Welt im Berliner Tiergarten zu sehen. Geschmacklosigkeit kennt keine Grenzen! Silke Osman