19.01.2022

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19.10.02 / Dresden zwei Monate nach der Katastrophe

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. Oktober 2002


Nach der Flut: Kaum noch Spuren
Dresden zwei Monate nach der Katastrophe
von R. Bellano

Die Bilder sind noch in unseren Köpfen, doch in den Medien hört man nicht mehr viel über die Folgen des Jahrhunderthochwassers. Hin und wieder wird zwar noch über die Frage der finanziellen Unterstützung der Hochwasseropfer in den Nachrichten berichtet, doch mit dem Wasser sank auch das Interesse an dem Katastrophengebiet. Wie sieht es aber jetzt nach der Flut aus?

Aufgrund des Hochwassers fiel auch mein ein halbes Jahr zuvor gebuchter Dresdenurlaub zunächst ins Wasser. Da aber überall darum gebeten wurde, die betroffene Region nicht zu meiden und somit die wirtschaftlichen Schäden nicht noch zu vergrößern, verschob ich meine Städtereise nur. Nun, zwei Monate nach der Naturkatastrophe, fuhr ich in die alte Barockstadt.

Auf den ersten Blick präsentiert sich die Stadt in ihrer vollen Pracht. Kein Unwissender würde bei einem kurzen Rundgang durch die Altstadt Hinweise darauf finden, daß hier noch vor kurzem alles unter Wasser stand. Aber schon ein Besuch in der Semperoper offenbart die Folgen der Flut. Mit Notstrom behelfsmäßig versorgt, können immerhin Führungen bei schwacher Beleuchtung durchgeführt werden. Die Toiletten sind nicht betriebsbereit, und überall sind Handwerker bei der Arbeit. Die Kellerräume werden immer noch getrocknet und die zerstörten elektrischen Leitungen repariert. Die Hydraulik der großen Hebebühne ist noch lange nicht funktionsfähig, und die Schäden des Mobiliars noch immer nicht ganz zu überschauen. Über 9.700 Paar Schuhe aus dem Theaterfundus sind vom Hochwasser zerstört worden. Alleine die im Wasser untergegangenen Konzertflügel bedeuten einen Verlust von 750.000 Euro. Den Einnahmeverlust aufgrund ausfallender Vorführungen darf man sich gar nicht erst vor Augen führen. Fotos im Vorraum der Semperoper dokumentieren, wie hoch das Wasser stand. Staunend steht man davor, wobei die Verwunderung überwiegt, warum nur noch so wenige Spuren von den unsagbaren Wassermassen zu sehen sind. Welch eine hervorragende Leistung ist in nur zwei Monaten hier vollbracht worden!

Zwar ist die Galerie der Alten Meister im Zwinger auch noch nicht wieder zugänglich, aber das ist auch schon mit eine der letzten für den Touristen direkt spürbaren Folgen des Hochwassers.

Nur ganz wenige Geschäfte haben noch Schilder mit der Aufschrift "Wegen Hochwasserschäden geschlossen" in den Schau- fenstern hängen. An einigen Häuserwänden erkennt man noch am Dreckrand, der ungefähr 1,60 Meter vom Erdboden entfernt ist, die einstige Höchstmarke des Wassers. Aber ansonsten scheint die Welt in Ordnung.

Was der Besucher allerdings nicht sehen kann, sind die Rechnungen und die Korrespondenzen der Hochwassergeschädigten, die sich auf Schreibtischen türmen und bearbeitet werden wollen, denn schließlich mußten ganze Geschäfte, Kneipen Büros und Wohnungen renoviert und möbliert werden.

Der Besuch Dresdens hat gezeigt, daß die Stadt wahrhaftig eine Reise wert ist - und daß die Leistung der freiwilligen, staatlichen und gewerblichen Hochwasserhelfer ein kleines Wunder darstellt. Hut ab!

Nasse Schwäne: Während 9.700 Paar Schuhe des Fundus der Semperoper in den Fluten untergingen, sind die Kostüme nur feucht geworden Foto: dp