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19.10.02 / Ein nur sehr bedingt empfehlenswertes Werk über Masuren und das Ermland

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. Oktober 2002


Kein typischer Reiseführer
Ein nur sehr bedingt empfehlenswertes Werk über Masuren und das Ermland

Im Jahre 2001 ist das Buch "Ermland und Masuren - eine neue Beschreibung der altpreußischen Gebiete und ihrer Sehenswürdigkeiten" erschienen. Wie in dem Vorwort zu diesem Buch gesagt, ist es "kein typischer Reiseführer". Dem kann man nur beipflichten. Obwohl im Vorwort als Motiv für dieses Buch die polnisch-deutsche Aussöhnung angegeben ist, was sehr zu loben wäre, ist das Buch nur sehr bedingt empfehlenswert. Der unbefangene Leser wird auf weite Strecken, insbesondere was die Historie anbetrifft, falsch informiert.

Ab Seite 96 beschreibt der Verfasser seine persönliche "Kreuzfahrt" auf der Weichsel von Warschau (?) nach Osterode. Das hat sehr wenig mit Masuren zu tun. Auch die "Chronik der Attentate auf Hitler" ist interessant, ist aber keine ostpreußenspezifische Geschichte. Das gleiche trifft auf die Aufzählung weiterer Führerhauptquartiere zu. Auf den Seiten 173 bis 189 wird ein deutsches wirtschaftliches Engagement in Ostpreußen beschrieben und dabei unverhohlen auch Reklame für ein Hotel gemacht. Ebenso auf den Seiten 236 bis 252. Hier wird insbesondere ein Hamburger Unternehmen für seine guten Taten gelobt. Als wenn das alles wäre, was Deutsche für die Aussöhnung mit Polen in Ostpreußen tun. Mit keinem Wort wird beispielsweise die segensreiche Arbeit der Kreisgemeinschaften erwähnt. Allein zwölf Sozialstationen sind unter ihrer Mitwirkung im südlichen Ostpreußen entstanden. Soll das alles dem Verfasser nicht bekannt sein?

Gut beschrieben sind das ostpreußische Klima, die Fauna und Flora. Zur Darstellung der Geschichte hingegen gibt es auch einiges zu bemängeln. Auf Seite 62 werden die Ordensritter als "Eindringlinge" bezeichnet. Ob der Verfasser nicht weiß, daß der Ritterorden vom masowischen Herzog Konrad ins Land gerufen wurden? Eines der vier im Jahre 1243 in Preußen gegründeten Bistümer war nicht Pomerellen, sondern Pomesanien. König Friedrich (gemeint ist der II.) von Preußen kommt bei Bolinski schlecht weg. Ihn hat später, so Bolinski, Hitler mit Erfolg nachgeahmt. Daß "Napoleon während der Okkupation die Durchführung von Reformen anordnete", ist der deutschen Geschichtsschreibung nicht bekannt.

Betont wird die polnische Herkunft der Masuren. "Besonders im südlichen Teil von Ostpreußen gibt es sehr viele solcher Beweise über die polnische Abstammung der Bewohner." Das bestreitet niemand. "Hermann Gizewiusz" wird als "polnischer Revolutionär" bezeichnet. Er hieß übrigens Gustav Gisevius, war evangelischer Pfarrer in Osterode und setzte sich lediglich für den Erhalt der polnischen Sprache in den Gottesdiensten ein. Auf den Seiten 28/29 werden die Persönlichkeiten aufgezählt, die während der Volksabstimmung im Jahre 1920 für einen Anschluß Ostpreußens an Polen kämpften, Bogumil Linka u. a. Jedoch kein Wort über diejenigen, die sich für einen Verbleib bei Deutschland einsetzten, z. B. Max Worgitzki. Des weiteren werden auf den Seiten 25/26 "bewundernswürdige Personen" aufgelistet, "die sich ihres Polentums bewußt waren". Was fehlt, ist die Aufzählung bedeutsamer Masuren, die Deutsche waren, z. B. der Dichter Ernst Wiechert. Eine Ausnahme bildet Arno Surminski, er wird immerhin erwähnt. Unter Lyck erscheint noch nicht einmal Siegfried Lenz.

"Im Kreis Lötzen waren 1920 36 Prozent der Bevölkerung polnischer Abstammung". "Der Kreis Johannisburg wurde bis zur Volksabstimmung als ethnisch polnisches Gebiet angesehen." "Der Kreis Ortelsburg gehörte zu den ethnisch polnischen Gebieten." Das war reines polnisches Wunschdenken während der Volksabstimmungszeit. Das Ergebnis der Volkszählung spricht eine andere Sprache. 97,9 Prozent der Ermländer und Masuren wollten keine Polen sein!

Positiv ist zu bewerten, daß anerkannt wird, daß "ca. eine halbe Million während der Flucht verhungerten, erfroren oder aus anderen Gründen ums Leben kamen." "Es ist zu bedauern, daß viele Deutsche auf der Flucht vor den Sowjets umkamen." Auch, daß "die zugewanderte Bevölkerung sich gegenüber diesen Autochthonen oft sehr feindlich und ablehnend verhielt." Ferner, daß "sich die meisten von ihnen (der Autochthonen) weiterhin als Angehörige der deutschen Minderheit fühlen".

Positiv zu vermerken ist auch das Bemühen des Verfassers möglichst viele deutsche Bezeichnungen für Orte, Seen, Flüsse und Berge zu verwenden. Leider nicht durchgehend.

Es gibt aber auch sonst noch einige Fehler in diesem Buch. Nicht richtig ist, daß Königsberg keinen Luftangriff erleiden mußte, daß der Teufelsberg bei Kruglanken der höchste Berg Masurens sei, daß das Hotel Golebiewski (nicht Golebiowski) in Nikolaiken 2.000 Betten habe (es sind nur 1.100). Das Jagdschloß des deutschen Kaisers lag nicht im "Borkerwald", sondern in der Rominter Heide. Goebbels hieß nicht Joachim, sondern Joseph. Treuburg fiel nicht durch die Abstimmung an Deutschland, sondern es verblieb bei Deutschland.

Auf Seite 166 wird gesagt, daß man bei Hohenstein die Ruine des "Hindenburg-Mausoleums" besichtigen kann. Gemeint ist aber das Reichsehrenmal Tannenberg. Hier ist aber nichts mehr zu besichtigen, weil alles weg ist. Weiter wird suggeriert, daß das Hindenburg-Mausoleum (und damit das gesamte Reichsehrenmal) von Hitler eingeweiht wurde. 1927 war Hitler noch nicht an der Macht. Auf Seite 36 ist zu lesen, daß die Frische Nehrung zu Pommern gehört, gemeint ist aber Westpreußen. Völlig abwegig ist, daß im Kreis Lyck die ehemaligen Herrenhäuser zum größten Teil dem polnischen Adel gehörten. Im Kreis Lyck hat es einen polnischen Adel nicht gegeben. G. Bandilla

Kazimierz Bolinski: "Ermland und Masuren - Eine neue Beschreibung der altpreußischen Gebiete und ihrer Sehenswürdigkeiten", Novum, Warschau 2001, broschiert, 15 Euro