16.01.2022

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19.10.02 / Leserbriefe

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. Oktober 2002


Leserbriefe

Fälschlicherweise heile Welt suggeriert

Betr.: Folge 36 - "Ein Blick über die Große Mauer"

Als überzeugte und meist begeisterte langjährige Leserin sowie gelegentliche Mitautorin des Ostpreußenblattes muß ich Ihre Zeitung ausnahmsweise einmal kritisieren.

Ich beziehe mich auf den Artikel über die China-Reise einer ost- und westpreußischen Gruppe, den ich als Tibetologin und Dozentin für Religionswissenschaften an der Universität Marburg/Lahn gerne gelesen habe. Der Artikel ist durchaus inte-ressant und stimmt nachdenklich, bis auf eine Ausnahme: Die Situation in Tibet, das von der Gruppe auch kurz besucht wurde, wird dargestellt, als wäre dort alles in Ordnung: "Inzwischen gibt es auch auf dem Dach der Welt Krankenhäuser, Schulen und sogar ein eigenes Abwassersystem", heißt es in einer Bildunterschrift. Gerade einem den Menschenrechten verpflichteten Organ wie dem Ostpreußenblatt dürfte eine solche naive und einseitige Beschreibung nicht passieren. Gerade Vertriebene und ihre Nachkommen (auch meine Familie stammt aus Ostpreußen und Schlesien) sollten, wenn sie darüber schreiben, besser über die Leiden anderer Vertriebener und Unterdrückter in der Welt informiert sein. Tibet ist, wie doch eigentlich auch den Ostpreußen bekannt sein dürfte, nicht nur ein völkerrechtswidrig von China besetztes und annektiertes Land, sondern auch einer der Orte mit den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen weltweit.

Zum Thema "Lhasa hat jetzt auch Krankenhäuser": Eine Million der sechs Millionen Tibeter wurde seit dem Einmarsch 1950 von den Chinesen getötet, verhungern gelassen, durch die Verweigerung medizinischer Hilfe umgebracht oder durch Zwangsabtreibung erst gar nicht ins Leben gelassen. Die Zwangsabtreibungen und auch Zwangssterilisierungen von Tibeterinnen, beide eindeutig mit dem Ziel des Völkermordes an den Tibetern und Tibeterinnen, passieren übrigens u. a. im Krankenhaus von Lhasa, das im Volksmund daher den Namen "Schlachthaus" trägt.

Einmal ganz abgesehen davon, daß Tibet schon seit Jahrhunderten vor dem Einmarsch der Chinesen eine eigene, hochentwickelte traditionelle (inzwischen auch im Westen geschätzte) Medizin besaß, mit einer Hochschule in Lhasa, die von den Chinesen nach der Besetzung in Schutt und Asche gelegt worden ist.

Zum Thema "Lhasa hat jetzt auch Schulen": Auch diese wurden nicht erst im letzten Jahrzehnt und nicht von den Chinesen eingeführt; Tibet besaß ein eigenes, hauptsächlich von den Klöstern betriebenes, Bildungssystem. Neu ist allerdings die Unterdrückung der Tibeter an den von China eingerichteten Schulen ihres eigenen Landes: Tibeter und Tibeterinnen werden bei der Vergabe von Schulplätzen benachteiligt, sie dürfen nicht oder nur wenige Fächer in ihrer Muttersprache lernen, ansonsten werden sie zwangssinisiert, und wer als Tibeter in Tibet nicht genug Chinesisch spricht, hat keinerlei Berufschancen. (Kommt das nicht gerade Kennern und Kennerinnen der Situation der Deutschen im polnischen Machtbereich nach 1945 bekannt vor?!?). In Lhasa, der tibetischen Hauptstadt, ist übrigens schon eine chinesische Bevölkerungsmehrheit, und die Tibeter/innen werden auch räumlich immer mehr an den Rand ihrer eigenen Stadt gedrängt. Aufgrund dieser Situation schicken viele tibetische Eltern trotz hoher Strafen bereits kleine Kinder heimlich über den Himalaya nach Indien, damit sie dort unter der Obhut des Dalai Lama eine Schulausbildung bekommen können, die ihnen in ihrer Heimat von den chinesischen Besatzern verweigert wird. So groß ist die Not und der Wunsch nach Erhaltung der eigenen Kultur, daß die Eltern existenzbedrohende Strafen und sogar die Gefahr in Kauf nehmen, daß ihre Kinder auf dem Wege aufgegriffen, von der Polizei erschossen werden oder vor Kälte oder Erschöpfung sterben. Auch diese Situation sollte doch uns Deutschen und insbesondere den Vertriebenen bekannt vorkommen?!?

Zum Thema "Lhasa hat jetzt ein eigenes Abwassersystem": Mit der Begründung, daß dort nicht genügend Hygiene und keine Kanalisation möglich sei (in Wirklichkeit geht es darum, die tibetische Identität zu treffen und jeglichen Widerstand zu zerschlagen), wird seit Jahren systematisch die historische tibetische Altstadt rund um den Jokhang, den heiligsten Tempel von Lhasa, abgerissen und durch gesichtslose Betonneubauten ersetzt, die zwar die berühmte Kanalisation haben, aber für die dort vorher vertriebenen Tibeter und Tibeterinnen finanziell nicht erschwinglich sind. So kommt es dazu, daß nicht nur ein unersetzlicher historischer Baubestand systematisch vernichtet, sondern zugleich erreicht wird, daß die tibetische Bevölkerung gerade aus dem heiligen Kern ihrer Stadt von chinesischen Neubürgern vertrieben wurde und noch wird. Sie stimmen mir sicherlich zu, daß dieser Preis für das "eigene Abwassersystem" in Lhasa zu hoch ist. Müssen nicht gerade wir Vertriebenen und Vertriebenen-Nachkommen sensibel für solche Vorgänge sein?

Ich würde mir wünschen, daß das gewohnte hohe Niveau Ihrer Zeitung künftig auch dort noch penibler als bisher gewahrt wird, wo es um Vertriebene anderer Nationalität geht, deren Schicksal um nichts weniger tragisch und ungerecht ist als das der deutschen Vertriebenen.

Adelheid Herrmann-Pfandt, Marburg

 

 

Arbeitsmarkt dringend reformieren

Betr.: Lage in Deutschland

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist mehr als bedenklich und dürfte auch nach der Wiederwahl von Rot-Grün nicht besser werden. Ironisch könnte man sagen, Deutschland hat gewählt, was es verdient hat.

Deutschlands Wirtschaft wird einer der härtesten Winter seit Jahrzehnten bevorstehen. Wir werden Wirtschaftswachstum einbüßen und so auch weitere tausend Arbeitsplätze verlieren. So langsam stellt man sich die Frage, ob und wann es wieder aufwärts geht? Das hängt von den politischen Rahmenbedingungen ab, aber wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir die Strukturkrise auch künftig nicht loswerden. Natürlich hinterlassen auch die Weltkonjunktur und die Lasten der Teilwiedervereinigung Spuren, aber schwerer wiegen die seit Jahren hausgemachten Probleme: Bürokratie und Überregulierung zum Beispiel im Tarifrecht und auf dem Arbeitsmarkt. Sie verhindern Existenzgründungen und neue Arbeitsplätze. Die Steuer- und vor allem Abgabenlast ist viel zu hoch. Jeder dritte Euro, den wir erwirtschaften, wird für Sozialleistungen ausgegeben. Genau dieses Geld fehlt den Betrieben für Investitionen und den Bürgern zum Ausgeben.

Die Staatskasse ist leer, deshalb bleibt zu hoffen, daß die wiedergewählte Regierung sich auf Reformen konzentriert, die wenig kosten, aber große Wirkung entfalten. Dazu gehört vor allem, den verkrusteten Arbeitsmarkt von seinem starren Regelkorsett zu befreien. Was Siemens noch verkraftet, kann dem Elektromeister in Magdeburg die Existenz kosten. 

Alexander Klein, Köln

 

 

Große Freude

Betr.: Folge 28 - "Alte Zeichnung gefunden"

Der Zeichner des gefunden Bildes, Hansgeorg Skaliks, hat sich postwendend an mich gewandt. Nun hat er das Original seiner schönen Federzeichnung und freut sich darüber.

Hans-Joachim Schappler, Parchim

 

 

Fast Mitleid mit Abgeordneten

Betr.: Folge 35 - "Im Zentrum der Macht"

Der Artikel machte mich erst nachdenklich, doch plötzlich hatte ich sogar Mitleid mit den Abgeordneten. Berufspolitiker haben einen schweren Job, trotzdem allerdings noch genug Zeit für bezahlte Nebentätigkeiten. Wir haben freie Berufswahl, keiner wird gezwungen, in die Politik zu gehen. Sie besitzt allerdings eine magische Anziehungskraft, und scheint lukrativ zu sein.

Vor zirka 20 bis 30 Jahren habe ich noch gewußt, wer mein Abgeordneter ist, konnte mich noch direkt mit meinem Anliegen an ihn wenden, unbürokratisch etwas mit ihm besprechen oder Hilfe bekommen. Heute hingegen wird der Bürger nur noch verwaltet. Alles müßte entbürokratisiert und transparenter gemacht werden.

Noch eine Anmerkung zum TV-Duell: Beide Kandidaten haben sich im Rampenlicht gut geschlagen, doch nur reden überzeugt nicht, konkrete Programme will das Volk hören.

Margot Mahner, Bremen

 

 

Mehr Ansehen für die Mutter

Betr.: Kindererziehung

Kindertagesstätten und Ganztagsschulen scheinen für unsere Regierung die Erfolgslösung zu sein. Das Kind wird so aber zu einem Wesen herabgewürdigt, das man lediglich zu füttern braucht. Man soll mir doch nicht erzählen, daß eine Erzieherin sich vollkommen auf ein Kind einstellen kann, zumal meist zwanzig bis dreißig Kinder in einer Gruppe sind. Kinder brauchen nicht nur Abspeisung und Betreuung sondern die verstehende und wärmende Liebe einer Mutter. Das Kind braucht jemanden, der ihm zuhört, an den es sich mit all seinen Nöten wenden kann.

Das Merkwürdige an der Sache ist für meine Begriffe die Tatsache, daß eine Erzieherin, die dafür bezahlt wird, in der Öffentlichkeit einen angesehenen Beruf hat. Eine Hausfrau und Mutter dagegen, die viel mehr leisten muß, man denke nur an Krankheiten der Kinder, in der Berufswerteskala ganz unten steht. Das müßte geändert werden. Gebt der Hausfrau und Mutter ihr berechtigtes Ansehen zurück! 

Bringfriede Jung, Fahrenbach

 

 

Erlebtes Leben

Betr.: Folge 39 - "Gedanken über Ostpreußen"

Ihr Urteil über das Buch "Briefe an Julian" verwundert und irritiert mich. Man muß wohl wie ich in Ostpreußen aufgewachsen sein, um auch den ehrlichen Inhalt angemessen zu würdigen. Elfriede Schmidt-Redöhl hat ja nicht Phantasien wie beispielsweise der Lycker Siegfried Lenz über Suleyken zum Besten gegeben, sondern erlebtes Leben. Geschichte, die man heute immer in den Kleidern der damaligen Zeit sehen muß.

Die "Briefe an Julian" sind Geschichte pur, ohne Verbeugung an den Zeitgeist. So habe ich Len- zen's "Deutschstunde" nicht zu Ende gelesen, die "Briefe an Julian" dagegen nicht nur gelesen, sondern geradezu verschlungen. Dies ist ein Aspekt, den man bei der Besprechung der "Briefe an Julian" auch hätte bedenken sollen. 

Klaus Krech, Ahrensburg