20.05.2024

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02.11.02 / Schrecklich

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. November 2002


Kommentar
Schrecklich

Manchmal fällt es schwer, die Russen zu verstehen. Ein Sieg, eine gelungene Demonstration der Entschlossenheit soll die Befreiung der Mos-kauer Geiseln gewesen sein? Über hundert Tote! In Deutschland wären Köpfe gerollt, Regierungen gestürzt über solch ein Blutbad.

Die russische Öffentlichtkeit sieht das mehrheitlich ganz anders, ist sogar stolz auf ihren unerbittlichen Präsidenten. Wer das begreifen will, muß tief in der unterschiedlichen Geschichte Deutschlands und Rußlands kramen.

Rußland kennt die Erinnerung der bürgerlichen Gesellschaft nicht, nach der insbesondere freigebige Fürsten das Tor zu mehr Freiheit, Recht und Wohlstand auftaten. Für Rußland bestand die Alternative zum harten Des-poten nicht in Frühformen gerechter "Gewaltenteilung", sondern in Chaos, Anarchie und unendlichem Leid. Waren die Zaren nicht mächtig und streng genug, fiel das Land gierigen Horden anheim. So konnte es kommen, daß ein Zar Iwan "der Schreckliche" bis heute mythische Verehrung genießt. Die letzte "liberale" Ära Rußlands war diejenige Jelzins. Da erscheint der "schreckliche" Putin allemal als Erlösung. Hans Heckel