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02.11.02 / Auf der Suche nach Stille

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. November 2002


Auf der Suche nach Stille
Zwei versierte Autoren entschlüsseln das Geheimnis des Tees

Wasser ist des klaren Windes guter Freund,/ Tee beglückt das Herz des Stille Suchenden", heißt es in einer Kalligraphie von Hu Hsiang-fan. Der in Peking geborene Germanist und Sänger hat gemeinsam mit Carla Steenberg ein neues Buch herausgebracht, das sich mit einem der köstlichsten Genußmittel beschäftigt, das aus dem Fernen Osten zu uns nach Europa kam, dem Tee. Gerade in diesen Spätherbsttagen, da die Sonne sich nur selten blicken läßt, da es schon früh dunkel wird, gibt es kaum etwas Trostreicheres, als eine Tasse Tee bei Kerzenschein zu genießen. (Kaffeefreunde werden diese Euphorie nachsichtig belächeln). In Das Geheimnis des Tees (Theseus Verlag, Berlin. 144 Seiten, zahlr. sw Abb. und Farbfotos, Halbleinen mit Lesebändchen, 14,90 E) beleuchten die Autoren fachkundig die Geschichte des Tees, die vor viereinhalbtausend Jahren ihren Anfang nahm. Im alten China war's, da ein Heilkundiger durch einen Zufall auf diese Pflanze stieß und sie zunächst als Medizin einsetzte. Als Nahrungsmittel und als Opfergabe wurde der grüne Tee verwandt, der übrigens nicht getrunken, sondern gegessen wurde. Erst zwischen 220 und 280 kam man auf die Idee, die Blätter mit heißem Wasser zu übergießen und den Sud zu trinken. Und nur durch einen Zufall (wieder) "entstand" schließlich auch der schwarze Tee. Als nämlich während des Opiumkrieges ausländische Truppen eine Teefabrik besetzten und das frisch gelagerte Blattgut nicht verwertet werden konnte, sondern anfing zu gären und zu fermentieren, war ein neues Genußmittel entstanden, das bald Freunde in aller Welt gewann.

Tee ist nicht nur ein wohlschmeckendes, anregendes (oder beruhigendes) Getränk, er löscht auch hervorragend den Durst und regt den Speichelfluß an, er neutralisiert giftige Wirkstoffe, fördert eine gesunde Verdauung, ist ein Fettkiller und hilft bei Haut- krankheiten. Auch ist der Gehalt an Vitamin C bei Grüntee besonders hoch.

Die beiden Autoren führen den Leser auf eine abwechslungsreiche und faszinierende Reise in die Kulturgeschichte des Tees. Man wird in den kaiserlichen Teegarten entführt, begegnet Teemeistern und lernt die berühmte Teezeremonie kennen, erhält aber auch Tips für die richtige Zubereitung und Ratschläge zur Wahl der richtigen Teekanne. Geschichten, Legenden, Anekdoten und Gedichte sowie zauberhafte Kalligraphien und Fotos lassen eine alte Tradition wieder lebendig werden.

"Die Arbeit an diesem Buch hat uns wieder viel Spaß gemacht", schreibt die ausgewiesene Kennerin Chinas Carla Steenberg, geborene Wiechert aus Neuhausen bei Königsberg, dem Ostpreußenblatt. "Die Chinareisen der letzten Jahre gehörten zu den Vorbereitungen und haben viele Geheimnisse uns enthüllen können. Und dennoch: seit zwei Jahrzehnten beschäftigen wir uns intensiv mit dem Tee und wissen wohl immer noch nicht alles ..." - Nähere Informationen auch über Die Bambusbrücke, Lutherstraße 27, 71576 Burgstetten 1, Telefon 0 71 91/ 98 04 86, Fax: 0 71 91/73 34 49, oder unter www.bambusbruecke.de Silke Osman

Fasziniert von fernöstlicher Kultur: Carla Steenberg und Hu Hsiang-fan gründeten 1978 die erste chinesische Teeschule in Deutschland Foto aus dem besprochenen Buch