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02.11.02 / Mondän und kapriziös / Hilde Hildebrand: "Beim erstenmal, da tut's noch weh"

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. November 2002


Mondän und kapriziös
Hilde Hildebrand: "Beim erstenmal, da tut's noch weh"

Sie war in ihrer großen Filmzeit ein Vamp. Eine Frau, die mondän und kapriziös war. In eleganter Garderobe und noch eleganteren Lokalen hatte sie Sekt zu trinken, zu flirten und brave Ehemänner in Versuchung zu führen. Aber das war nur eine Seite der Hildebrand. Sie war ebenso klassische Diseuse, verehrte Bühnenschauspielerin wie zuletzt eine reife Charakterschauspielerin.

Wer den Film "Große Freiheit Nr. 7" (1943/44) gesehen hat, jenen ungewöhnlichen Käutner-Film, den Goebbels einst verboten hatte, und in dem der blonde Hans Albers und Hilde Hildebrand große Erfolge feierten, wird ihn nicht vergessen haben. Neben ihrem Chanson "Beim erstenmal, da tut's noch weh" gab sie ein echtes menschliches und von leiser Tragik beschattetes Bild der alternden "Chefin".

Hilde Hildebrand wurde am 10. September 1897 in Hannover als Tochter eines Monteurs geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Schauspielerin stand sie schon 1914 in klassischen Rollen auf der Bühne und ging 1922 nach Berlin. Es gab kaum ein Berliner Theater, in dem sie nicht aufgetreten wäre. Mit Hilde Hildebrand wurde in diesen Jahren der "Typ der neuen Berlinerin" entdeckt, von dem es hieß, man habe es hier hoffentlich und endlich einmal mit einer jungen Frau zu tun, die "außer Hüften und Beinen auch noch Witz zu verkaufen hat".

In Stummfilmen war sie nie besonders hervorgetreten, sie war ein "Theaterkind". Ganz anders im Tonfilm. Ihre Filmrollen sind beinahe Legion, darum seien hier nur einige wenige genannt: "Artisten", "Barcarole", "Amphitryon", "Der Kurier des Zaren", "Tanz auf dem Vulkan" (mit Gustaf Gründgens), "Bel ami" (mit Willi Forst) sowie "Jenny und der Herr im Frack". Nach dem Krieg sah man sie in Streifen wie "Bezaubernde Arabella" (mit Axel von Ambesser) und "Fastnachtsbeichte" an der Seite von Götz George; 1964 erhielt sie für ihr langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film das "Filmband in Gold".

Als sie gar nicht mehr spielte, wurde sie immer menschenscheuer. Ihre Grunewald-Wohnung wurde ihre letzte Lebensinsel.

Hilde Hildebrand starb einsam und vergessen am 27. Mai 1976 in ihrer Berliner Wohnung im Grunewald und wurde auf dem Waldfriedhof an der Heerstraße beerdigt. kai-press

 

Hilde Hildebrand: Ihre Filmrollen sind Legion Foto: Archiv kai-press

 

Allerseelen Von Traute Simons-Gosse Rot verglüht der gewesene Tag glüht über dem Flußland dahin blau dämmert aus den Wäldern der Abend dämmert über abgeernteten Feldern und wird stumm in der schwarzen Tiefe der Nacht unbeteiligt gleißen die Sterne