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07.12.02 / Namibia - schwarzer Rassismus

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Dezember 2002


Hans-Jürgen Mahlitz:
Namibia - schwarzer Rassismus

Als ich Anfang dieser Woche das Welt-Interview mit Namibias Machthaber Sam Nujoma las, kamen unangenehme Erinnerungen auf. Zum Beispiel an einen Flug in den Norden des südwestafrikanischen Landes, nach Oshakati, irgendwann Mitte der 80er Jahre: Die viersitzige Cessna der südafrikanischen Armee geht urplötzlich in extreme Schräglage, der Pilot fragt, ob ich gut gefrühstückt habe, und erklärt, warum er sich aus 3.000 Fuß Flughöhe in einer ganz engen Spirale zur Landung herunterschraubt - das Flugfeld gehört der Armee, der Busch rundum der SWAPO, und deren "Freiheitskämpfer" schießen mit ihren sowjetischen Boden-Luft-Raketen auf alles, was sich am Himmel bewegt. Diese Raketen werden mit Wärmesensoren ins Ziel gesteuert, und dies machen sich die Piloten zunutze, indem sie aus der hochstehenden Sonne herunterkommen - so werden die Raketen knapp abgelenkt. Da ist man, egal ob man gut oder schlecht gefrühstückt hat (am besten gar nicht!), heilfroh, wenn man wieder sicheren Boden unter den Füßen hat, und "genießt" die Weiterfahrt auf dem Landweg - in einem gepanzerten Fahrzeug, begleitet von einem Minensuchtrupp.

Die Guerilleros, die damals ihre mobilen Raketenbasen bis an den Ortsrand von Oshakati vorgeschoben hatten und aus dem Hinterhalt zivile und militärische Maschinen abschossen, standen unter dem Kommando Sam Nujomas. Eben diesen Sam Nujoma, inzwischen Staatspräsident, durfte Welt-Korrespondent Thomas Knemeyer nun interviewen - in Oshakati. Der Ort war mit Bedacht gewählt; die staubige Buschmetropole liegt im Herzen des Ovambolands. Dieser Stamm stellt die Hälfte der Bevölkerung und dominiert das Land so, wie früher, während und nach der deutschen Kolonialzeit, die Weißen.

Die Anreise nach Oshakati wird Kollege Knemeyer wohl in weniger unangenehmer Erinnerung haben als ich. Umso unangenehmer aber war, was er dann vor Ort erleben mußte: statt eines, wie üblich, aus Fragen und Antworten bestehenden Interviews eine wilde Haßtirade, gespickt mit Beleidigungen und Drohungen, geprägt von blankem Rassismus. Beispiel: "Wenn ihr Weißen weiterhin so arrogant seid, dann werden wir euch ganz sicher einen Schlag versetzen. Wir haben die Fähigkeit, mit euch fertig zu werden. Unterschätzt uns nicht - wir werden mit euch fertig!" Wütend gestikulierend verabschiedete der Staatspräsident den Fragesteller mit der persönlichen Drohung: "Und dann schreiben Sie noch diesen Unsinn. Wenn Sie damit nicht aufhören, werden wir uns mit Ihnen direkt befassen!"

Während des jahrzehntelangen blutigen Kampfes um Unabhängigkeit zählte Sam Nujoma zu den Lieblingen der politischen Linken in Europa. Antikolonialismus, Antiimperialismus, Antirassismus - das waren die Schlagworte, mit denen jeder niedergemacht wurde, der zu Besonnenheit mahnte und darauf hinwies, daß nicht alle Weißen automatisch Schwerverbrecher und nicht alle Schwarzen reine Unschuldsengel seien. Gerade Nujoma war einer jener "Freiheitskämpfer", die durch besonders blutrünstiges und rücksichtsloses Vorgehen zum Erfolg kamen.

Als dieser Erfolg errungen war, gab Nujoma sich zunächst friedfertig und tolerant, wohlwissend, daß ohne die Weißen, darunter an die 40.000 deutschstämmige, das Land schnell im wirtschaftlichen Chaos versinken würde. Verhindert, vielleicht auch nur vertagt, wurde dieses Chaos nicht zuletzt auch durch üppige Geldzuwendungen aus jenen Weltregionen, die nun als arrogant, rassistisch, imperialistisch und faschistisch beschimpft werden. Was Nujoma jetzt aufführt, ist nichts anderes als blanker schwarzer Rassismus, und der ist genauso verabscheuungswürdig wie weißer Rassenwahn.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Noch gibt es oppositionelle Stimmen - weiße und schwarze! - gegen die "unerträglichen" und "rassistischen Bemerkungen und Drohungen" des Staatspräsidenten - noch scheint Namibia nicht vollends im Sumpf der Nujoma-Diktatur versunken zu sein.