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07.12.02 / Besuch verschoben

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Dezember 2002


Besuch verschoben

Der Landesverband Brandenburg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat den aus Anlaß des Volkstrauertages geplanten Besuch einer vom Landtagspräsidenten und Landesvorsitzenden des Volksbundes Herbert Knoblich geleiteten Delegation in Königsberg auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit hat der Streit um die Errichtung eines im Zentrum der Pregelmetropole gelegenen Friedhofs für deutsche Soldaten, die beim sowjetischen Sturm auf die Festung Königsberg im April 1945 umgekommen sind, einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Bereits vor einigen Jahren hatte der Verband Deutsche Kriegsgräberfürsorge hierfür ein an der Alex- ander-Newskij-Straße gelegenes Grundstück von 0,8 Hektar Fläche zur Verfügung gestellt bekommen. Die Arbeiten haben dort auch bereits begonnen, doch russische Kriegsveteranen wandten sich an die Königsberger Gebietsverwaltung und den Bürgermeister der Stadt, um die geplante Nutzung zu verhindern. Der Vorsitzende des Veteranenverbandes, Jurij Samjatin, forderte die Stadtverwaltung auf, die Einfriedungsarbeiten zumindest so lange hinauszuzögern, bis ihnen von deutscher Seite Lagepläne der Konzentrationslager auf ostpreußischem Boden und Listen der dort ums Leben gekommenen Rotarmisten ausgehändigt worden sind. Begründet wird die Forderung mit dem Wunsch, eine Gedenktafel für die Lagerinsassen der Konzentrationslager aufzustellen. Erst wenn diese Übergabe erfolgt sei, werde sein Verband der Errichtung eines Gedenkfriedhofs für Wehrmachtangehörige in Königsberg zustimmen, sagte Samjatin. Der Widerstand des Veteranenverbandes war zumindest insofern erfolgreich, als sich nun auch Abgeordnete des Königsberger Stadtrates gegen die Errichtung des Friedhofs aussprachen, worauf die Brandenburger mit der Besuchsverschiebung reagierten.

Der vorgesehene Delegationsleiter Herbert Knoblich hat den Schritt wie folgt begründet:

Nachdem der Königsberger "Rat der Veteranen des Krieges, der Arbeit, der Streitkräfte und der Rechtsschutzbehörden" um ein sechsmonatiges Moratorium für die Errichtung eines deutschen Soldatenfriedhofs in der Stadt gebeten habe und es noch weiteren internen Klärungsbedarf auf Königsberger Seite zu geben scheine, "war es geboten, bei diesem Prozeß nicht den Eindruck äußerer Einmischung entstehen zu lassen und den geplanten Besuch zu verschieben. Der Landesverband Brandenburg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem an einer weiterhin vertrauensvollen und auf gegenseitiger Achtung beruhenden Zusammenarbeit sehr viel liegt, ist jeder Zeit bereit, an der Klärung noch offener Fragen mitzuwirken."

Daß beide Seiten dazu in der Lage seien, zeigten die Erfahrungen des Volksbundes: Im Vorfeld der Einweihung des Friedhofes in Pillau entstandene "Irritationen konnten anläßlich meines Besuches im September 2000 in eindrucksvoller Weise mit Vertretern des dortigen Verbandes der Kriegsveteranen ausgeräumt werden. Ich werde nichts unversucht lassen, eine die Gefühle aller Veteranen gerecht werdende Lösung zu erreichen und so - wie dies bereits durch gemeinsam durchgeführte und noch geplante Jugendlager bewirkt wird - einen Beitrag zur Aussöhnung zu leisten. Hoffentlich habe ich bald Gelegenheit dazu."

Wladimir Jegorow, Königsbergs Gouverneur, reagierte mit der Beteuerung, er sei überzeugt, daß das Problem gelöst werde. J. J.