15.06.2024

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07.12.02 / Leserbriefe

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Dezember 2002


Leserbriefe

Ostpreussentreffen in der Schweiz

Betr.: Die Sterne der Heimat auch in der Schweiz

Im April und im November eines jeden Jahres treffen sich die Ostpreußen in Zürich zu einer Zusammenkunft. Es ist nicht irgendein Treffen, sondern ausschließlich im Gedenken an die Heimat.

Im Jahr 1985 wurde der Freundeskreis "Ostpreußen - Schweiz" ins Leben gerufen. Damals fanden nur wenige zusammen, um ihre Liebe und Treue zur Heimat aufrecht zu erhalten. Initiatorin ist Hildegard Hägi-Modersbach, die in der Schweiz durch Heirat ihr neues Zuhause gefunden hat, wie es auch uns ähnlich ergangen ist.

Meine Frau und ich haben vom Bestehen des "Freundeskreises" durch das Ostpreußenblatt erfahren. Nun erhalten wir jedes Jahr zum April und zum November jeweils eine Einladung. Damit es auch einen feierlichen und gemütlichen Zusammenhalt und Rahmen gibt, ist jede Teilnehmerin, oder Teilnehmer eingeladen, zumeist selbstgemachtes Gebäck oder Kuchen mitzubringen. Kaffee wird gespendet. Der gemietete Saal in Zürich-Seebach ist immer sehr nett und feierlich hergerichtet mit Gedecken und Kerzen sowie schlichtem Schmuck. Das macht Frau Hägi ehrenamtlich, natürlich mit einigen Helfern und Helferinnen, was nicht so einfach ist, somit unsere Würdigung erfährt.

Es gibt dort Tafeln, an die man Berichte, Zeichnungen, Fotos, Pläne und so weiter anhängt. Ungefähr 80 bis 100 Personen kommen aus allen Teilen der Schweiz oder sogar aus den Randgebieten von Deutschland, mal sind es weniger, mal mehr.

Es mag wissenswert sein, zu erfahren, daß schon vor dem ersten Weltkrieg schweizerische Fachleute aus der Milch- und Käseproduktion nach Ostpreußen zogen - man denke an den Tilsiter - dort ihre Heimat fanden und über mehrere Generationen mit den Lebenspartnern ihre Wurzeln hatten. Durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges kamen dann die Nachkommen der Schweizer aus Ostpreußen hierher in die Schweiz zurück, teilweise unter sehr schwierigen Ausreisebedingungen, oder erst nach der Vertreibung 1945. Ost- und auch Westpreußen ist ihre Heimat. In den vielen Jahren, die seit der Vertreibung vergangen sind, treffen wir an den Veranstaltungstagen viele Bekannte und Freunde, die sich durch Preußen verbunden fühlen.

Frau Hägi bringt aus ihrem Fundus einige Vorträge, die jeweils durch Musik und Lieder aufgelockert werden. Das letzte Programm am 24.November 2002 hieß: "Versailler Vertrag - Danzig - Polen". Im April hatten wir das Gebiet um Königsberg zum Thema. Wer will, kann etwas aus seinem Buch vorlesen, oder in der Mundart von Ostpreußen erzählen. Wir singen bekannte Lieder und frischen alte Bekanntschaften auf. Es wird der Toten gedacht und die Gedanken eines jeden gehen dann in die Vergangenheit zurück. Natürlich singen wir das Ostpreußenlied: "Land der dunklen Wälder". Es ist an diesem Tage wie in einer großen Familie. Die Liebe zur Heimat, einem unvergeßlichen Land mit den dunklen Wäldern, den kristallklaren Seen, aber auch mit den hohen kulturellen Werten ist in uns. Man hat uns der Heimat beraubt, doch die Erinnerung kann uns keiner nehmen.

Gerhard und Dora Thun-Hinzer, St. Gallen, Schweiz

 

 

Eine Schande!

Betr.: "Jämmerliches Trauerspiel" (Folge 47)

Was denkt sich Herr Thierse eigentlich? Wirkt sich die in der Zeit vor der Wende erhaltene "Impfung" noch heute aus? In der DDR gab es schließlich keine Kriegerwitwen!

Wahrscheinlich kann er sich nicht vorstellen, was damals die für die Familien und die Angehörigen an der Front Feldpostbriefe bedeuteten. Kann er sich vorstellen, wie uns über 80jährigen zumute ist, wenn wir hören, daß er bei diesen wertvollen Briefen von Nazitexten spricht? Weiß er, wie es uns damals erging, wenn die Nachricht vom Tod des Vaters, Mannes oder Bruders überbracht wurde? Kann er nachempfinden, daß man noch nach so vielen Jahren das Bild nicht los wird, als man eine enge Verwandte als junge Mutter mit zwei kleinen Kindern 1941 weinend vorfand, nachdem sie gerade die Nachricht vom Tode ihres Mannes an der Front in Rußland erhalten hat?

Ich war mit meiner Mutter noch bis 1947 in der Heimat, wo wir erst im Herbst 1946 die erste Post erhielten. Diese Post von unseren Gott sei Dank den Krieg überlebten Angehörigen ließ uns die schwere Zeit einfacher ertragen. Waren das alles "Nazitexte"?

Es ist eine Schande, daß ein deutscher Politiker so denkt. Kann er es verantworten, die Soldaten, die jahrelang an der Front waren, so mit Dreck zu bewerfen? Mein Dank gilt Senta Berger, die sich von dieser Unverschämtheit distanzierte.

Elsbeth Dardat, Frankfurt/M.

 

 

Nicht vergessen!

Betr.: "Unbequemer Wegweiser" (Folge 47)

Auch auf der Homepage des NDR 3-Hörfunks habe ich einen Artikel über J. Fr. Reichardt gefunden. Also ganz so vergessen ist dieser Komponist aus Königsberg doch nicht.

Gisela Borchers, Hude

 

 

Zweieinhalb Jahre Arbeitslager wegen Ostpreussen

Betr.: "Opfer der Willkür" (Folge 43)

Jedes Jahr im November muß ich an meine Verhaftung in der DDR denken. Nach einer Sonderschicht fuhr ich an einem trüben Novembertag mit dem Zug nach Weißenfels, um von dort mit dem Bus nach Hause weiterzugelangen. Da der Bus aber noch nicht kam, ging ich in eine Gaststätte, um etwas zu essen. Ich kam mit meinem Tischnachbarn ins Gespräch, und unversehens waren wir bei der Politik. Zu jener Zeit sagte ich frei heraus, was ich dachte.

Der Tischnachbar schimpfte kräftig auf die DDR und fragte mich, woher ich käme. Ich taute auch etwas auf und erzählte, daß ich aus Ostpreußen stamme, wir vor den Russen fliehen mußten und daß ich die Vertreibung nicht akzeptieren konnte. Leider entwich mir der verhängnisvolle Satz: "Wenn die Freundschaft der Sowjetunion zur DDR wirklich so groß ist, könnte sie Ostpreußen doch der DDR schenken."

Da stand der Tischnachbar abrupt auf und sagte, daß er genug gehört habe und nun die Polizei rufen würde. Dann verschwand er und ließ mich wie vom Donner gerührt zurück. Verschreckt zahlte ich und verließ das Lokal. Doch als ich die Flügeltür zur Bezirksbahnhofshalle öffnete, standen zwei Bereitschaftspolizisten und der Denunziant vor mir. Ich wurde festgenommen und es folgten Verhandlung und Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Arbeits- und Straflager wegen Staatsverleumdung.

Diese lähmende, barbarische Disziplin aus dem Arbeitslagerleben hielt, gepaart mit der Furcht, wieder inhaftiert werden zu können, bis zur Wende. Ich frage mich noch heute, was man dort mit uns gemacht hat, wie sehr man uns dort verbogen hat.

Mein Antrag auf Rehabilitierung, Entschädigung und Annullierung des Urteils von 1969 wurde aber auch nach 1989 abgelehnt. Rentenansprüche für die gestohlenen zweieinhalb Lebensjahre brauche ich gar nicht erst zu stellen. Vielen Dank der Justiz des wiedervereinigten Deutschlands.

So wie mir erging es Tausenden. Doch die Opfer sind vergessen, während die Täter in sicheren Positionen sitzen. Ich habe das ungute Gefühl, daß mit diesem Deutschland etwas nicht stimmt. Welche Parteien müßten in Deutschland wohl regieren, damit uns Betrogenen Gerechtigkeit widerfährt? 

Bernhard Ax, Halle-Neustadt

 

 

Ironie als Waffe gegen Anglizismen

Betr.: "Michels Stammtisch" (Folge 47)

Der Internet-Fund unseres Stammtisch-Michels sollte uns nicht nur lachen machen, sondern vielleicht auch dazu veranlassen, es Peter Bomba aus Kirchlinteln gelegentlich gleichzutun: Laßt uns all denen ironisch kommen, die mit ihrem Teilwissen und Halbkönnen dem augenblicklichen Anglizismen-Trend hinterherhecheln, ohne zu wissen, was sie so sagen oder schreiben!

Wer sich schon - wie Peter Struck - für den sprachlichen Mischausdruck "Lead-Funktion" statt des lange eingebürgerten Begriffs "Führungsfunktion" entscheidet, der sollte das englische "lead" zumindest richtig aussprechen können und daran denken, daß das Wort nicht wie das deutsche "Lied" klingen darf. Im Englischen gibt es keine "germanische Auslautsverhärtung", das heißt, es kommen am Silben- und Wortende auch weiche Laute vor. Das "d" in "lead" wird also als "d" gesprochen und nicht - wie das "d" im deutschen "Lied" mit "t".

Also: Nicht nur "deutsche Sprache - schwere Sprache", auch das Englische hat es hier und da in sich!

Peter Perrey, Neustadt

 

 

"Denken darf man ja noch"

Betr.: "Jämmerliches Trauerspiel" (Folge 47)

Heute verfestigt sich mein Wunsch, auch einmal selber einen Leserbrief zu verschicken. Vorweg: Keine Kritik am Ostpreußenblatt meinerseits, ganz im Gegenteil! Heute kommt eher noch meine besondere Dankbarkeit dazu.

Regelmäßig steht im Ostpreußenblatt schwarz auf weiß und grundsätzlich bestens erläutert alles das, was mich sowieso schon aufregt. Ich erinnere mich regelmäßig an meinen längst verstorbenen lieben, humorigen Opa, wie er während des Krieges und danach auch täglich am Frühstückstisch anläßlich seiner Morgenzeitung tobte ...

Anlaß für meine jetzige Verärgerung ist die in Worten kaum ausdrückbare Unverschämtheit des Wolfgang Thierse, die letzterhaltenen Briefe von Stalingrad-Soldaten dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gegenüber auch nur erwägungsweise als "Nazitexte" zu bezeichnen und somit wegzuerpressen anläßlich einer geplanten Veranstaltung. Mein Vater würde sagen, "ein A... mit Ohren, dieser Herr". Ich schreibe nur auf, was man sagen könnte, was ich denke. Denken darf man ja vorläufig noch. Nicht nur lebende Angehörige verschollener, gesuchter, gefundener und liebevoll neugebetteter Soldaten erfahren große Erleichterung durch die Arbeit des Volksbundes. Nicht nur unsichtbare Seelen freuen sich, daß sie unvergessen geliebt werden, sondern unsere Nachfahren können auch vieles lernen, was wir selber ihnen nicht am Wohnzimmertisch vermitteln können: Wie sehr nämlich Zugehörigsein, Drangsal und auch Auflösung von Bösem in Gutes zum Leben gehören. Die vorgesehenen Stalingrad-Briefe zur Gestaltung der Gedenkfeier würden nur und ausschließlich zum Besten dienen.

Jeder, der Kenntnis von diesem Vorfall hat, sollte auch Senta Berger schreiben: Recht, sehr recht so, daß sie sich den Ersatztexten verweigerte. Ich hätte sogar gerade heraus gesagt, weshalb.

Abschließend möchte ich dem Ostpreußenblatt meine Dankbarkeit mitteilen. Noch platzend vor Zorn entdeckte ich die Ausführungen von Hans Heckel. Die Vorstellung von einer "ankommenden fremden Macht, die die ganze Polit-Bagage evakuiert, und wir wären sie los", habe ich sehr genossen.

Monica Hittenkofer, Eschenlohe

 

Mann ohne Feingefühl: Wolfgang Thierse hat mit seiner Abwehr gegen die Lesung von Briefen deutscher Soldaten aus Stalingrad am Volkstrauertag Empörung ausgelöst. Diese letzten Schreiben von der Front an die Angehörigen bezeichnete der Bundestagspräsident unglaublicherweise als "Nazitexte".

 

 

Ewiger Schmerz

Betr.: Volkstrauertag

Heute ist Volkstrauertag, und ich denke an meine beiden Brüder, die gefallen sind, und meine Eltern, die in Königsberg verhungert sind. Auch nehme ich traurig gestimmt das Schreiben von einem Hauptverbandsplatz in Rußland an meine Familie in die Hand.

"Hiermit erfülle ich die traurige Pflicht, Sie über den Heldentod Ihres Sohnes Ferdinand in Kenntnis zu setzen", schreibt der Stabsarzt Dr. Waligura. "Am 22. Juli 1943 um 6 Uhr wurde ihr Bub (geboren 1. Juli 1924) auf meinen Hauptverbandsplatz mit einem schweren Kopfschuß eingeliefert. Sofort stützten wir sein Herz, da der Kräftezustand sehr schlecht war und wir an eine Operation nicht herangehen konnten. Leider erholte sich weder sein Herz noch seine Kräfte, er verstarb um 13 Uhr am gleichen Tag. Schmerzen hatte er keine. Grüße trug er an seine Eltern auf und an Elisabeth." "Von Garten und Blumen sprach er ..." "... Beisetzung auf dem Heldenfriedhof in Baranowka statt. Baranowka liegt etwa 65 Kilometer nordöstlich von Brjansk." "Einen kleinen Trost in Ihrem Schmerz möge es bedeuten, daß ihr Sohn allgemein beliebt war, treu und brav seine Pflicht erfüllt hat. ... Zu seinen besten Kräften hat er geholfen, daß die Heimat vor dem Ansturm des Bolschewismus bewahrt ist."

Ein Brief, wie ihn Millionen von Menschen im Zweiten Weltkrieg bekamen, für mich und meine Eltern ein Verlust sondergleichen, der mich noch heute mit Schmerz erfüllt. 

Elisabeth Dangelmaier, Nagold