22.05.2024

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21.12.02 / Gastkommentar von Holger Dohmen zu Roland Kochs "Eklat"

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. Dezember 2002


Wer Gräben aufreisst, schadet dem Land
Gastkommentar von Holger Dohmen zu Roland Kochs "Eklat"

Es gäbe genügend Geld, es sei nur in den falschen Taschen. Wer die Einlassung von Hamburgs Ver.di-Chef Wolfgang Rose noch als einmalige Entgleisung eines gewerkschaftlichen Betonkopfs auf lokaler Ebene empfunden haben mag, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Auch Roses Chef, Ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske, ist sich nicht zu schade, die Vermögenden dieses Landes öffentlich an den Pranger zu stellen.

Damit ist klar: Der Appell an niedere Instinkte hat in der größten Gewerkschaft der freien Welt, wie sich Ver.di gern bezeichnet, System. Hessens Ministerpräsident Roland Koch geht zweifellos zu weit, wenn er Bsirskes Attacke auf die Thurn und Taxis und Holtzbrincks mit dem Verhalten der Nazis vergleicht, die Juden einen Stern anhefteten, um sie zu brandmarken. Es kann aber auch nicht früh genug davor gewarnt werden, klassenkämpferische Exzesse, wie sie in der Frühphase der DDR oder der Sowjetunion gepflegt wurden, auf deutsche Verhältnisse im Jahr 2002 zu übertragen. Daß ausgerechnet ein hoch bezahlter Gewerkschaftschef dies tut, zeigt, daß er weder die Geschichte verstanden hat noch die Zeichen der Zeit.

Ist politisch Verantwortlichen wie Bsirske eigentlich nicht klar, daß die meisten Vermögenden dieses Landes Millionen Arbeitsplätze schaffen, daß sie als Mäzene wie Otto, Greve und andere Gründer in Hamburg und anderswo kulturelle und soziale Leistungen erbringen, die der ganzen Gesellschaft zugute kommen? Hat Frank Bsirske je darüber nachgedacht, daß das Spielen auf der Neidklaviatur moralisch und politisch höchst verwerflich ist? Daß das Aufreißen von Gräben allen schadet?

Es ist schon ein Trauerspiel, wie eine so wichtige Institution wie die Gewerkschaftsbewegung von einzelnen Führungskadern beschädigt wird, die glauben, den starken Mann mimen zu müssen. Übrigens: Koch hat sich bei Bsirske entschuldigt. Vom Ver.di-Chef war an die Adresse der von ihm Geschmähten noch nichts zu hören. n

Der Autor dieses Beitrages ist Chefkorrespondent der Tageszeitung Hamburger Abendblatt.