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21.12.02 / Freude ist der Auftrag

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. Dezember 2002


Freude ist der Auftrag
von Dietrich Sandern, Pfarrer i. R.

Ich verkünde euch eine große Freude." - Was denkt wohl ein Mensch, der diesen Satz einfach so, wie er da steht, hört? Vielleicht stolpert er noch über das Wörtchen "verkünde". Was heißt eigentlich dieses Wort, das im normalen Alltagsdeutsch nicht vorkommt? Wohin zieht sich für ihn eine Verbindungslinie? Ein aktiver Christ könnte in die Richtung Glaube und Religion denken. Wissen aber wirklich alle von ihnen, was damit gemeint ist? Und alle anderen?

"Ich verkünde euch eine große Freude." Freude verkünden: In unsere Welt, die so geprägt ist von Kriegen, von Terror und Ka-tastrophen? In unseren Alltag, der beherrscht wird von Arbeit, Sorgen, unheilvollem Streß, von Krankheit, Einsamkeit, Trennung und Loslassen? Ja, genau in diese unsere alltägliche Welt spricht Gott durch einen Boten, einen Engel, sein tröstliches, aufrichtendes und aufmunterndes Wort: "Ich verkünde euch eine große Freude!"

Was für eine Freude ist das, die uns da verkündet, zugesagt wird? Woran denkt ein Mensch in unserer Spaßgesellschaft, wenn er dieses Wort hört? Ist er nicht in der Gefahr, an einer oberflächlichen Sicht hängenzubleiben statt in die inhaltliche Tiefe dieses Wortes zu steigen? Freude - das ist nicht nur ein bißchen Spaß und Humor, das ist nicht nur ein Lachen, wo man nichts zu lachen hat, das ist nicht nur ein Freudenhaus, wo letztlich nichts von Freude zu spüren ist, sondern Freude - das ist Selbstlosigkeit, Selbsthingabe und dienen; das ist leben wie Jesus Christus, der menschgewordene Gottessohn, der in dieser Haltung die Freude seines Lebens erfahren hat - und sie anderen vermittelte. Diese Freude bewirkte nicht nur einen Augenblicksgenuß und Augenblickserfolg, sondern eine Wandlung des Menschen, der Gesellschaft, ja der ganzen Welt. Eine Wandlung, die alles Diesseitige, Irdische übersteigt; eine Wandlung, die die Gesellschaft verändert und letztlich die ganze Welt zu einer "menschlicheren" macht.

Diese Freude ist der Auftrag, den jeder Getaufte zu erfüllen hat. Freude am Leben, Freude am Beruf und an der Arbeit, Freude, die sich in unterschiedlichster Form im Alltag zeigt und verwirklicht. Das freundliche Wort, das geduldige Zuhören, die helfende Tat, das stille Gebet sind Zeichen der Erfüllung unseres Auftrages. Die Gastfreundschaft und die liebevolle Annahme und Gemeinschaft sind dabei herausragende Zeichen.

"Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll." Diese Freude, die uns verkündet wird, die uns zugesagt wird, gilt nicht nur einem auserwählten Kreis, nicht nur den sogenannten "Frommen", sondern sie gilt allen Menschen, "dem ganzen Volk". Das ist eben das Großartige an dieser Botschaft: nicht nur ein paar Besondere sollen diese Freude erleben und daran teilhaben, sondern alle, auch und gerade die "Mühseligen und Beladenen", die, die leiden und "schwere Lasten zu tragen haben". Sie sollen wissen, daß Gott zu ihnen steht und sie sich "jederzeit freuen sollen" und dürfen in ihrer manchmal so hoffnungslosen und schwierigen Lebenssituation.

"Ich verkünde euch eine große Freude." Und was ist der Kern und der Inhalt dieser Freude? "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr." Interessiert das heute eigentlich noch einen Menschen, ja sogar einen Christen? Reißt ihn diese "Botschaft" noch vom Hocker? Gibt es da nicht ganz andere Dinge, die das Leben "lebenswert" machen, es attraktiv gestalten und die Lebensqualität erhöhen? Was heißt das schon: da ist ein Retter, ein Messias geboren? Brauchen wir überhaupt noch einen Retter, einen Erlöser, einen "Gesalbten des Herrn"? Woraus soll uns ein Fremder, ein Außenstehender befreien, wenn wir doch alles selbst können? Und selbst wenn ich mich in irgendeiner Weise schuldig fühle oder sogar schuldig weiß - kann ich mich nicht selbst aus dieser Falle, aus dieser Verstrickung lösen? Liegt unsere "Erlösung" nicht zum Beispiel in der Psychiatrie?

Ja, wir erleben zur Zeit manchen Messias, manchen, der uns das Heil bringen will. Vielleicht glauben einige auch noch daran. Vielleicht haben viele aber auch schon die Brüchigkeit der Versprechungen entdeckt. Die einzige Versprechung, die unserem Leben eine Zukunftsperspektive gibt, ist die, die uns der Bote Gottes mitteilt: "Ich verkünde euch eine große Freude, die allem Volk zuteil werden soll. Euch ist der Retter geboren." Nicht einer, der die Welt im irdischen Sinn retten und heil machen will, sondern ein Retter, der den Menschen in seinem Wesen und innersten Kern retten und heil machen will.

Das ist die Botschaft der Weihnacht: Nicht ein breiteres Warenangebot, nicht höhere Börsengewinne und anderes. Sondern: Gott wird Mensch, um ihm in seiner - trostlosen - Situation zu sagen: Ich kenne dich, ich nehme dich ernst, ich komme zu dir, damit du zu mir kommen kannst; damit du erkennst, dein Leben hat Sinn und Ziel. Und deswegen komme ich nicht in Prunk und äußerem Glanz, sondern in der Einfachheit, Bescheidenheit, Armut und Hilflosigkeit eines Kindes. Gerade darin liegt die Ehre Gottes und der Friede des Menschen.

Weihnachten - das ist das Wohlwollen Gottes gegenüber seiner Schöpfung, die ihm Ehre und Lobpreis gibt; das ist der Friede mit sich selbst, mit dem Mitmenschen, mit der Schöpfung, mit Gott selbst; der Friede, den nur Gott geben kann.

Ich wünsche allen Lesern eine gesegnete Weihnacht!

 

Gott sandte seinen Sohn
von Gertrud Arnold

In der dunklen Jahreszeit

strahlt der helle Weihnachtsschein,,

öffnet eure Herzen weit,

eilt zum lieben Jesulein.

Gott hat seinen Sohn gesandt,

gab das Liebste für uns hin,

reicht uns seine Vaterhand,

danket ihm mit Herz und Sinn.