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21.12.02 / In der Heilkunst seit Jahrhunderten anerkannt - Bernstein

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. Dezember 2002


Vom Baum zur Sauna
In der Heilkunst seit Jahrhunderten anerkannt - Bernstein
von Florian Möbius

Fossiles Harz, bestehend aus 75 Prozent Kohlenstoff, zehn Prozent Wasserstoff und zu 15 Prozent aus einem Sauerstoff- und Schwefel-Gemisch." So lautet die nüchterne wissenschaftliche Umschreibung vom "Gold des Meeres", dem Bernstein. Für die Ostpreußen hingegen ist er mehr als nur Schmuckstein, für sie symbolisiert er ihre Heimat: Frische, Kurische Nehrung und die Bernsteinküste des Samlandes mit ihren weiten Stränden und diesem Himmel mit seinen Farben, den es nur in Ostpreußen gibt.

Seinen Ursprung hat dieser "Edelstein" in den subtropischen Nadelwäldern, die vor rund 50 Millionen Jahren im Gebiet der heutigen Ostsee wuchsen. Das Harz dieser urtümlichen Riesen wurde im Laufe der Jahrmillionen zum baltischen Bernstein, welcher mit 90 Prozent der Weltförderung die wichtigste der rund 300 Arten auf der Welt stellt. Finden kann man Bernstein fast überall, so unter anderem in Litauen, Ostpreußen, Polen, Mitteldeutschland und in der Domini- kanischen Republik, und als Schmuckstein ist er weltweit sehr gefragt.

Schon in der Jungsteinzeit waren die Menschen von diesem "Gold des Meeres" sehr fasziniert. Sie fertigten Schmuck aus diesem Material, und auch als Zahlungsmittel wurde er eingesetzt. Später im Mittelalter fand er ausschließlich in der Herstellung von Rosenkränzen Verwendung.

Seine interessanteste Anwendung findet der Bernstein aber in der Heilkunst. Jeder Ostpreuße weiß um die heilende Wirkung dieses schönen Steines, als Kette um den Hals getragen soll er Entzündungen der Atemwege verhindern beziehungsweise deren Heilung beschleunigen. Aus diesem Grund bekamen Babys und Kleinkinder oft einen Bernsteinanhänger von der Großmutter geschenkt.

Wie ein roter Faden zieht sich der Bernstein durch die Geschichte der Heilkunst, wobei man den festen Pfad der Schulmedizin verläßt.

So beschäftigte sich schon der legendäre chinesische Kaiser Shen-Nung (2737 v. Chr.), ihm wird die Entdeckung des Tees zugeschrieben, mit der wohltuenden Wirkung dieses Steines auf den menschlichen Organismus. Im 12. Jahrhundert schrieb die heilige Hildegard von Bingen in ihrem Werk "Physika" dem Bernstein positive Eigenschaften zu. Dabei bezog sie sich auf göttliche Inspiration: "Gott hat in die Edelsteine wunderbare Kräfte gelegt ..." Außer Mönchen und Geistlichen entdeckten die Ärzte des Spätmittelalter, (1400-1480) die Heilwirkung der Steine, und selbst Paracelsus (1493-1541) vertrat die Ansicht, daß Mineralien positiven Einfluß auf den menschlichen Organismus haben.

Auch wenn die meisten Schulmediziner sich die "Haare raufen", ist auch in der heutigen Zeit die Heil-Anwendung des Bernstein weit verbreitet. So werden zum Beispiel im Ostsee-Kurort Damp unter anderem Bernstein-Massagen angeboten, um so für eine verbesserte Energieverteilung im Körper zu sorgen.

Seit Anfang Dezember ist nun eine weitere Nutzungsart hinzugekommen. In Ribnitz-Damgarten wurde die erste Bernsteinsauna Deutschlands eröffnet. Für den Manager der Bodden-Therme, Günter Tiede, ist dies eine logische Entwicklung für die bekannte Bern-steinstadt an der Ostsee, die Mystik und die heilenden Kräfte des Bernstein zu nutzen und einzubeziehen. Entstanden ist daraus die Idee, eine Bernsteinsauna anzubieten. Da wird sowohl die optische Schönheit des Steines als auch die heilende Wirkung im Zusammenspiel mit der Wärme genutzt.

"Durch die Anordnung des Bernsteins und eine entsprechende Temperatur erfährt der Saunagast zunächst wohlige Einflüsse auf seine Psyche. Die gelbe Farbe, deren Wärme uns ans Licht der Sonne erinnert, bewirkt eine harmonische Einstellung und Heilwirkung im seelischen Bereich. Als Schutzstein wirkt er Sorgen entgegen und hilft bei wichtigen Entscheidungen und Meditationsproblemen", davon ist Günter Tiede überzeugt.

Wie man es auch halten mag mit dem Bernstein und den ihm nachgesagten Heilkräften, eines ist sicher, der schönste Bernstein findet sich an den Küsten der ostpreußischen Heimat, und er ist weit mehr als ein simpler Schmuck- oder Heilstein - er ist ein Stückchen Heimat.

 

Spätestens seit dem Film "Jurassic Park" beflügeln eingeschlossene Insekten im Bernstein die Phantasie des Menschen. Welchen Wirt suchte die Mücke vor ihrem plötzlichen Tod heim? Welches genetische Erbgut verbirgt sich in ihrem Verdauungstrakt? All diese Fragen stellen sich den meisten Betrachtern und machen einen Teil des Mystischen beim "Gold des Meeres" aus.

Bernstein als Schutz- und Zahlmittel: Steinzeitamulett aus der Zeit um 5000 vor Christus, gefunden in Ostpreußen Fotos (2): Archiv