11.08.2022

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11.01.03 / Ölförderung vor der Kurischen Nehrung / Umweltschützer laufen Sturm gegen Pläne von "Lukoil" und Königsberger Gebietsadministration

© Das Ostpreußenblatt Ausgabe / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. Januar 2003


Ölförderung vor der Kurischen Nehrung
Umweltschützer laufen Sturm gegen Pläne von "Lukoil" und Königsberger Gebietsadministration
von Manuela Rosenthal-Kappi

Verendete Seevögel, mit ölver-klebtem Gefieder an den Strand gespült, der Sand mit Ölklumpen und einer zähen, stinkenden Ölschicht verschmutzt, Ölteppiche, die das Meer verunreinigen ... Dieses Schreckensszenario haben wir alle noch vor Augen, als unlängst der griechische Ölfrachter vor der spanischen Küste sank. Unvorstellbar, wenn uns solche Bilder einmal von der Kurischen Nehrung gezeigt würden!

Der Gedanke an einen Ölunfall scheint jedoch gar nicht so weit hergeholt. Denn der russische Ölkonzern "Lukoil" plant hier, nur 22 Kilometer vom Naturschutzgebiet "Kurische Nehrung" entfernt, auf dem Felsgrund der Ostsee den Bau einer Ölbohrinsel mit der Bezeichnung "D-6". Ab kommendem Jahr will der Ölriese jährlich 700.000 Tonnen für den Export bestimmtes Erdöl fördern. Schon seit langem gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern, die den Bau der Bohrinsel mit allen Mitteln zu verhindern suchen, sowie den Betreibern und den für die Region verantwortlichen Politikern über die Voraussetzungen für die Genehmigung eines solchen Eingriffs in die Natur.

Die Umweltschutzorganisation "Ekosaschtschita" hat seit Monaten aktiv und zielstrebig mit diversen Aktionen versucht, den Ölriesen "Lukoil" an der Verwirklichung seiner Pläne zu hindern. Die Gruppe hat zwar an Einfluß gewonnen und schaut örtlichen Politikern auf die Finger, aber es ist ihr nicht gelungen, Gouverneur Jegorow von der Unterzeichnung eines Abkommens mit "Lukoil" abzuhalten. Jegorow hat am 12. Dezember einen Vertrag mit dem Präsidenten der Ölfirma, Wagit Alexandrow, unterschrieben, in dem die Zusammenarbeit der Gebietsadministration mit dem Ölmagnaten fixiert wurde. Im Rahmen der Zusammenarbeit ist ein Programm zur Entwicklung der Ölgewinnung im Königsberger Gebiet ebenso vorgesehen wie die Ölförderung in der Ostsee, wohl wissend, daß sie eine mögliche Gefahr für die Umwelt darstellen könnte.

Die Umweltschützer wollten keine Ruhe geben. Während des Treffens der Verhandlungspartner versammelten sie sich vor dem Amtsgebäude der Gebietsverwaltung zu einer Protestaktion; als Schweine verkleidet, ölverschmiert, trugen sie Schilder mit der Aufschrift "Stoppt D-6" vor sich her. Sie begründen ihren Widerstand gegen die Ölbohrinsel damit, daß die Gefahren für die Umwelt zu groß seien. Außerdem seien die Ölvorkommen mit der Zeit erschöpft, und man könne lediglich auf der Grundlage der Ölförderung keine stabile Energieversorgung aufbauen. Durch die Ölförderung sei auch die weltweite Klimaerwärmung entstanden. "Ekosaschtschita" setzt auf alternative Energiegewinnung wie Windkraft- und Solar- anlagen, kleine Wasserwerke, Biomasse und dergleichen. Die Umweltschützer gingen bei ihrer Aktion so weit, Jegorow einen Brief zu überreichen, in dem sie ihm vorwarfen, einer Privatfirma zum Monopol in der Region zu verhelfen sowie sich und die Gesellschaft dem Risiko auszusetzen, sich künftig dem Willen eines engen Personenkreises beugen zu müssen.

Die Reaktion folgte postwendend. Fünf Personen wurden kurzerhand festgenommen und das Protestmaterial beschlagnahmt.

Rückenstärkung erhalten die Umweltschützer nun unverhofft von litauischer Seite. Ende Dezember gaben Vertreter des litauischen Umweltministeriums unter Vorsitz des Vize-Ministers Emilis Gustainis auf einer Sitzung des russisch-litauischen Staatsforums mit Vertretern des litauischen Sejm und der Königsberger Gebietsduma bekannt, daß Litauen dem Bau der Ölbohrinsel nahe der Kurischen Nehrung nur dann zustimmen wolle, wenn "Luk-oil" bei der Erd-ölgewinnung modernste Technologie verwende und zuvor ausländische Spezialisten für die Erstellung einer Expertise herangezogen worden seien.

Genau dies hatte zuvor Lukoil-Präsident Wagit Alexandrow gegenüber der Umweltschutzgruppe "Ekosaschtschita" abgelehnt. Sogar die Veröffentlichung bereits existierender firmeninterner Expertisen verweigerte er.

In Zugzwang geraten, versprachen die russischen Politiker ihren litauischen Kollegen, Litauen unverzüglich von ihren geologischen Untersuchungen zu unterrichten sowie die soeben fertiggestellte staatliche Expertise Litauen zuleiten zu wollen.