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11.01.03 / Kunstschätze erworben / Neuerwerbungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

© Das Ostpreußenblatt Ausgabe / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. Januar 2003


Kunstschätze erworben
Neuerwerbungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg konnte im abgelaufenen Jahr eine stolze Reihe von Neuerwerbungen verzeichnen. Darunter ist auch ein Porträt der Luise Christiane Burggräfin zu Dohna, um 1660/65 gemalt von Jan Mytens. Dieses Werk ist zweifellos eine Bereicherung der verschiedenen Kunstwerke, die aus den Schlössern der Dohnas erworben werden konnten, und ergänzt die Kunstschätze aus Schloß Schlobitten "in bester Weise", wie Schlösserdirektor Burkhardt Göres betont. "Es bleibt zu hoffen, daß diese Bestände irgendwann im Schloß Schönhausen, das von den Dohnas errichtet wurde, ein ideales Ambi- ente finden werden."

Aus dem Nachlaß des Prinzen Carl von Preußen stammt ein Porträt des jungen Prinzen, das aus Privatbesitz für Schloß Glienicke, dem einstigen Sommersitz des kunstsinnigen Mannes, erworben werden konnte. Es zeigt einen aufgeweckten Knaben in einer Kosakenuniform und dürfte um 1809 entstanden sein. Geschaffen wurde es von dem Maler Johann Friedrich Andreas Knorre, der 1763 in Berlin geboren wurde. Dort studierte er Malerei bei Bernhard Rode. Im Jahr 1800 folgte er dem Ruf nach Königsberg, wo er als 1. Lehrer und Professor an der Kunstschule unterrichten sollte. Gleichzeitig unterwies er die Schüler der Gewerbeschule im Freihandzeichnen und Bossieren (Modellieren).

Als Motive wählte der Maler Knorre meist historische oder religiöse Themen. Gern aber gab man ihm auch Porträt-Aufträge. - "Während seine Historienbilder akademisch und unfrei und trotz sorgfältigen Studiums und Durchführung ohne persönliche Note sind, gelangen ihm die Porträts viel besser", urteilte Eduard Anderson in der "Altpreußischen Biographie". Das Bildnis des kleinen Prinzen spricht sehr für diese Auffassung. Auch in Königsberger Kunstsammlungen und in öffentlichen Einrichtungen der Stadt waren Bildnisse, die Knorre geschaffen hat, einst zu sehen, so im Staatsarchiv ein Porträt des Oberpräsidenten von Auerswald, im Pharmazeutischen Institut das des Professors Karl Gottlieb Hagen oder im Oberlandesgericht das von Kanzler Freiherr von Schrötter. Doch seine künstlerische Begabung war weit gefächert: Für das Stadttheater entwarf Knorre auch den Vorhang und die Dekorationen.

Als sich die königliche Familie auf der Flucht vor Napoleons Truppen in Königsberg befand, flossen auch Andreas Knorre wieder viele Aufträge zu. Besondere Bedeutung aber für die Kulturgeschichte mag er erreicht haben, als der 1804 Immanuel Kant die Totenmaske abnahm und auch die Dekoration, Aufbahrung und Leichenfeier des großen Philosophen übernahm.

Andreas Knorre starb am 11. Mai 1841 in Königsberg. Sein Sohn Julius (1804-1884) trat in des Vaters Fußstapfen, wurde ebenfalls Maler, wie übrigens auch die Mutter Dorothea, und unterrichtete an der Königsberger Kunstschule. Seine Aquarelle und Zeichnungen von den Altertümern Königsbergs waren im Stadtgeschichtlichen Museum und im Prussia-Museum zu sehen. Os

Beeindruckende Porträts: Prinz Carl von Preußen (Andreas Knorre, etwa 1809) und Luise Christiane Burggräfin zu Dohna (Jan Mytens um 1660/65)