19.01.2022

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11.01.03 / Nachruf für Inge Hartmann

© Das Ostpreußenblatt Ausgabe / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. Januar 2003


Nachruf für Inge Hartmann

Ende August 2002 starb plötzlich Frau Hartmann, die 2. Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft (seit 1988). Fassungslos nahm man die Nachricht entgegen und trauert mit allen Angehörigen und Freunden um sie.

Am 27. September 1925 wurde Inge Irma Berta Neubauer in Arnswalde geboren, als Tochter des Kaufmanns Traugott Neubauer und seiner Ehefrau Irma, geb. Schmidt. Nach vier Volksschuljahren besuchte sie die Mädchenmittelschule in Arnswalde und wechselte nach fünf Jahren in die Klasse 6 der Oberschule für Jungen in Arnswalde. Es folgten Kriegseinsatz beim Bau des Ostwalls 1944 und Arbeitsdienst bis zum Kriegsende 1945, das sie in Salzwedel erlebte. Das Kriegsende zwang nach der Flucht vor der Roten Armee die Familie aus Arnswalde zu einem ungewöhnlichen Wiederanfang im Persönlichen. Mit Energie und Herz meisterte Inge Neubauer alle Probleme; Klagen war nicht ihre Antwort auf die Erschwernisse des Lebens.

Nach dem Abitur 1948 in Herford wollte sie zunächst Landwirtschaft studieren. Ein Praktikum absolvierte sie und half dann den Eltern, eine Existenz in Löhe aufzubauen. Erst 1953 nahm sie das Studium der Philologie in Münster auf und wurde Realschullehrerin. Ihre erste Stelle fand sie im hessischen Herborn. Seit 1963 bis zu ihrer Pensionierung unterrichtete sie an der Agnes-Miegel-Schule in Wilhelmshaven. Sie hat dort besonders erfolgreich gearbeitet und noch in ihren letzten Lebensjahren bei den ostdeutschen Nachmittagen zusammen mit Schülern und Schülerinnen Vorträge gestaltet.

Anläßlich einer Badekur mit ihrer Mutter in Bad Liebenzell lernte sie Friedrich Hartmann kennen, den sie 1971 heiratete. 1973 und 1974 starben ihre Eltern, zu denen sie ein sehr nahes Verhältnis hatte. Anfang der 90er Jahre starb ihr Mann.

Auch ihre Angehörigen, die Stiefkinder, Cousins und Cousinen schildern Inge Hartmann als fleißig und entgegenkommend, stets hilfsbereit und sich für Gemeinschaften einsetzend. Bei den Landsmannschaften der Pommern und Ostpreußen war sie viele Jahre aktiv, ebenso beim Bund der Vertriebenen. Vorstandsämter bekleidete sie bis zuletzt. Keine Arbeit war ihr zuviel.

Eine besondere Aufgabe war ihr Herzanliegen. In nimmermüdem, selbstlosem Einsatz war Frau Hartmann für die Agnes-Miegel-Gesellschaft tätig und setzte sich mit ihrer ganzen Kraft ein. Sie übernahm die Pressearbeit der Gesellschaft, schrieb unzählige feinsinnige Berichte über die halbjährlichen Veranstaltungen, kümmerte sich um die Kontakte zur örtlichen Presse, stellte sich vertretungsweise für verschiedene Aufgaben bei der Betreuung des Agnes-Miegel-Hauses in Bad Nenndorf zur Verfügung, ordnete den umfangreichen Bücherbestand des Archivs, pflegte den Kontakt mit einem Kreis von Helfern in Bad Nenndorf und gewann mit ihrer herzlichen liebenswürdigen Art neue Helfer. Wer ihr bei den Agnes-Miegel-Tagen begegnete, erlebte eine energische Dame, die für jeden ein gutes Wort und ein Lächeln hatte, stets mit ihrer Kamera die kulturellen Veranstaltungen künstlerisch dokumentierte, kluge, verbindende Worte sprach, eine große Anzahl der Mitglieder mit Namen kannte und lange Stunden hinter dem Büchertisch stand, Beratung und Verkauf leitete, und ihre Kraft uneigennützig dienend einbrachte, wo immer sie gebraucht wurde.

Mit einem beispiellosen, eisernen Pflichtgefühl nahm sie ihre Aufgaben ernst und leistete weit mehr, als ihr Amt unmittelbar forderte. Zuletzt übernahm sie ein Vierteljahr lang die Aufgaben einer 1. Vorsitzenden. Mit tiefer persönlicher Anteilnahme sorgte sie sich um Probleme der Gesellschaft und sann tatkräftig auf Wege, ihnen abzuhelfen. Unzählige Reisen führten sie für Tage oder auch Wochen nach Bad Nenndorf, wo sie eine Arbeit leistete, die kein Außenstehender zu ermessen vermag.

Mit der größten Bescheidenheit und Hingabe an ihre Arbeit lebte sie sozusagen für die Agnes-Miegel-Gesellschaft. Ihr Denken war von so vorbildlicher Gradlinigkeit und Lauterkeit, wie man sie nur selten findet, und ihr war es eine stille Selbstverständlichkeit, mit nie nachlassender Energie dem Andenken und einer gerechten Würdigung Agnes Miegels in der Öffentlichkeit zu dienen. Von sich selbst forderte sie viel, was oft fast ihre Kräfte überstieg, für sich aber verlangte sie nichts. Sie verzichtete gern auf Lob und Anerkennung, aber anderen gegenüber sparte sie nie mit Ermutigung und Lob. Fast jeder, der ihr begegnete, mußte die gewandte, lebensbejahende kleine Frau voller Pläne und Aktivitäten gern haben und schätzte ihr weitgefächertes Wissen und ihre kluge, behutsame Art.

Ihr plötzlicher Tod reißt eine Lücke, die nicht zu schließen ist, Frau Hartmann ist unersetzlich. Durch ihr Wirken und ihre Persönlichkeit bleibt sie der Agnes-Miegel-Gesellschaft für immer verbunden und unvergeßlich. Stets wird ihr in voller Dankbarkeit gedacht werden. Dr. Marianne Kopp