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15.02.03 / Jugoslawien ist begraben / Vertrag für ein Staatenbündnis auf drei Jahre

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Februar 2003


Jugoslawien ist begraben
Vertrag für ein Staatenbündnis auf drei Jahre

Das "alte" Jugoslawien ist längst begraben, und was sich weiterhin "Jugoslawien" nannte, ist nun ebenfalls tot. Es lebe daher der ganz neue Staat "Serbien und Montenegro" - einschließlich der im Staatsnamen nicht aufscheinenden Länder Kosovo und Wojwodina. Doch was da in Belgrad und Podgorica unter massivem Druck der EU beschlossen wurde, hat außer dem mit "und" gekitteten Namen sowie allerlei frommen Absichtserklärungen wenig gemeinsam. Nicht einmal die Sprache, denn Montenegriner sprechen - wie Kroaten und Bosniaken - die "jekavische" Variante jenes künst- lichen Idioms, das "Serbokroatisch" hieß, die Serben aber reden "ekavisch". Obendrein haben die ungleichen Partner das Recht, sich nach drei Jahren wieder zu trennen. Die EU und ihr "Außenminister" Solana, nach dem man das neue Gebilde ironisch "Solania" nennt, sind dennoch zufrieden: Das Kosovo-Problem, für welches die multiethnische EU-Doktrin keinerlei Rezeptur bietet, ist damit noch ein Weilchen aufgeschoben. Gleich angrenzend vegetiert ein weiterer "Und"-Staat, nämlich "Bosnien und Herzegowina", bestehend aus einem serbischen Teil und einem kroatisch-muslimischen, der wiederum in zwei Kantone zerfällt. In der k.u.k.-Zeit, als alle aus dem "Völkerkerker Österreich" ausbrechen wollten, hieß es "Bosnien-Herzegowina" - ohne "und". Zur Verteidigung des "und" ist heute ein "Hoher Repräsentant" samt Hofstaat und Besatzungsarmee stationiert, von deren Brosamen immerhin Hunderttausende Eingeborene leben. Für "Serbien und Montenegro" gibt es nicht einmal das. Ja, selbst über den Doppelnamen wird gestritten: Wer kommt zuerst, Serben oder Montenegriner? Auch die Ab- kürzung für Kfz-Kennzeichen und Internet-Adressen ist offen, denn "SM" hat angeblich eine Nebenbedeutung. Doch wie wär's mit "SO" für "Solania"? - Jedenfalls kann der einzelne Bürger, den man nach seiner neuen Staatszugehörigkeit befragt, endlich nachempfinden, wie sich der Zigeuner fühlt, seit er ein Roma und Sinti sein muß. Makedonien, der erste und nachrichtendienstlich wichtigste US-Stützpunkt in Ex-Titoslawien, ist ebenfalls vom Namensdilemma betroffen: Denn völkerrechtlich heißt dieses aus albanischen und slawischen Gebieten gekleisterte Ding "FYROM" - Abkürzung für "Former Yugoslav Republic of Macedonia". Müßte man jetzt nicht "FORMOFY" sagen - "Former Republic Macedonia of former Yugoslavia" ? R. G. K.