28.01.2022

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15.02.03 / Sag mir, wo ... die Dichter sind ...

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Februar 2003


Sag mir, wo ... die Dichter sind ...

EsPeDe - so trommelte einst Günter Grass für Willy Brandt, und später, nicht mehr ganz so laut, auch für Gerhard Schröder. Seit' an Seit' mit dem nachmaligen Nobelpreisträger marschierten Deutschlands Dichter und Denker in breiter Front auf strammem Linkskurs, nach dem anspruchsvollen Motto "Der Geist steht links". Mit Geist war zumeist der Zeitgeist gemeint, und das hehre Motto erwies sich bei näherem Hinsehen oft als "Links reden, rechts leben". Kaschiert wurde dies mit dem Anspruch, in der Demokratie habe sich die kulturelle Elite auch in wichtige politische Fragen einzumischen.

Nun könnten einfältige Gemüter auf die Idee kommen, bei Massenarmut, Wirtschaftsflaute, Sozialabbau handele es sich um "wichtige politische Fragen". Dem ist offenbar nicht so. Zumindest scheinen diese Fragen nicht wichtig genug, daß unsere geistige Elite das Bedürfnis hätte, sich "einzumischen". Kein Wort von Grass und Genossen, Deutschlands Dichter und Denker sind vorsichtshalber auf Tauchstation gegangen.

Auch das zweite bewegende Thema dieser Tage scheint nicht so "wichtig" zu sein. Wo sind sie geblieben, all unsere Künstler, die doch bislang so inbrünstig "für den Frieden" gesungen, gedichtet, gelesen, getanzt oder auch gekokst haben? Ein einsamer Konstantin Wecker meldete sich - in Bagdad! - zu Wort, was zwar den "Frieden" nicht nachhaltig sichern konnte, dem Liedermacher aber ein Strafverfahren einbrachte, da er seine Friedfertigkeit allzu martialisch artikulierte.

Vielleicht ist es ja zur Zeit nicht opportun, in politischen Grundsatzfragen Farbe zu bekennen, solange noch nicht klar ist, wer künftig im linken Lager politisch das Sagen hat. Oder sind die Sorgen, die immer mehr Menschen in unserem Lande bedrücken, in den Höhen des Geistes noch gar nicht angekommen? "Tabubrecher" Günter Grass sollte über dieses Tabuthema demnächst (so in zwanzig, dreißig Jahren) mal eine Novelle schreiben ... H. J. M.