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05.04.03 / Nicht nur für Militärs / Informationswerk über die Flotten dieser Welt

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. April 2003


Nicht nur für Militärs / Informationswerk über die Flotten dieser Welt

Wer sich heute über den weltweiten Stand der maritimen Rüstung informieren will - und den meisten Journalisten täte das sehr gut -, der nehme Weyers Flottentaschenbuch zur Hand, und er ist im Bilde. Bereits im Jahre 1900 erschien die erste Ausgabe des Weyers; damals war aber nur die deutsche Marine dort aufgelistet. Die nächste Ausgabe behandelte bereits alle Seestreitkräfte weltweit. Die Ausgaben 1903 und 1904 sind heute so gut wie nicht mehr zu beschaffen, weil die zaristische Marine seinerzeit alle verfügbaren Exemplare aufgekauft habe. Der Grund: Rußlands Krieg mit Japan. In beiden Weltkriegen spielte das Handbuch eine wichtige Rolle zur Unterstützung der Kriegsschiffskommandanten. So ist es heute noch möglich, gut erhaltene Ausgaben von 1941/42 zu erhalten, weil die Kriegsmarine Hunderttausende dieser Handbücher bestellte.

Wie schon vor 100 Jahren ist das Handbuch übersichtlich in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil sind die Seemächte von A wie Ägypten bis Z wie Zypern aufgelistet. Jedes Schiff, egal ob im Dienst, in Reserve, im Bau oder gar erst in Planung ist aufgelistet und man erfährt alle wichtigen Daten wie Länge, Breite, Tiefgang, Maschinenleistung, Geschwindigkeit, Bewaffnung, Sensoren und so weiter. Im zweiten Teil sind Decks und Seitenansichtsskizzen zu sehen, wozu nochmals die wichtigsten technischen Daten angegeben sind. In einem dritten Teil schließlich gibt's etwas fürs Auge. Ein Fototeil bringt von jeder wichtigen Schiffsklasse eine Ansicht. In einer Art Anhang sind dann noch Rohrwaffen, Raketen, Bordflugzeuge und Hubschrauber mit ihren Leistungen aufgeführt. So ausgestattet fällt es auch interessierten, aber unkundigen Laien leicht, sich in die Materie einzuarbeiten.

Die akribische Genauigkeit des Werkes geht so weit, daß sogar die Schiffe und Boote von Binnenstaaten, die nur auf Flüssen Kriegsschiffe unterhalten, aufgeführt sind. Die USA reduzieren weiter ihre Seestreitkräfte, da ihnen jeder ernstzunehmende Konkurrent zur See fehlt. Die Mächte im Fernen Osten wie China, Taiwan, Indien und auch Japan verstärken ihre Seestreitkräfte kontinuierlich, während die europäischen Mittelmächte weiter die Anzahl ihrer Schiffe reduzieren. Eine Ausnahme hiervon bildet Italien, das nunmehr seinen zweiten Flugzeugträger auf Stapel gelegt hat und sich bemüht, mit Großbritannien und Frankreich zur See gleichzuziehen. Erwähnenswert ist auch eine ungebremste Aufrüstung der Türkei zur See, die von den USA gezielt zur Ordnungsmacht aufgebaut wird. Brasilien hat mit der Übernahme des 40 Jahre alten französischen Flugzeugträgers "Foch" im südamerikanischen Raum nunmehr unangefochten die Vorherrschaft zu See übernommen.

Die neueste Ausgabe, es ist mittlerweile die 65., hat 871 Fotos, 1.509 Schiffszeichnungen und ist, wie seit einigen Jahren üblich, zweisprachig (deutsch/englisch) erschienen. Als Neuerung ist in dieser Ausgabe die Umstellung auf Farbaufnahmen zu vermelden, was nicht unerhebliche Kosten verursacht hat.

Während der Weyers und sein britisches Gegenstück, "Jane's Fighting Ships", in beiden Weltkriegen selbstredend zum Handwerkszeug jedes Schiffskapitäns gehörten, denkt der bundesdeutsche Berufsstand der Journalisten leider, ohne fachkundiges Material auskommen zu können. Klaus Gröbig

Weyers Flottentaschenbuch 2002/ 2004", Bernard & Graefe, 2002, 871 farbige Fotos, 920 Seiten, 64 Euro