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26.04.03 / "Kreuzmordrätsel" / R. G. Kerschhofer zur aktuellen Lage auf dem Balkan

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. April 2003


"Kreuzmordrätsel"
R. G. Kerschhofer zur aktuellen Lage auf dem Balkan

Wer alles mit wem kreuz und quer über religiöse und ethnische Grenzen hinweg bei Mordanschlägen in Ex-Jugoslawien zusammen-"arbeitete" (oder dies vielleicht weiterhin tut), ist noch lange nicht vollständig geklärt, wird aber durch jüngste Verhaftungen gut illustriert:

In Bosnien nahmen Angehörige der SFOR-Besatzungstruppen den moslemischen Bosnier Naser Oric fest. Nicht weil er ein Leibwächter von Milosevic gewesen war, sondern weil er danach Kommandant einer bosnischen Miliz in Srebrenica wurde. Und genau deshalb ist er zwar für die Bosnier ein Kriegsheld, für Den Haag aber ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher. Dem Massaker von Srebrenica, bei welchem serbische Milizen vor den Augen holländischer Blauhelme 7.000 Bosniaken umbrachten, waren Oric und seine Leute allerdings entgangen, weil man sie seltsamerweise kurz davor nach Sarajevo abkommandiert hatte.

In Belgrad, wo seit der Ermordung von Premierminister Djindjic Ausnahmezustand herrscht und Massenverhaftungen an der Tagesordnung sind, wurde im Zuge dieser Maßnahmen auch der "Geschäftsmann", Sport-Mäzen und ehemalige Innenminister Mandic festgenommen. Was man ihm konkret vorwirft, ist nicht sehr klar. Doch er gilt als ein einstiger Financier der bosnischen Serbenführer Karadjic und Mladic und könnte vielleicht Hinweise auf deren Aufenthalt geben. Übrigens, dank einer Gesetzesänderung in Serbien werden jetzt Auslieferungen eigener Staatsbürger an Den Haag - die bisher illegal oder "freiwillig" waren - zur Routine-Sache.

Der Aufnahme von Serbien und Montenegro in den Europarat steht somit nichts mehr im Wege. In Wien wurde nach Hinweisen aus Belgrad ein mutmaßlicher Mörder des mutmaßlichen Kriegsverbrechers und Mafia-Paten Arkan verhaftet. ("Mutmaßlich" nur deshalb, weil Raznatovic alias Arkan, der seine Massaker sowohl aus freien Stücken als auch im Dienste von Milosevic begangen haben dürfte, keinen Prozeß mehr erlebte.) Belgrader Quellen zufolge soll der Serbe Arkan im Auftrag des Serben Milosevic liquidiert worden sein - wahrscheinlich vorbeugend, um ei-nen potentiellen Belastungszeugen für Den Haag auszuschalten. Rätselhafterweise aber hatte der in Wien verhaftete Mordverdächtige, bevor er sich nach Wien absetzte, ausgerechnet bei dem eingangs erwähnten Bosniaken Oric gewohnt! Weniger rätselhaft ist natürlich, warum er in Wien untertauchte: Denn in dem betreffenden Viertel werden "Migranten" kaum noch durch die Gegenwart von Einheimischen belästigt.

Zvornik: Immer noch werden in Serbien Leichen des Bürgerkrieges gefunden und von staatlichen Stellen exhumiert. Wie hier handelt es sich oft um Vermißte des Massakers von Srebrenica. Foto: dpa