21.04.2024

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26.04.03 / Die ostpreußische Familie extra

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. April 2003


Die ostpreußische Familie extra
Leser helfen Lesern
Ruth Geede

Lewe Landslied und Freunde unserer Ostpreußischen Familie,

obwohl wir nun in jeder Ausgabe mehr Platz haben: eine EXTRA-Familie muß doch her. Denn mit jedem Erfolg, den wir den Leserinnen und Lesern bescheren, wächst die Anzahl derer, die noch immer nach Vermißten suchen oder Gewißheit über deren Schicksal haben wollen. Daß beides auch heute noch möglich ist, beweisen erneut zwei Zuschriften aus unserem Leserkreis.

Seit vielen Jahren sucht Anita Zuther nach nahen Verwandten, nach Schwester, Bruder, Tante und Onkeln. Einige Schicksale konnte sie klären: ein Onkel gefallen, ein anderer auf der Flucht ertrunken, ein dritter im Lazarett verschieden, die Tante bereits 1969 verstorben. Nun fehlten noch Bruder und Schwester. Die Suche nach dem Bruder läuft noch heute und ist schwierig, weil ihre Mutter nie von dem Sohn gesprochen hat. Über die ältere Schwester wußte Frau Zuther soviel, daß diese 1937 im samländischen Sieckenhöfen unehelich geboren und schon drei Tage nach der Geburt in Pflege gegeben wurde. Es geschah gegen den Willen der jungen Mutter, die dann schon in der Heimat nach ihrer Tochter suchte, sie aber nie fand. Nach der Flucht wurde der Wunsch immer stärker, diese Tochter zu finden - aber wo und wie?

Nach Jahrzehnten vergeblichen Suchens bekam Frau Zuther 1999 vom DRK die Nachricht, daß ihre Schwester vor zwei Jahren in Uelzen verstorben sei. Sofort rief sie bei der Friedhofsverwaltung an und fragte nach dem Grab. Es stellte sich heraus, daß die dort Begrabene nicht die Schwester sein konnte, denn als Geburtsdatum war 1912 vermerkt. Frau Zuther fragte weiter, wer das Grab denn pflege, und sie bekam auch eine Telefonnummer. Nun lasse ich sie selber erzählen:

"Ich rief an, und es meldete sich eine Dame. Sie sagte, daß es sich bei der Verstorbenen um ihre Adoptivtochter handele, sie sei mit 19 Jahren von ihren Pflegeeltern adoptiert worden. Nach einer Pause fragte sie, wie meine Schwester hieße. Ich sagte den Vornamen - und dann war es still am anderen Ende der Leitung. Ich fragte mehrfach: Sind Sie noch da? ,Ja', sagte sie auf einmal, ,ja, ich bin die Schwester!'"

Es stimmte. So fanden sich die beiden Schwestern, und die 87jährige Mutter konnte ihre Tochter nach 63 Jahren in die Arme schließen! Seitdem sehen sie sich jeden Monat, und im vergangenen November konnten sie zusammen den 90. Geburtstag der Mutter feiern. Diese Geschichte, so meint Frau Zuther, sei es doch wert, in unserer Kolumne veröffentlicht zu werden, um anderen Menschen Mut zu machen, nie die Hoffnung aufzugeben. Und das meine ich auch.

Lieber die Wahrheit zu wissen, auch wenn diese schmerzvoll ist, als mit der ewigen Ungewißheit zu leben, so ist in vielen Briefen zu lesen, auch in dem von meiner Cousine Gerda Preuß - wir haben uns übrigens erst über unsere Ostpreußische Familie wiedergefunden! Ihre Schwester Lotte hatte sich zusammen mit Mann und Kindern beim Einmarsch der Russen das Leben genommen. Der Tod der drei kleinen Kinder ließ sie nicht zur Ruhe kommen, und deshalb bat sie mich, nach Zeugen zu suchen, die diese letzten Stunden der Familie Kerwien miterlebt hatten. Und solch ein Zeuge hat sich tatsächlich gefunden. Er konnte Gerda Preuß mitteilen, was damals geschah! Ihr Schwager Oskar, als Volkssturmmann knapp den Russen entkommen, war zu den Seinen geflüchtet, um mit ihnen zu sterben. Die ganze Nacht über hörte man die Familie mit den Eltern der Mutter über das ihnen unvermeidliche Erscheinende reden, auch die Kinder waren dabei. Sie haben sich dann gemeinsam die Pulsadern geöffnet, die Mutter hielt das Jüngste dabei im Arm. Wahrscheinlich sind sie damit dem Tod durch die Russen entgangen, die dann den Vater von Lotte erschossen. Meine Cousine schreibt: "Ich weiß nicht, ob Du es verstehen kannst, welch eine Erleichterung dieser Bericht für mich war: daß die Kinder im Einverständnis mit den Eltern und mit ihnen zusammen waren!"

Soweit die beiden eingangs erwähnten Briefe.

Auch Teilerfolge helfen weiter. Aber damit kommen auch neue Fragen wie im Falle von Frank Ziegert aus den USA. Er hatte das Schick- sal seines Vaters ergründen wollen, der bei Stalingrad gefallen sein sollte. Das konnte aber nicht stimmen, wie ihm ein Leser nach der Veröffentlichung seines Suchwunsches mitteilte. Dieser ehemalige Kriegskamerad seines Vaters war mit ihm zusammen bei der in Königsberg stationierten 4. Batterie/II. A.R.37, ihre Wege haben sich dann getrennt. Frank Ziegert aber weiß jetzt, daß sein Vater nach Meißen versetzt wurde und dort bei der Neuaufstellung der Artillerie zum Offizier befördert wurde. Er soll kurz vor Kriegsende in der Tschechoslowakei von Partisanen erschossen worden sein. Ob diese Version nun stimmt? Wer kann dazu sagen, wie und wo Ulrich Ziegert - "Ulli" genannt - verstarb. Sein Sohn, 1939 in Königsberg geboren, hat seinen Vater nie kennengelernt, aber er möchte alles über ihn wissen, was noch zu erfahren ist. (Frank Ziegert, 19744 Beach Blvd., H 272, Huntington Beach, C. 92648-2988/USA.)

Alles über seinen Vater möchte auch unser Landsmann Dieter Schönfeld, * 25. Mai 1941 in Königsberg/Ballieth, erfahren, aber auch hier eine besondere Tragik vorweg: zwei Monate bevor er von dem Wohnort seines Vaters in Kanada erfuhr und mit ihm telefonieren wollte, war der Vater verstorben. "Ich war wie niedergeschlagen, so kurz vor dem Ziel!" schreibt Herr Schönfeld. Ein Jahr zuvor war Ernst Kablau noch in Berlin gewesen - ohne zu ahnen, daß sein Sohn in Mecklenburg lebte! Nun möchte Herr Schönfeld mit Menschen in Verbindung treten, die seinen Vater gekannt haben. Ernst Kablau, * 9. Januar 1921 in Königsberg, war Schmied und wohnte in der Samitter Allee. Neujahr 1941 wurde er zur Marine eingezogen, machte 1941/2 Dienst auf der "Gneisenau" (weitere Angaben: 12 L. Flottille 44, Dienststelle Rotterdam, Kühlungsborn. Standortwachkompanie Ausb. Abt. Amsterdam). Nach dem Krieg lebte Ernst Kablau in Schleswig-Holstein, heiratete eine Kielerin und zog mit seiner Frau Ilse nach Kanada. Die Familie - das Ehepaar bekam zwei Kinder - wohnte in Calgary, wo der Vater am 4. Dezember 1998 verstarb. Herr Schönfeld führte mit seiner Witwe das erwähnte Telefongespräch, wobei sie erklärte, daß sie aus Calgary fortziehen wolle. Außer einigen Fotos, die ihm Frau Kablau übersandte, besitzt Herr Schönfeld keinerlei Erinnerungen an seinen Vater. Deshalb fragt Dieter Schönfeld: Wer war mit meinem Vater während seiner Marinezeit zusammen? Leben noch Verwandte oder Bekannte von ihm und seiner Frau Ilse im Kieler Raum? Wer begegnete ihm in Kanada? (Letzte Adresse: Calgary, 70 Elamis.) Über jede Zuschrift freut sich Dieter Schönfeld, Birkenweg 25 in 18196 Hohen-Schwarfs.

In der Samitter Allee in Königsberg hat auch Manfred Bindszeck gelebt. Das Haus Nr. 148 steht noch, und unser Landsmann ist so glück-lich darüber, daß er bereits viermal in der Stadt seiner Kindheit und in der elterlichen Wohnung war. Zu den jetzigen Mietern entstand ein freundschaftlicher Kontakt. Nun sucht er nach ehemaligen Mitbewohnern dieses Hauses, den Familien Pohl, Braun, Salewski, Podobrien und Wannow. Da alle Familien Kinder hatten, hofft Herr Bindszeck, daß sich einige von ihnen melden werden. Er wäre dar-über jedenfalls sehr glücklich. (Manfred Bindszeck, Rembrandtstraße 14 in 01983 Großräschen.)

Wenn sich im nächsten Fall ein Erfolg einstellen sollte, dann müßte schon wahrhaftig ein Wunder geschehen. Denn die noch vorhandenen Angaben sind zu ungewiß, zumal sie inzwischen noch korrigiert wurden. Schließlich war der Suchende, Wolfgang Rinau, damals erst sieben Jahre alt, als er mit Mutter und Schwester aus Allenstein flüchten mußte. Die Mutter verstarb 1946 in einem Lager in Stolp. Seine vierjährige Schwester Brigitte soll von einem Ehepaar mitgenommen worden sein. Und diese Schwester hat Herr Rinau sein Leben lang gesucht und sucht sie noch heute.

Es bleiben so wenig Festpunkte für die Nachforschung. Da ist der Name: Brigitte Rinau - geboren etwa 1942, wahrscheinlich in Allenstein. Da ist das Ehepaar, das ein kleines Mädchen suchte und sich für Brigitte entschied. Es stammte wahrscheinlich aus Bromberg und hieß Brauss (oder ähnlich). Der Mann soll Pole gewesen sein und eine Uniform getragen haben, die

Frau war eine Deutsche. Das Ehepaar wollte die kleine Brigitte adoptieren. So dürfte sie schon längst einen anderen Namen haben.

Die einzigen Angaben, auf die sich Wolfgang Rinau stützen kann, stammen von einer Lagergefährtin und guten Bekannten seiner Mutter, die sich nach deren Tod um die Kinder kümmerte. Das Ehepaar überlegte, ob es auch Wolfgang mitnehmen sollte - aber da ging ein Transport nach dem Westen ab, mit dem die Bekannte und Wolfgang mitkamen. Der Junge wurde später in Thüringen in Pflege gegeben. Immer hat er nach seiner Schwester gesucht - vergeblich. Ob sich aus dieser Veröffentlichung brauchbare Hinweise ergeben - wir können nur hoffen! (Wolfgang W. Rinau, Vor der Heide 9 in 07333 Unterwellenborn.)

Sie weiß, wer sie ist, wann und wo sie geboren wurde, wie ihre schwere Kindheit und Jugend verlief - und trotzdem sucht Ingetraut Moritz nach ihrer Identität: Sie möchte endlich etwas über die Familie erfahren, von der sie stammt, vor allem über ihre leibliche Mutter. Frau Moritz kam als Ingetraut Erika Helga Niemann am 16. Dezember 1933 in der Universitätsklinik Königsberg als Tochter der Verkäuferin Eliese Niemann aus Pillau zur Welt. Das Kind wurde sofort in das Waisenhaus Schönbruch, Kreis Bartenstein, gebracht, dann übernahm es das Ehepaar Ferdinand und Helene Apel aus Redchen zur Pflege. Ingetraut wuchs auf dem Bauernhof der Apels bei Domnau auf, bis 1945 der Pflegevater von den Sowjets interniert wurde und im Lager verstarb. Ingetraut und ihre Pflegemutter bekamen Typhus, an dem Helene Apel verstarb. Die Tochter wurde von den Russen ins Memelland gebracht, wo sie bis 1958 lebte. Zum Glück fand Frau Moritz die letzte Gemeindehelferin und Katechetin der Kirchengemeinde Schönbruch, der die Verwaltung des Waisenhauses Schönbruch oblag, die alle Angaben eidesstattlich bestätigen konnte. Nur: auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter und ihrer angestammten Familie konnte sie Ingetraut Moritz auch nicht weiterhelfen. Können wir es? (Ingetraut Moritz, Freiburger Straße 65 in 79279 Vörstetten.)

Einige Hinweise konnten wir unserem Leser Gerhard Hansel schon geben, wo und wie er auf Ahnenforschung gehen könnte - aber nun wollen wir es auch über unsere Ostpreußische Familie versuchen. Herrn Hansels Vorfahren sind aus dem Pregeltal - Insterburg/Gumbinnen - in den Raum Suwalki gegangen und sind auch dort verstorben. Es handelt sich um den Maurer Karol Polenz, der mit seiner 1793 in Insterburg geborenen Frau Wilhelmina, geb. Hochleitner, in Smolany lebte. Das Paar hatte in Insterburg geheiratet und fünf Kinder bekommen. Zu Herrn Hansels Vorfahren zählen weiter der Landwirt Krystyn Hartwig, * um 1798 in Gumbinnen, † vor 1846 in Krasnopol, und seine Ehefrau Doroty aus Gumbinnen, die auch dort geheiratet hatten. Das genaue Sterbedatum liegt nur von Wilhelmine Polenz vor: 16. März 1853). Herr Hansel sucht Angaben über die genannten Familien und deren Nachkommen. Er stieß vor zehn Jahren im Ostpreußenblatt auf der Gratulationsseite auf den Namen einer Frau Hoelzel, geb. Polenz, aus Insterburg, Ziegelstraße 29. Da er eine Verwandtschaft vermutete, suchte er nach der Anschrift der damals 90jährigen - leider ohne Erfolg. Vielleicht bekommen wir diese oder die ihrer Nachkommen jetzt über unsere Familie heraus. (Gerhard Hansel, Wollenweberstraße 13 in 15230 Frankfurt/Oder.)

Jetzt werden vor allem unsere Leser in Thüringen angesprochen, denn Helga Backes aus Homburg vermutet in diesem Raum ihre väterliche Verwandtschaft - und die wird von ihr gesucht. Ihr Vater Hermann Groneberg war in Wertheim, Kreis Gumbinnen, auf einem Gut als Kutscher tätig. Dort lernte er auch seine Frau Elise, geb. Jacobi, kennen. Hermann Groneberg hatte noch eine Schwester - Anna - und sechs Halbgeschwister. Anna wurde nach der Flucht in Ziegenrück/Thüringen seßhaft. Sie hatte einen Sohn, Gerhard. Frau Backes konnte sie aber dort nicht aufspüren. Sicher trug Anna Groneberg nach der Heirat einen anderen Namen oder ist fortgezogen. Die anderen Geschwister müßten auch alle in Thüringen leben. Frau Backes sind noch die Namen Gerda und Fritz vertraut, aber sie kennt weder die Nachnamen noch die alten und neuen Wohnorte, selbst nicht den Geburtsort ihres ostpreußischen Vaters. Trotzdem hofft sie, daß sie endlich etwas über die väterliche Familie in Erfahrung bringen kann. (Helga Backes, Kiefernweg 12 in 66424 Homburg.)

"Irgendwo in Ostpreußen" - das steht auch in dem kurzen Suchschreiben von Helmut Schmelow. Da ist Kurt Kujat geboren, mit dem Herr Schmelow zusammen als Funker in einer Nachrichteneinheit war. Der damals etwa 25jährige Obergefreite fiel am Ostersonnabend 1945 bei den Kämpfen um Danzig. Sein Kamerad Helmut war bis zuletzt bei ihm. Sie waren eingekesselt - ohne Verbindung nach draußen. Wenn noch Angehörige von Kurt Kujat leben, würde Herr Schmelow gerne mit diesen in Verbindung treten. (Helmut Schmelow, An der Gronau 4 in 25479 Ellerau.)

So, jetzt haben wir wieder vielen Suchfragen Raum geben können. Nach den vielen letzten Erfolgen scheint das von uns so gepflegte Pflänzchen Hoffnung einen tüchtigen Wachstumsschub bekommen zu haben. Hegen wir es weiter.

Eure

Ruth Geede

 

Adressen für Suchanfragen

Heimatortskartei Nordosteuropa, Vorwerker Straße 103, Bl. 33, 23554 Lübeck, Telefon (0 45 02) 40 87 30, Fax (0 45 02) 4 08 73 25.

Deutsche Dienststelle (Wehrmachtauskunftsstelle/WAST), Postfach 510657, 13400 Berlin, Telefon (0 30) 4 19 04, Fax (0 30) 4 19 04.

Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V., Postfach 110 569, 46125 Oberhausen, Fax (02 08) 66 94 75.

Sächsisches Staatsarchiv, Abt. Deutsche Zentralstelle für Genealogie, Schongauerstraße 1, 04329 Leipzig, Fax (03 41) 2 55 55 00.

Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Jebensstraße 3, 10623 Berlin, Telefon (0 30) 31 00 11 07.

Genealogische Bibliothek, Wartenau 20, 22089 Hamburg, Telefon (0 40) 2 50 45 73.

Die Kirche der Mormonen verfügt als Zentralstelle in den USA über gutes Material, zum Beispiel ostpreußische Kirchenbücher.