17.01.2022

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24.05.03 / Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. Mai 2003


Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
Ruth Geede

Lewe Landslied und Freunde unserer Familie,

in einer echten Familie werden besondere Ehrentage festlich begangen. Da wir ja auch eine stattliche Sippe sind, wollen wir das ähnlich halten, wenn wir auch nicht gemeinsam feiern können. Aber einen herzlichen Glückwunsch senden, das können wir. Und der gilt unserer treuen Leserin Waltraud Kamm - deren Erinnerungen an Georgenswalde ein so überaus lebhaftes Echo gefunden haben - und ihrem Mann Gerhard Kamm in Köln: Sie feiern am 28. Mai ihre Eiserne Hochzeit! 65 Jahre Ehe, das ist schon etwas in unserer Zeit. Und wenn diese auch noch Krieg, Flucht und dreimaligen Neubeginn beinhalten, wiegen sie besonders schwer. Aber echte Ostpreußen geben eben nie auf. Und so standen auch Waltraud und Gerhard Kamm harte Durststrecken mit zähem Aufbauwillen, Fleiß, Kreativität und - vor allem - mit festem Zusammenhalten durch.

Die 1916 in Metgethen geborene Waltraud heiratete am 28. Mai 1938 ihren damals 28jährigen Gerhard aus Königsberg in dessen Geburtsstadt. Der Krieg warf noch nicht seine Schatten voraus. Der schlug später um so heftiger zu, aber die junge Familie - 1940 wurde Tochter Brigitte geboren - fand nach Flucht und Gefangenschaft im Erzgebirge wieder zusammen. Heute kann das Paar - 93 und 86 Jahre alt! - in ausgezeichneter geistiger und körperlicher Verfassung - auf 65 Jahre gemeinsamen Lebens und Erlebens zurückblicken, und wir wünschen ihm noch glückliche Jahre bis - na, erstmals bis zur Gnadenhochzeit!

Unsere Ostpreußische Familie ist eben ein ganz anderer Leserbriefkasten. Und zu den außergewöhnlichen Wünschen, die an uns gestellt werden, gehört auch der von Ingrid-Hannelore Lischek aus Amsterdam. Die geborene Königsbergerin ist Graphikerin und Malerin und hat vor allem für ihre religiösen Arbeiten höchste Anerkennung gefunden, so von der holländischen Königin Beatrix. Christliche Erleb- nisse, die sie als 17jährige bei einem Praktikum in einem Diakonissenkrankenhaus in Frankfurt gewann, haben die Künstlerin geprägt. Nach dem Studium Kunstgraphik und Malerei mußte die junge Frau aber zuerst einen andern Weg gehen, der sie schließlich als Modezeichnerin nach Amsterdam führte. Aus geplanten drei Wochen wurden 30 Jahre, in denen sich Ingrid-Hannelore Lischek zur geachteten Künstlerin und Therapeutin entwickelte. Denn sie selber hat sich mit ihrem eigenen Kunstschaffen therapiert, indem sie die Fluchterlebnisse als Kind und die schwere Nachkriegszeit in ihren Werken verarbeitete. Dieses Wissen und Können gibt die Künstlerin nun weiter.

Und sie will dies auch in Deutschland tun. Denn die heute 63jährige möchte zurückkehren und sucht einen begehbaren Weg über uns, die Ostpreußische Familie. Frau Lischek erhofft sich eine Verbindung zu kulturell interessierten Landsleuten, möglichst aus dem Hamburger Raum, mit denen sie korrespondieren und telefonieren kann. Ein erster Schritt, der vielleicht zum persönlichen Kennenlernen führt und ihr die ersehnte Rückkehr erleichtern könnte. Ihre Anschrift: Ingrid-Hannelore Lischek, Staringplein 9 in 1054 vj Amsterdam, Niederlande.

Auch vielleicht eine Eigentherapie, um Heimweh und Sehnsucht nach dem geliebten Heimatland und vertrauten Menschen zu stillen? So mutet jedenfalls das Gedicht "Ostpreußen, du mein Heimatland" an, das Wolfgang Pauly im Nachlaß seiner Eltern fand. Geschrieben hat es der ehemalige Kommandant von Pillau, Oberstleutnant Puckies. Da es sich um die Originalhandschrift handelt, dürfte ein Abdruck kaum erfolgt sein. Wir können hier leider auch nicht den vollen Text bringen, aber einige Zeilen lassen schon die Heimatsehnsucht des Schreibers erkennen: "Ostpreußenland, mein Heimatland, du warst doch so schön! Blau grenzte der Himmel über fruchtbaren Feldern. Hoch ragten die Fichten in dunklen Wäldern ..." Worte eines Heimatlosen, der seine gereimte Sehnsucht mit der Zeile enden läßt: "Herrgott, schenk' mir noch einmal ein Wiedersehn!" Herr Pauly hofft, daß sich durch diese Veröffentlichung Nachfahren von Oberstleutnant Puckies melden, denen er das Gedicht übergeben kann. (Wolfgang Pauly, Hasetorwall 4 in 49076 Osnabrück.)

In unserer Osterausgabe berichteten wir über die bis dato unbekannte Verwandtschaft von über 60 Tanten, Onkeln, Kusins und Kusinen aller Graden, die unser Landsmann Martin Coch unverhofft entdeckt hat. Dieses "Familienwunderchen" regt nun Herrn Coch, Zweiter Kirchspielvertreter von Heiligenbeil-Land, zu einer erneuten Suche an, aber diesmal hat er etwas anzubieten. Es geht um die Familie Hildebrandt aus Raade, Gemeinde Karben, Kreis Heiligenbeil. Martha Hildebrandt, etwa 1895 geboren, und ihr Mann (Vorname und Daten unbekannt) hatten mindestens drei Kinder: Heinz *zirka 1921, Herbert *1. August 1927 und Helga, *zirka 1930. Herbert Hilde-brandt wurde im Februar 1944 zur Wehrmacht eingezogen und ist wohl nach einer schweren Verwundung am 20. März 1945 im Lazarett in Wernigerode verstorben. So vermerkt auf der Kennkarte, die - zusammen mit sechs Familienfotos! - im Besitz von Herrn Coch ist. Diese Dokumente möchte er nun gerne den Angehörigen aushändigen. In seiner Heimatkartei ist die Familie Hildebrandt nicht verzeichnet, auch alle bisherigen Anfragen bei früheren Bewohnern von Raade und Karben blieben ergebnislos. Nun heißt es also wieder: Familie hilf! (Martin Coch, Im Flachsgarten 13 in 50226 Frechen)

Eure Ruth Geede

Diamantene Hochzeit: Das Ehepaar Kamm an seinem 60. Hochzeitstag, Foto: Höfermann

Waltraud und Gerhard Kamm: Vor 65 Jahren, am 28. Mai 1938 heirateten beide in Königsberg Foto: Kamm

Schloß Friedrichstein: Noch einmal wendet sich der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, Christian Thielemann, an uns mit der Bitte um Material über dieses Gebäude. Er hat zwar Informationen aus Archiven und auch aus unserem Leserkreis erhalten, es fehlen ihm aber für die geplante Dokumentation immer noch Unterlagen, vor allem über das Geschehen in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Hier konnte bisher so gut wie kein Material gefunden werden, es gibt anscheinend kaum Fotos kurz vor und nach seiner Zerstörung. Besonders sind die ehemaligen Friedrichsteiner und andere Landsleute gefragt, die auf der Flucht oder in den Jahren danach in und um Friedrichstein gelebt haben. Vielleicht hilft dieser erneute Hinweis (Generalmusikdirektor Christian Thielemann, Deutsche Oper Berlin, Richard-Wagner-Straße 10, 10585 Berlin) Foto: Archiv