17.01.2022

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24.05.03 / Dokumentarfilm vergleicht NS-Ordensburgen mit den Hochmeistern

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. Mai 2003


Missglücktes Abbild
Dokumentarfilm vergleicht NS-Ordensburgen mit den Hochmeistern

Ab 1309 verwalteten von der Nogat aus zwölf deutsche Ritter und der Hochmeister ihr Ordensland in Preußen. Der Sitz der Ritterschaft und des Hochmeisters war die Marienburg, eine der mächtigsten und größten Burganlagen Europas. In der Filmdokumentation "Worte aus Stein" des Zeitreisen-Verlags werden diese Burg und die Geschichte des Deutschen Ordens als traditionsstiftend für die ab 1933 errichteten Ordensburgen der Nationalsozialisten in Pommern, der Eifel und dem Allgäu dargestellt. In Wirklichkeit aber wurden die NS-Ordensburgen durch Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley zur Sicherung des Führernachwuchses im Dritten Reich errichtet.

Der Film zeigt die riesigen und monomentalen Bauten im pommerschen Crössinsee, in Vogelsang und in Sonthofen. Die Bilder veranschaulichen zum Teil das Leben der dort ausgebildeten Adolf-Hitler-Schüler und der Junker, die dem Idealbild der Ritter nachstreben sollten. Der durch den Film nahegelegte geschichtliche Bogen ist nicht nur falsch, sondern auch der Versuch, die NS-Ordensburgen per se in die Tradition des Deutschen Ordens zu stellen, ist auch mißlungen. Zu deutlich ist der Unterschied zwischen den heidnisch anmutenden Ting-Platz-Architekturen von Crössinsee oder den Hainen in Sonthofen. Die christliche Tradition der deutschen Ritter, die auch Motivation zu Ostkolonisation gab, läßt sich in der Anlage als NS-Ordensburg nur schwerlich finden. Die Marienburg ist hingegen ein sakral ausgerichteter Bau. Allerdings mag das ritterliche Leitbild in der Ausbildung und Erziehung, wie im Film dargestellt, auch in Sonthofen und Crössinsee Realität gewesen sein. Nur kam es nicht wirklich zum Ritterdasein, denn wurden in Crössinsee vor allem Schnellschulungen durchgeführt, so galt für Sonthofen, daß mit dem Beginn des Krieges 1939 dieser Ort zu einer SS-Führerschmiede wurde und Kriegsausbildung auf dem Tagesplan stand. Die Junker Vogelsangs wurden ebenso an die Front geschickt, wie jeder Soldat der Wehrmacht. Nach dem Krieg wurden die Stätten durch die Alliierten und Russen übernommen und sind bis auf Vogelsang heute in Verwendung der Bundeswehr. Die Burg in der Eifel wird durch die belgische Armee als Kaserne genutzt. Es ist aus denkmalschützerischer Sicht leider der Fall, das viele bauliche Änderungen und stilistische Vermengungen vorgenommen wurden. So wurde die Ehrenhalle in Crössinsee durch die Rote Armee gesprengt und in Vogelsang wurden Anbauten errichtet. Sonthofen ist architektonisch erhalten, doch veränderte sich die Einrichtung durch die Nutzung der Bundeswehr zum Teil erheblich. Besonders bedauerlich ist, daß durch die Besetzung der Westeifel, des HohenVenn und durch die dortigen Rodungen der belgischen Armee, die landschaftliche Schönheit der Region an der Urft über Jahre hinaus verloren ging.

Für den Liebhaber historischer Dokumentationen bietet der Film ungesehene Aufnahmen und reizvolle Bilder aus dem Leben der jungen Kadetten und Schüler, von Sonthofen bis Crössinsee - dort wo sie nicht nur Kameradschaft lernten, sondern nach ihren Talenten eine Ausbildung erhielten. kpg

"Worte aus Stein - Die Ordensburgen Marienburg, Sonthofen, Vogelsang und Crössinsee", Zeitreisen-Video, 50 Min., 21 Euro