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07.06.03 / Stroh und Disteln / Viele alte Volksbräuche zu Pfingsten sind heute längst vergessen

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Juni 2003


Stroh und Disteln
Viele alte Volksbräuche zu Pfingsten sind heute längst vergessen

Nur die ganz alten Leute wissen noch, wie anders es zu ihrer Kinder- und Jugendzeit während der Feste im Jahreslauf zugegangen ist, und sie erzählen gern davon. Viele der alten Volksbräuche, die damals noch lebendiges Gut aller Generationen waren, sind heute fast vergessen. Die Geschlossenheit dörflicher Gemeinschaften ist durch die immer näher gerückten Industriestädte und nicht zuletzt auch durch das Einströmen vieler Menschen aus anderen Gauen, aber auch durch Zuwanderung aus anderen Ländern und Kontinenten mit hier kaum bekannter Kultur gesprengt worden. Die großen Bewahrer und Mittler hiesiger Überlieferungen von Geschlecht zu Geschlecht, die Dorfschulmeister als Träger der Kulturgemeinschaft ihres Dorfes, sind abgelöst worden durch flexible päd-agogische Fachkräfte, die sich in ihrem soziologischen Vokabular besser auskennen als in den lebendigen Traditionen ihres Volkes. Häufig kommen sie zum Dienst in ihren Arbeitsgemeinschaften der Mittelpunktschulen nach der Auflösung der kleinen ein-, zwei- und dreiklassigen Dorfschulen von auswärts angereist. Sie leben nur selten in den Dörfern. Es fehlt der lebendige Kontakt zwischen Lehrer und Dorfgemeinschaft. Daher ist dort auch das kulturelle Eigenleben häufig nicht mehr vorhanden.

Sprechen Sie heute einmal einen dieser modernen, auf unseren Universitäten ausgebildeten, nach wissenschaftlichen Grundsätzen arbeitenden Fachpädagogen auf alte Volksbräuche an: Er wird bestenfalls milde lächeln und durch eine Handbewegung Ihre Rückständigkeit bedauern. Oder er wird Sie belehren, daß es heute "relevantere" Dinge gibt als die Beschäftigung mit derlei überholten Überlieferungen.

Dennoch: Hie und da soll auch heute noch auf Anregung der Jungbauernschaft auf öffentlichen Plätzen ein Pfingstochse gebraten und gemeinsam verspeist werden. Es finden sich dazu doch wieder gewiefte örtliche oder auch auswärtige Händler und Wirte, die das "große Geschäft" wittern, Buden aufschlagen und dafür sorgen, daß es bei solcher Gelegenheit nicht an Speis' und Trank fehlt. Und wenn gar ein findiger Gemeinderat an den Fremdenverkehr denkt und die Aussichten, die sein Dorf auf diesem vielfach noch unbeackerten Feld haben mag, dann ziehen gewiß auch die Nüchternen, Zweifelnden, Abwartenden mit.

Hirten, die früher in den meisten Dörfern von mehreren Bauern zugleich verpflichtet wurden und zum üblichen Dorfbild gehörten, gaben zu jener Zeit mit ihrem Horn das Signal zum Viehaustrieb. In der Schweiz ist das noch heute so vor allem in den Bergen, zum Beispiel im Appenzeller Land, und dann stets auch der Beginn eines großen Volksfestes. Es hat manche wunderlichen Sitten gegeben, die man nicht einfach belächeln sollte. Da wurde zum Beispiel die Kuh, die als erste zum Austrieb zur Stelle war, mit einem Blumenkranz geschmückt, eine Auszeichnung auch für die Bäuerin oder die Magd, der diese Ehrung zukam. Andererseits fehlte es auch nicht an Zeichen des Spotts für Faulenzer und Verspätete, deren Vieh als letztes den Austrieb erreichte. Da mußten sich Bäuerinnen und Mägde manch derbes Wort, mehr noch, gleichsam das An-den-Pranger-Stellen durch die Dorföffentlichkeit gefallen lassen, wenn man ihnen hohnlachend Kränze aus Stroh und Disteln überreichte.

Eier und Gebäck spielten auch zu Pfingsten eine wichtige Rolle. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an das schon historisch gewordene Bardowicker Sonnenrad, das noch bis vor kurzem zu Pfingsten ge-backen wurde, jetzt aber wohl in Vergessenheit geraten ist. Reiten, Peitschenknallen, Fahnenschwenken, der feierliche Kinderumzug mit einem Gestell aus Birkenholz, blumengeschmückt und mit Grün umwunden auf einem Handwagen, in dem sich der "Pfingstbütel" versteckt hält, und das sogenannte Loweste-Gehen in der Lüneburger Heide, bei dem die Kinder von der Bevölkerung mit von Dorf zu Dorf unterschiedlichen Heischeliedern Geld und Sachgaben erbitten, sind auch heute noch üblich: Volksbräuche, die in ihrer Bedeutung verblassen, aber da, wo sie noch gelebt werden, ein Quell der Freude und des Gefühls der Zusammengehörigkeit vermitteln und Ausdruck einer aktiven Gemeinschaft sind. Hans Bahrs

Freude
von Gertrud Arnold

Wenn Freude

in das Herze zieht,

dann wird es dankbar schlagen,

die Blume Hoffnung

wieder blüht,

beendet Zweifel, Zagen.

 

Ein kleines, zartes Lied erklingt,

will Freude weitergeben,

ein neuer, heller Morgen winkt,

an Zuversicht wird weben.