19.01.2022

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07.06.03 / Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Juni 2003


Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
Ruth Geede

Lewe Landslied und Freunde unserer Ostpreußischen Familie,

"Ahnenforschung" hatte ich angekündigt, denn die wird wieder eif-rig betrieben, im allgemeinen und bei den Ostpreußen besonders. Denn bei uns kommt ja durch die Vertreibung aus der angestammten Heimat noch die Schwierigkeit der Nachforschung hinzu. Und so führt dann, wenn Institutionen und Archive nicht helfen können, der letzte Weg zu uns, zur Ostpreußischen Familie. Manchmal hat er ja schon zum Erfolg geführt. Den erhoffen wir auch für unsere heutigen Fragen. Wobei es nicht immer leicht ist, aus einer Fülle von Unterlagen, von denen viele lückenhaft und deshalb mit einem Fragezeichen versehen sind, die Angaben für unsere Kolumne maßzuschneidern.

Aus dem Odenwald meldet sich Fritz Mickat, der sehr intensiv Familienforschung betreibt und auch schon gute Erfolge zu verzeichnen hat. Er ist nicht in Ostpreußen geboren, aber sein Vater, der schon als junger Mann in das Rhein-Ruhr-Gebiet ging. Friedrich Mickat kam am 24. Mai 1903 in Dwischacken-Tilsit zur Welt. Seine Eltern waren Michael Mickat, geboren am 14. Februar 1872 in Dwischacken, und Emma Henriette, geb. Mertins, geboren am 1. November 1873 in Alt-Waynothen. Sie hatten viele Kinder wie auch der Urgroßvater Mikkel Mikat, geboren 1837 in Dwischakken, und seine Frau Elske, geb. Killat, geboren 1838 in Schillgallen. Die mir übersandte Liste der Nachkommen dieses Mikkel umfaßt rund 80 Namen (!), aber ich kann mich nur auf die hauptsächlichsten beschränken, wenn ich Herrn Mickat bei der Suche helfen will.

Also: Wer hat folgende Namen auch in seinem Stammbaum und/oder kann zu diesen nähere Angaben machen? Aus (Alt/Neu-) Weinoten: Drockner, Mertins, Preikschat, Faustmann, Ruddies, aus Adl. Linkuhnen: Kallweit, aus Schillgallen: Killat, aus Kaltecken: Mickat, Pohl, Turkowski, aus Tilsit: Bannis (Bannies, Bannys), Matyat, Melletat, Mertineit, Fleiß, ohne Ortsangabe, aber vermutlich aus dem Kreis Tilsit-Ragnit: Kakschies, Swillims, Oppermann. Kaltecken ist der Nachfolgename von Dwischacken (-aken), das zu Tilsit gehörte. Ich hoffe, daß ich alles in die richtige Reihenfolge gebracht habe und würde mich freuen, wenn Fritz Mickat, Obrunnweg 15 in 64739 Höchst, Zuschriften bekommen würde.

Es gab in Königsberg einen Busoltplatz und eine Busoltstraße - beide benannt nach dem Kirchen- und Schulrat Gotthilf Christoph Wilhelm Busolt. Der 1771 in Buchholz bei Landsberg geborene Theologe schrieb sich aber noch mit einem anderen Namen in die Königsberger Geschichte ein: Luisenwahl! Dieser herrliche Park auf den Hufen war Busoltscher Besitz, und der Herr Rat hatte ihm den Namen seiner Frau Louise, geb. Gramatzki, gegeben. Er wurde also nicht, wie man annehmen könnte, nach der Königin Luise benannt. Die preußische Königsfamilie wohnte - während des durch die napoleonische Besetzung erzwungenen Exils - in den Sommermonaten 1808 und 1809 in dem schlichten Landhaus, das sich im Park befand. Busolt hatte es der Königsfamilie zur Verfügung gestellt, und die Königin soll den Park sehr geliebt haben.

Ja, dieses Kapitel preußischer Historie taucht in dem Schreiben auf, das mir eine Leserin zusandte, die diesen geschichtsträchtigen Namen trägt: Kathrin Rühle-Busolt. Sie ist eine direkte Nachfahrin des Schulrats - der übrigens die Pestalozzische Methode an den Volksschulen einführte - und ist natürlich an allem interessiert, was ihren Urahn betrifft. Einige Hinweise konnte ich ihr geben, aber was ich nicht gefunden habe und wohl kaum aufzuspüren sein wird: ein Bildnis des Kirchen- und Schulrats G. Ch. W. Busolt, der übrigens 60jährig 1831 in Königsberg verstarb. Trotzdem setze ich auf den Joker "Ostpreußische Familie", denn vielleicht weiß jemand, ob und in welchen Archiven oder Chroniken ein Bild zu finden wäre. Übrigens stammt die ostpreußische Schriftstellerin Erminia von Olfers-Barocki mütterlicherseits aus dieser Familie. Der Vater von Louise Busolt, Daniel Gramatzki, ist der Ururgroßvater der Dichterin, deren Tochter Hedwig von Lölhöffel sich ebenfalls in die ostpreußische Kulturarbeit eingeschrieben hat. Aber auch in den hier vorhandenen Unterlagen konnte ich kein Busolt-Bildnis entdecken. Für jeden Hinweis wäre Kathrin Rühle-Busolt, Römerstraße 16 in 82398 Polling, dankbar.

"Vielleicht findet die Linie Kahlfeld durch die Ostpreußische Familie zu ihren Vorfahren zurück!" So hofft jedenfalls ein Träger dieses Namens, Ernst Kahlfeld, dessen Urururgroßvater Michael Kahlfeld in Dundeln, Kirchspiel Budwethen, geboren wurde. Immerhin hat der Schreiber das Glück, daß er im Besitz von im Jahre 1938 erstellten Auszügen aus dem Budwether Kirchenbuch ist. Als Vater des dort am 15. Juli 1759 geborenen Michel wird Hanß Kahlfeld genannt. Weitere Eintragungen mit diesem Namen: Julius, geboren am 26. Januar 1855, Gottlieb, geboren am 11. Mai 1815, und Andreas, geboren am 21. Mai 1785, alle aus Dundeln. Nun fragt Herr Kahlfeldt, ob Landsleute noch weitere Urkunden dieser Familie besitzen, seit wann es diesen Namen in Ostpreußen gibt - schon vor der Neubesiedlung dieses von der Pest so verwüsteten östlichen Alt-Preußen? - und welcher heutige Träger dieses Namens aus dem Dundelner Familienzweig stammen könnte? (Ernst Kahlfeld, Jahnstraße 14 in 70507 Stuttgart.)

Auch unser Landsmann Erich Reuß, der älteren Lesern des Ostpreußenblattes als früherer Mitarbeiter bekannt sein dürfte, beschäftigt sich mit Ahnen- und Fami- lienforschung, und zwar so intensiv, daß es für ihn schon fast zur Sucht geworden ist. Was man verstehen kann, wenn man wie er seine Ahnenreihe bis zum Jahr 1622 zurück-verfolgen kann. Da Herr Reuß mit dem Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen zusammenarbeitet, konnten gesicherte Daten im Band 23 des von Dr. Klaus Roemer geleiteten Familienarchivs veröffentlicht werden. Sie enden mit Friedrich Reuß, der am 7. Mai 1907 in Taulen, einem Ortsteil von Krönau, Kreis Preußisch Holland, verstarb. Die Daten lieferte zum überwiegenden Teil im Zeitraum von 1957 bis 1962 Jörg Walter, Sohn der am 19. Oktober 1912 geborenen Christel Reuß. Jetzt sucht Herr Reuß diesen Informanten, der 1957 erst 16 Jahre alt war. Erich Reuß ist nämlich in der Lage, noch weitere drei Generationen in die Familiengeschichte einzubringen. Deshalb wäre der Kontakt zu Jörg Walter für ihn und seine Arbeit sehr wichtig. Er hofft, daß sich Jörg Walter jetzt bei ihm melden wird. (Erich Reuß, Spechtweg 24 in 45289 Essen.)

So weit in die Vergangenheit wie Herr Reuß kann und will Roswitha Kröcher nicht zurückgehen, denn bei ihr dreht es sich um die Familie ihres Mannes Manfred Kröcher, von der sie kaum etwas weiß. Ihre Schwiegermutter Margarete Ida Kröcher, geb. Golischewski, geboren am 5. August 1909 in Bischofswerder, Kreis Rosenberg, Westpreußen, hat sie nicht mehr gekannt, weil diese bereits 1975 verstarb. Sie hatte 1933 in Berlin Herbert Kröcher geheiratet. 1934 wurden Sohn Lothar, 1938 Sohn Wolfgang und 1940 die Zwillinge Manfred und Marianne geboren. Als Taufpaten kamen nach Berlin Verwandte aus Westpreußen, so die Großmutter Ida Golischewski, Lina und Kurt Golischewski sowie Max und Berta Golischewski. "Oma Ida" war damals, 1940, schon Witwe, ihr Mann Leopold Golischewski, geboren am 30. Dezember 1872, stammte aus Rackowitz, Kreis Labiau. Die Großeltern von Margarete Golischewski väterlicherseits waren der Stellmacher Julius Goliszewski und Karoline, geb. Zablotny, mütterlicherseits Karl Kronitz und Emilie, geb. Weidemann. Das sind also die Namen, die Frau Kröcher kennt. Sie hofft, daß sich nun Angehörige melden, falls diese nicht in Westpreußen geblieben sind. Angeblich soll in Rosenberg - heute Souz - ein älterer Schriftsteller namens Goliszewski leben. (Roswitha Kröcher, Juliusstraße 26 in 12051 Berlin)

So, das wäre heute mal wieder ein sicherlich nicht leicht zu lösendes - und auch nicht zu formulierendes - Stück Familiengeschichte.

Eure Ruth Geede