19.01.2022

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07.06.03 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Juni 2003


Buletten am Kongo
Wir Deutschen wollen auch mal ran / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Die Sonne scheint, die düsteren Kriegswolken sind verzogen, und die Staatsmänner sind wieder nett zueinander. Putin herzt Bush, Bush sagt "How are you?" zu Chirac, und sogar dem Schröder soll der US-Präsident auf dem Weg zur Toilette zugezwinkert haben während des G8-Gipfels. Ist die Welt nicht schön, seit wir uns alle wieder gern haben können? Auch der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz ist richtig erleichtert und nutzt die Gelegenheit, seinem Herzen Luft zu machen. Endlich konnte er zugeben, daß das mit Saddams Massenvernichtungswaffen ein wenig geflunkert war. Das Argument habe man nur aus "bürokratischen Gründen" erfunden und sich wegen seiner "Praktikabilität" auf diesen Kriegsgrund "geeinigt".

Die Bush-Regierung genießt voller Wonne diese neue Unbefangenheit im Umgang mit Tatsachen und Legenden. Ihre europäischen Verbündeten nicht so sehr. Englands Blair hat schon mächtig Ärger daheim. Er habe sein Volk betrogen, motzen die britischen Medien. Auch für etliche CDU-Granden um Angela Merkel, die den Deutschen das Washingtoner Waffenmärchen als bare Münze verkauft haben, sieht die Sache schon peinlich aus.

Haben sie mitgelogen? Oder wußten sie etwa von nichts und glaubten den Quatsch selber? Wenn letzteres stimmen sollte, wird es Zeit für einen energischen Amerika-Besuch der CDU-Chefin. So was! Am besten fährt sie in dem Schwarze-Witwe-Kostüm, das sie beim Papst anhatte. Sah sie darin nicht aus wie das Abbild der rachsüchtigen Braut eines soeben erlegten Mafia-Paten? Das wird Eindruck machen bei Bush: Beim nächsten Durchgang wollen wir eingeweiht werden, also zum erlauchten Kreis der Lügner zählen, und nicht zu den doofen Belogenen.

Beim nächsten Durchgang heißt natürlich: beim Iran. Die Kriegsregisseure sollten sich allerdings in acht nehmen. Wir sind ein anspruchsvolles Publikum und verabscheuen es, gelangweilt zu werden. So einfach geht das nicht: bloß das alte Drehbuch "Irak" aus dem Schrank holen, nur eine einzige Rolle (die des Schufts) neu besetzen und dann plump abnudeln. Aber genauso sieht es aus. Wie in Folge eins (Bagdad) wimmelt es in den US-Deklarationen plötzlich von (jetzt iranischen) Massenvernichtungswaffen. Sogar die abgetakelte Diva "El Kaida" setzen sie uns zum x-ten Male vor. Wir sind enttäuscht. Selbst die einst begeisterten Komparsen, wie Briten und Spanier, fangen an zu maulen. Nur die jungen Laiendarsteller aus Polen, die beim letzten Streifen das erstemal mitspielen durften, sind noch immer berauscht vom Pulverduft der großen freien Welt.

Der neue Hauptdarsteller Iran benimmt sich trotz der Billigvorlage beeindruckend professionell und hält sich strikt ans Skript. So bot Teheran den Amerikanern jetzt "Kooperation" bei seinem zivilen Atomprogramm an. Das böte den USA die Chance, Inspekteure nach Persien zu schicken, die wie weiland die UN im Irak vor dem US-Einmarsch nachgucken, ob den später einrückenden Verbänden auch wirklich nichts passieren kann. Wir befreien ja nicht die Katze im Sack! Nachher ist das Viech tatsächlich Massenvernichtungs-bewaffnet!

Selbst wenn ihnen nicht viel Neues einfällt: Die Amis, die erleben wenigstens was! Berlin ist neidisch. Wir wollen auch mal wieder raus in die Welt. Aber nicht in so eine Gegend wie Afghanistan. Öde, staubig und kahl ist es in dem Land. Im Sommer elend heiß, im Winter bitterkalt. Und die Befreiten sind nach 23 Jahren Krieg auch nicht mehr "comme-il-faut". Wir wollen an einen aufregenden Ort, an dem es grün ist und immer schön warm.

Da kommt uns die französische Einladung zur Kongo-Safari gerade recht. Ein Engagement dort schmeichelt ganz nebenbei unserem moralischen Überlegenheits-Fimmel. Denn der Ruf des Landes ist dermaßen am Hund, daß uns Rosinenpikkerei niemand vorhalten kann. Aber spannend ist es am Kongo! In den besonders bewegten Teilen des Dschungelreichs (und um die geht es) haben einige Bürgerkriegshäuptlinge nach dem persönlichen und politischen auch ein kulinarisches Interesse an ihren Mitmenschen entdeckt. Eine ungewohnte Sitte, die - bei allem exotischen Reiz - für Friedens-missionierende Bundeswehrsoldaten Irritationen mit sich bringen könnte. Menschen zu essen stößt in unseren Breiten auf Ablehnung. Was sollen die Uniformierten also tun, wenn ihnen der gastfreundliche Milizenführer zum Empfangsbankett "Filet vom Nachbarstamm" serviert? Wie sollen sie seine freundlich-begehrlichen Blicke nach Tisch deuten? Haben sie nicht - Leitkultur-entsorgt und multikulturell therapiert - gelernt, die Bräuche von Fremden vorbehaltlos in sich aufzunehmen und ihre deutschtümelnden Schluckbeschwerden zu unterdrücken? Na ja, zugegeben, wir Deutschen wollen, wie eingangs erwähnt, auch mal ran an die Buletten - an solche hatten wir dabei freilich nicht gedacht.

Fragen über Fragen, die Joschka Fischer jedoch nicht vom Ziel abbringen werden. Er muß um jeden Preis einen formidablen Zwölfender erlegen (lassen): "EU-Außenminister" heißt die Trophäe, die die Militärs für ihn im Busch schießen sollen. Die mosern wie üblich herum, sie hätten auch so genug zu tun. Peter Struck sollte ihnen daher wenigstens in der Sicherheitsfrage entgegenkommen - und nur dünne Soldaten schicken.

Wir haben's gewußt: Tief in seinem Herzen ist Metin Kaplan ein echt netter Kerl. Deshalb hat die deutsche Justiz ihn, den "Kalifen von Köln", auch nicht den finsteren Janitscharen in Ankara an den Krummdolch geliefert. Kaplan hat versprochen, ab jetzt lieb zu sein und nur noch friedlich für die Einführung des islamischen Rechts in Deutschland mit Handabhacken, Steinigung und Frauen-Entmündigung zu kämpfen.

Nun haben wir Deutschen den Schwarzen Peter: Welchen Friedenspreis überreichen wir dem Kaplan bloß? Schließlich bekommt so etwas doch jeder Terrorist oder Fanatiker, der sich einen milderen Gesichtsausdruck angewöhnt hat. Ach was, vielleicht will er den gar nicht. Schließlich hat er sich nur alter islamistischer Eroberungsweisheiten besonnen. Da heißt es: Bleib so lange hübsch loyal, bis die Ungläubigen in der Minderheit sind. Dann kannst du dich immer noch ihrer (Köpfe) annehmen.

"Lohnt sich jedesmal, hier vorbeizuschauen - ist immer was los!"
Zeichnung: Götz Wiedenroth