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21.06.03 / Die "Kulturelle Landesfrauentagung" zeugte einmal mehr von den vielseitigen Aktivitäten der Vertriebenen

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. Juni 2003


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Die "Kulturelle Landesfrauentagung" zeugte einmal mehr von den vielseitigen Aktivitäten der Vertriebenen

Die Bundesvorsitzende der ostpreußischen Frauenkreise und Landesfrauenleiterin der Landsmannschaften Ost-/Westpreußen, Uta Lüttich, hatte zur traditionellen "Kulturellen Landesfrauentagung" eingeladen.

Sie konnte auch diesmal wieder viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen, denn die Leiterinnen und ihre Stellvertreterinnen der Frauengruppen aus ganz Baden-Württemberg waren gekommen. Als Gäste begrüßte Uta Lüttich unter anderem die BdV-Landes-vorsitzende der Frauengruppen in Baden-Württemberg, Hilde Witopil, den Landesvorsitzenden der Landsmannschaft Westpreußen, Dr. Kollbau, vom Vorstand der LO Baden-Württemberg den Schatzmeister und die Kulturreferentin. Der Landesvorsitzende der LO, Günter Zdunnek, sandte Grußworte, er selbst war durch Krankheit verhindert. Aus ihrem Altersruhesitz wünschte die Ehrenvorsitzende der Landesfrauen, Hanna Kraege, gutes Gelingen.

Nach der Begrüßung nahm Lm. Wetzel aus Schwenningen, langjähriger Vorsitzender der Nordostdeutschen Landsmannschaft, die Totenehrung vor.

Das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin sorgt bei einigen europäischen Nachbarn für Unruhe. Polen kritisiert den vom BdV und seinen Landsmannschaften geplanten Standort Berlin und wünscht sich dagegen Breslau. Eri-ka Steinbach, BdV-Vorsitzende, ist strikt dagegen und wirbt weiterhin für den Standort Berlin. Es wäre sehr wünschenswert, wenn alle deutschen Städte und Gemeinden das Vorhaben mit finanziellem Beitrag unterstützten, denn viele Schultern können eher tragen, was eine Organisation alleine nicht aufbringen kann. Das Zentrum gegen Vertreibungen ist eine große Herausforderung an alle, denn das ist man den nachfolgenden Generationen und allen europäischen Völkern schuldig. Alle können mithelfen.

In Zusammenarbeit mit der Landesregierung unter Ministerpräsident Erwin Teufel konnte der BdV mit seinen Landsmannschaften in Baden-Württemberg einen großen Erfolg verzeichnen. Im letzten Jahr ist endlich die lange gewünschte "Lehrerhandreichung" an die Schulen zur Unterrichtsgestaltung verteilt worden. In dieser Broschüre ist sehr anschaulich und übersichtlich das Schicksal der Heimatvertriebenen geschildert und mit Zahlen und Hintergründen belegt.

Erwähnenswert ist auch die Zusammenfassung "Dem Vergessen entrissen - Gedenkstätten und Mahnmale der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler in Baden-Württemberg". Hier hat der BdV ein sehr gutes Informationsheft mit Abbildungen und Beschreibungen aller in Frage kommenden Orte und Objekte heraus- gebracht.

Uta Lüttich erwähnte auch die Fragebogenaktion von Sibylle Dreher, Präsidentin des Frauenverbandes im BdV, zur Dokumentation des besonderen Schicksals der vertriebenen, verschleppten und internierten Frauen und Kinder. Diese Dokumentation soll sowohl Mahnung sein, aber auch Beweis für das Unrecht, das an Deutschen begangen wurde, und sie soll Eingang in das Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin finden. Viel Zeit bleibt nicht mehr, die Geschichte authentisch festzuhalten, denn die biologische Uhr tickt viel zu schnell. Fragebögen können jederzeit bei Sibylle Dreher und Uta Lüttich angefordert werden.

Weil im Vorjahr aus Zeitgründen die Berichte der Frauengruppenleiterinnen etwas zu kurz kamen, hatte Uta Lüttich diesmal den Berichten einen großen Zeitrahmen ge- widmet. Von fast allen Frauengruppen gingen Tätigkeitsberichte ein, die wieder einmal deutlich machten, daß kulturelle Frauenarbeit nach wie vor ein wichtiges Kapitel in der Vertriebenenarbeit ist. Ohne die Frauen würde so manches Treffen nicht stattfinden, und der Zusammenhalt würde nicht mehr gegeben sein. Es ist viel Kraft, Fantasie, Organisationstalent, Durch- setzungsvermögen und Begeisterung für die Sache notwendig.

In Anbetracht des hohen Altersdurchschnitts der einzelnen Gruppen ist es um so erstaunlicher, was doch immer wieder auf die Beine gestellt wird: Ausstellungen der verschiedensten Themen sowie Persönlichkeiten, Besichtigungen, Nähkurse, Gedicht- und Lieder-abende, Lesekreise, Singnachmittage, Krankenbesuche, Marzi-panbäckerei, Muttertagsveran- staltungen, Klopsessen, Chor- und Trachtengruppen, Adventsfeiern, Erntedankfeste und vieles mehr. Es macht richtig Spaß, den Berichten zu lauschen, denn hier wird echtes Brauchtum von der Erlebnisgeneration weitergegeben. Viele einheimische Frauen haben sich unseren Gruppen angeschlossen, was auch ein Beweis für lebendiges Wirken ist. Denn die Frauen leben im Alltag zusammen, warum sollte ein kultureller Aspekt aus unserer Heimat nicht auch das Interesse der einheimischen Nachbarin finden?

Als erster Referent sprach Dr. Kollbau. Er machte auf die häufige Redewendung "Verlorene Heimat" aufmerksam.

"Der Ausdruck ist nicht gerechtfertigt. Verloren heißt: unauffindbar. Aber jeder von uns weiß, wo unsere Heimat ist. Wir haben die Heimat nicht verloren, sondern unsere Heimat wird uns von unseren Politikern vorenthalten, und das ist noch eine milde Formulierung!", so Kollbau. "Wir alle müssen den Mut haben, zu unserer Heimat zu stehen und das öffentlich zu bekunden, sonst geben wir unseren rechtmäßigen Anspruch auf. Das Völkerrecht ist das älteste Recht, aber Schweigen zu bestehendem Unrecht bedeutet Zustimmung", führte er weiter aus.

Dipl.-Psychologin Ortrun Barran referierte zu dem Thema "Bernstein in Heilung und Magie". Es gab wohl keine Ost- oder Westpreußin, die ohne ihren Bernsteinschmuck auf die Flucht ging. Sollte in den Kriegswirren der Schmuck verlo-rengegangen sein, so wurde er bei nächster Gelegenheit ersetzt, spätestens bei einer Reise in die Heimat. Bernstein ist mehr als nur Schmuck - Bernstein ist Heimat.

Der Bernstein war Eigentum der Zwerge. Bernstein war im alten Pruzzenland zu Hause. Er ist leicht und brennt. Bereits in prähistorischen Zeiten war Bernstein bekannt. Selbst im alten Ägypten kannte und liebte man dieses Material. So trug Pharao Tutench-amun eine Bernsteinkrone, die ihn vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen sollte. Bernstein war dem Sonnengott Helios gewidmet. Bernstein versprach Kraft, Bernstein war die Seele des Tigers. Daher war man sicher, daß Bernstein in Form von Pulver, Tropfen, Salben eine heilende Wirkung hat. Bei Beschwerden äußerlicher sowie innerlicher Pein verwandte man Heilmittel, denen Bernstein in mancherlei Form beigemischt war. Auch bloßes Auf- legen hat schon Beschwerden besiegt. Bernstein schützte vor Verhexen, half im Stall bei Tierkrankheiten, verhinderte den gewaltsamen Tod, hatte genetische Auswirkungen, unterstützte die Selbstheilung, verhinderte den Zerfall der roten Blutkörperchen. Bernstein wird auch heute noch dem Weihrauch beigemischt. Bernstein war und ist eine begehrte Handelsware. China bekundete vor einigen Jahren starkes Interesse am Erwerb der Abbauanlagen in Palmnicken.

Viel Beachtung fanden auch die von der Referentin Ortrun Barran gezeigte Bernsteinausstellung mit besonders schönen Exponaten sowie das von ihr herausgebrachte Buch "Das wahre Märchen vom Bernsteinzimmer". Helga Ruhnke

Die Liebe zur Heimat verbindet über Grenzen und Zeit hinweg: Teilnehmer der Landesfrauentagung in Baden-Württemberg. Foto: privat