20.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
28.06.03 / Der aufrechte Gang - ein Markenzeichen Preußens

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 28. Juni 2003


Hans-Jürgen Mahlitz:  
Der aufrechte Gang - ein Markenzeichen Preußens

Der Satz von Franz-Josef Strauß, demzufolge Deutschlands beste Preußen südlich des Weißwurst-Äquators angesiedelt seien, mag etwas überspitzt klingen; er war wohl auch gar nicht so ausschließlich gemeint. Wahr daran ist jedenfalls, daß man auf der Suche nach Menschen mit echt preußischer Gesinnung in bayerischen Gefilden besonders gute Chancen hat, fündig zu werden. Vor allem, wenn sich die Suche auf den Kreis der Politiker konzentriert.

Zu den legendären preußischen Tugenden, die lange Zeit in Verruf gebracht waren, heute aber wieder zur verdienten Geltung gelangen, gehören Toleranz, Gedankenfreiheit und Standfestigkeit. Der "Alte Fritz" trägt nicht zuletzt deshalb das Prädikat "der Große", weil er die Größe besaß, auch Widerspruch gegen die Obrigkeit (die zuvorderst er selbst repräsentierte) zu respektieren. Ein echter Preuße steht zu seinen Überzeugungen, auch wenn er dadurch mit persönlichen Nachteilen zu rechnen hat.

So betrachtet, bewegt sich der Stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer ganz auf der Linie des weiß-blauen Preußen-Bewunderers Strauß - nämlich "im aufrechten Gang". Er hat sich in einer nicht ganz nebensächlichen Frage der aktuellen Gesundheitsreform-Diskussion eine von der Unions-Mehrheit abweichende Meinung gebildet, die er auch gut begründen kann. Die Drohung, ihn darum aus der Rolle des Verhandlungsführers bei den anstehenden Gesprächen mit der Regierungskoalition zu drängen, hat ihn nicht zum Einknicken bringen können. Das erfreuliche - und in der Politik nur selten zu erlebende - Resultat seiner Standfestigkeit: Seehofer bleibt bei seiner Meinung und Seehofer bleibt Verhandlungsführer. Nicht ganz einfach, ein solcher Spagat; da wird der christsoziale Gesundheitspolitiker sich schon gewaltig anstrengen müssen, um in solch komplizierter Gemengelage glaubwürdig und erfolgreich zu bleiben. Aber so viel Anstrengung wird das Volk von seinen gewählten Vertretern ja wohl noch verlangen dürfen.

Der Meinungsstreit zwischen Seehofer und der Unions-Spitze ist zugleich ein willkommener Anlaß, darüber nachzudenken, auf welch niedriges Niveau ein Großteil unserer politischen Klasse inzwischen abgesunken ist. Auf allen Ebenen und auf allen Seiten des Spektrums werden Parteigremien, Parlamente und Regierungsämter in schier unerträglichem Maß von stromlinienförmig gleichgeschalteten Karrierepolitikern dominiert; "politi- cal correctness" als Richtschnur für Anpasserei gibt es ja nicht nur im linken Lager, sie findet rechts ihre Entsprechung, verbrämt als "Fraktionsdisziplin", "einheitliches Erscheinungsbild" usw.

Wie gut, daß es immer wieder Querdenker gab und gibt, die ihre eigene Meinung und Gesinnung nicht an der Garderobe abgeben, schon bevor sie den Fuß auf die erste Stufe der Karriereleiter setzen. Beispielhaft möchte ich erinnern an aufrechte Sozialdemokraten wie Georg Leber, Horst Niggemeier oder Norbert Gansel, an wahrhaft liberale Köpfe wie Alexander von Stahl, an mutige Unions-"Rebellen" wie Kurt Biedenkopf, Peter Gauweiler und eben jetzt Horst Seehofer. Sie stehen, unabhängig von ihrem parteipolitischen Standort und ihrer landsmannschaftlichen Herkunft, für wahrhaft preußische Gesinnung. Deutschland braucht, gerade heute, viel mehr davon.