26.01.2022

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30.08.03 / Die Kindheit einer adoptierten Berlinerin in Gumbinnen

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. August 2003


Rias erstes Leben
Die Kindheit einer adoptierten Berlinerin in Gumbinnen

Ein Leben ohne Freunde ist arm und leer. Freunde sind wichtig, man lacht und weint mit ihnen, spendet sich gegenseitig Trost und macht sich Mut. Manche Freundschaften halten sogar ein Leben lang. So wie die von Elisabeth Regge und ihrer Freundin Ria Charlotte Ruth Stanischewski alias Marie Luise Rohrmoser.

Auf der Beerdigung ihrer Freundin erfuhr Elisabeth Regge, daß deren Halbgeschwister kaum etwas über die Jugendzeit ihrer verstorbenen Verwandten wußten, denn diese war als Säugling zur Adoption freigegeben worden und erst als junge Erwachsene in die Arme ihrer verlorenen Familie zurückgekehrt. Elisabeth kannte ihre Marie Luise, die als Ria in Berlin geboren wurde, aus ihrer Jugendzeit in Gumbinnen. Dort war die Kleine nämlich von der altjüngferlichen Klavierlehrerin Leni Rohrmoser adoptiert worden und zur Freundin der Ostpreußin Elisabeth Regge geworden, eine Freundschaft, die über den Tod hinaus hielt.

Als Elisabeth Regge von den Halbgeschwistern ihrer verstorbenen Freundin gebeten wurde, etwas über das "erste Leben" von Marie Luise niederzuschreiben, sollten es erst nur knapp zwanzig Seiten werden, doch als noch Briefe und Tagebücher aus dem Nachlaß der Adoptivmutter und Marie Luises selbst hinzu kamen, packte

Elisabeth Regge der Ehrgeiz, und es wurde ein ganzes Buch daraus. Dieses rekonstruiert mit Hilfe von Belegen aus den Briefen und anhand von Fotos die ersten 20 Lebensjahre der Person Ria/Marie Luise.

"Das erste Leben" ist ein beeindruckendes Büchlein geworden, das nicht nur in der Familie der Verstorbenen, sondern weit darüber hinaus schon viele interessierte Leser gefunden hat. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die freie Journalistin Regge beschreibt bemerkenswert feinfühlig den Weg des Säuglings Ria von ihren jungen, finanziell schlecht gestellten Eltern hin zur strengen, aber sie umsorgenden Adoptivmutter Leni, die Kindheit in Gumbinnen, die Schulzeit auf dem Internat und die Suche nach den richtigen Eltern.

Einen Freundschaftsdienst ganz besonderer Art hat Elisabeth Regge ihrer Freundin Ria alias Marie Luise mit dem Buch "Das erste Leben" erwiesen, denn so wird die Verstorbene dem Vergessen entrissen. R. B.

Elisabeth Regge: "Das erste Leben", Elisabeth Regge, Frankfurt 2003, Taschenbuch, viele Abb., 167 Seiten, 8,95 Euro