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08.11.03 / "Hällowien" / Horror statt Christentum

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. November 2003


"Hällowien" / Horror statt Christentum

Sankt Martin hat in den Abartigkeiten des Halloweens eine unheilige Konkurrenz bekommen. Dies kann man in diesen Tagen feststellen. In den katholischen Hochburgen - allen voran im Rheinland - war es bisher von alters her Brauch, daß die Kinder am 9. November mit selbstgebastelten Laternen in einem Lichterumzug einem stolzen Reiter folgten. Der Reiter, er trägt einen roten Mantel, verkörpert den um 316 in Pannonien geborenen Sohn eines römischen Tribuns. Martinus, der dem römischen Kriegsgott Mars geweihte, gehörte seit seinem 15. Lebensjahr der kaiserlichen Garde an. Mit 18 aber nahm Martin den christlichen Glauben an. 361 gründete er in Ligugé das erste Kloster Galliens und wurde zehn Jahre darauf von den Gläubigen zum Bischof gewählt. Von dem 375 durch ihn gegründeten und nahe Tours gelegenen Kloster Marmoutier aus verbreitete Martin das Evangelium in Gallien. Unter Chlodwig, dem Merowinger, wurde der am 8. November 397 verstorbene Martin Schutzheiliger und sein Mantel zur Reichsreliquie. Seitdem wird das Fest als christliches, weniger merowingisches, von den Franken gefeiert. Heute gilt Martins Beispiel, der einen Teil seines Legionärsmantels einem Bettler gegen die winterliche Kälte gab, als ritterlicher Gnadenakt. Die Kinder begehen das Martinsfest nicht nur mit einem Lichterumzug. Sie ziehen mit ihren bunten Laternen außerdem von Haus zu Haus und künden den Menschen mit ihren Liedern von der christlichen Barmherzigkeit, die Martin uns vorgelebt hat. Dieser christliche Brauch wird nun zunehmend von einem aus Amerika herüberschwappenden Halloweengrusel verdrängt.

Kinder verkleiden sich nun als Gespenster und sonstige Horrorfiguren, nerven die Menschheit mit ihrem drohenden "Süßes oder Saures!" und ziehen mit der Gewißheit ins Leben hinaus: Wer Drohungen ausspricht, statt von Barmherzigkeit zu singen, der kommt auch an sein Ziel. Doch woher kommt dieser unheilige "Miß"-Brauch? Schon die frühen Kelten kannten ein herbstliches Fest, das sie "Samhain" nannten - erst später, im christianisierten Schottland, kam der Name "Halloween", deutsch: "Hällowien", auf. Samhain ist nicht Hexen-Sabbat, es bedeutet das Ende der dritten und letzten Ernte im Jahr, den Beginn des Winters. Zugleich gilt der Herbst als Jahreszeit der Geister. Umherspukende Wesen sollten besänftigt werden, indem man ihnen "Seelen-Kuchen?!" opferte. Der Halloween-Brauch, der in ähnlicher Form auch als tradierter heidnischer Brauch in deutschen Regionen gepflegt wurde, wurde vor allem von den Iren mit in die "Neue Welt" gebracht, als sie während der großen Hungersnöte zwischen 1830 und 1850 in großer Zahl in die USA einwanderten. In den 1960er Jahren wurde es erstmals große Mode, den Nachwuchs als Fernsehfigur zu verkleiden. In den 70er Jahren tauchten dann Halloween-Dekorationen in den Geschäften auf. Leute, die Spaß an Halloween hatten, schmückten nun ihre Häuser innen und außen mit Kürbis-Laternen, Monster-Fratzen und künstlichen Spinnengeweben. Der Brauch wurde kommerzialisiert und erreichte in den letzten Jahren die "alte Welt", aus der er einst kam. Mit anderen Worten: es hat sich durchgesetzt, woran man Geld verdienen kann. Was bleibt ist Grusel statt Gott und Horror gegen christlichen Ethos. Sicht- barere Zeichen des Werteverlustes in der Erziehung unserer Nachkommen gibt es nicht. BK/KPG