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08.11.03 / Das Herz der Deutsch-Chilenen / Deutschsprachige Wochenzeitung Condor feiert in dem südamerikanischen Land Jubiläum

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. November 2003


Das Herz der Deutsch-Chilenen
Deutschsprachige Wochenzeitung Condor feiert in dem südamerikanischen Land Jubiläum

Die deutsch-chilenische Wochenzeitung Condor ist 65 Jahre alt geworden. Ein ehrwürdiges Alter, bedenkt man, wie schwierig und mühselig es war und ist, eine deutschsprachige Zeitung im Ausland zu machen und am Leben zu erhalten.

Die Geschichte des deutschsprachigen Zeitungswesens in Chile reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Einer seiner Pioniere war der Druckereibesitzer A. Trautmann, der am 17. November 1870 die erste Ausgabe der Deutschen Nachrichten, die lange Zeit keine ernste Konkurrenz zu befürchten hatten, Sie erschienen zwei- bis dreimal wöchentlich bis 1909 unter diesem Namen, danach noch etliche Jahre als Deutsche Zeitung für Chile. Das 1886 in Valdivia gegründete Wochenblatt Deutsche Zeitung für Südchile ging nach nur zwei Jahren ein. Ein längeres Leben war der im März 1888 erstmals herausgegebenen Valdivianer Deutschen Zeitung beschieden, die bis 1912 erschien. Ein erster Versuch, in der Landeshauptstadt Santiago eine deutsche Zeitung herauszubringen, scheiterte, denn Santiagos Deutsche Presse (1915) wurde nach nur vier Jahren von den Deutschen Nachrichten aufgekauft.

Insgesamt sind bis zum Zweiten Weltkrieg etwa 25 deutschsprachige Zeitungen in Chile erschienen. Sie spiegeln im wesentlichen die Geschichte der deutschsprachigen Gemeinschaft in Chile wider. In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist der Gemeinschaftsgedanke unter den Deutschen in Chile immer stärker geworden, aber auch die Spannungen innerhalb der Gemeinschaft nahmen zu. Die Entstehung des Condor ist ein Ergebnis dieser Entwicklung. Die Vorgeschichte begann damit, daß sich zwei Zeitungen unterschiedlichster Ausrichtung, die vom Deutsch-Chilenischen Bund seit 1918 herausgegebenen Deutschen Monatshefte und die Zeitschrift des Jugendbundes Unsere Welt vereinten. Daraus entstand am 21. April 1937 Der Chiledeutsche. Der Titel der in Valdivia erscheinenden neuen Zeitung war programmatisch: Er sollte die angestrebte Verbundenheit mit den deutschen Einwanderern zum Ausdruck bringen.

Der Chiledeutsche hatte ein kurzes Leben. Denn schon gut ein Jahr danach, nachdem weitere Blätter dem Projekt beigetreten waren (darunter die in Santiago von Oskar Fonck herausgegebene Halbmonatsschrift Die Warte), wurde der Condor aus der Taufe gehoben. Der Beschluß zu seiner Gründung wurde auf einer Tagung des neu formierten Vorstands des Deutsch-Chilenischen Bundes (DCB) gefaßt, an dessen Spitze nun Ferdinand P. Fonck stand. Politische Überlegungen dürften den Ausschlag gegeben haben. Mit der Neugründung und der Verlegung der Schriftleitung nach Santiago wollte der DCB den wachsenden Einfluß des nationalsozialistisch orientierten Jugendbundes eindämmen. Es war, wie ein Beobachter später feststellte, keine Abwendung, sondern eine vorsichtige Abgrenzung von den Zielen des Dritten Reiches. Dies sollte sich schon kurz danach als sehr nützlich erweisen: Als nämlich während des Krieges die anderen deutschsprachigen Zeitungen der Reihe nach ihr Erscheinen einstellen mußten, konnte der Condor weiter herausgebracht werden - als nunmehr einzige deutschsprachige Zeitung in Chile.

Dabei sollte es auch nach dem Krieg und bis heute bleiben. In seiner 65jährigen Geschichte hat der Condor Höhen und tiefen durchgemacht. Die Entwicklung der Zeitung zu dem, was sie heute ist, verlief nicht ohne Widersprüche und Rückschläge. Daß die Krisen überwunden werden konnten, ist nicht nur ein Verdienst der Redaktion, sondern auch des DCB-Vorstands, der Mittel und Wege gefunden hat, um die Finanzierung sicherzustellen und die Leserzahl zu erhöhen. So ist es nicht übertrieben, wenn die heutige Chefredakteurin Birgit Tuerksch in einem Beitrag für die Festausgabe zum 65jährigen Bestehen der Zeitung den Condor als das "Herz der deutsch-chilenischen Gemeinschaft" bezeichnet. Die Redaktion sei sich "der Wurzeln und der Tradition der Zeitung bewußt" und sei "stets darum bemüht, diese zu pflegen und zu bewahren. Tradition sei in diesem Sinne aber immer verstanden als ‚die Bewahrung des Feuers', wie es in einem Zitat von Gustav Mahler so schön heißt, und nicht als die ‚Anbetung der Asche'". Hf

Erfolgreich: Der Condor bewahrt auf lebendige Art die Traditionen der Deutsch-Chilenen. Foto: Condor

Geschichte des deutschen Zeitungswesens in Chile beginnt 1870