05.03.2024

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08.11.03 / Leserbriefe

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. November 2003


Leserbriefe

Russische Quelle lieferte Fehlinformationen
Betr.: "Elbing soll sein Zentrum zurückerhalten" (Folge 41)

Mit Interesse las ich Ihren Artikel, der sich auf eine russische Quelle bezieht. Er bringt inhaltlich nichts Neues, ist aber ungenau und fehlerhaft.

Die Pläne für den Wiederaufbau der Altstadt Elbing liegen bereits seit Jahrzehnten vor. Die ersten beiden wiedererrichteten Häuser stehen seit Ende der 50er Jahre. Ab den 70er Jahren ist immer wieder etwas gebaut worden, insgesamt nicht viel. Mit Blick auf das Stadtjubiläum 1987 wurde 1983/84 an die Fortsetzung des Wiederaufbaus gedacht und vor allem ab 1990 auch etwas gebaut. Inzwischen stehen mehrere Straßenzüge. Der Artikel erweckt den Eindruck, als wenn erst jetzt mit dem Wiederaufbau begonnen werden soll. In Wirklichkeit ist es so, daß der Wiederaufbau in den letzten Jahren verlangsamt wurde, weil er überwiegend durch Privatleute erfolgt.

Richtig ist, daß vor einigen Jahren die Grundmauern des 1777 abgebrannten Rathauses freigelegt wurden. Sie wurden dann versiegelt. Auf dem Grundstück darf nicht gebaut werden, weil die Stadt vorhat, das Rathaus möglichst wieder aufzubauen. Ein vor längerer Zeit veranstalteter Wettbewerb brachte keine Lösung. Ferner ist die Finan- zierung dieses recht aufwendigen Vorhabens nicht geklärt. Auch ist nicht sicher, ob der Wiederaufbau originalgetreu erfolgen wird, in Anlehnung an den abgebrannten Bau, oder völlig modern. Der jetzige Stadtpräsident ist sehr an einem Wiederaufbau interessiert.

Natürlich gibt es zeitgeschichtliche Ansichten dieses Bauwerkes und einzelner Teile und sogar eine Innenansicht. Rekonstruktionsversuche bei Modellbauten sind von deutscher Seite vor und nach 1945 immer wieder erfolgt. Durch die Freilegung der Grundmauern ist manches jetzt einfacher geworden. Es gibt allerdings keine genaue Gesamtansicht von der Rückseite, so daß sie weitgehend nachempfunden werden müßte.

Die von Ihnen erwähnte Ausstellung der verdienstvollen Frau Nawrolska wurde bereits vor einigen Monaten im Elbinger Stadtmuseum eröffnet. 

Hans-Jürgen Schuch, Münster

Unkoordiniert: Der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Elbing läuft sehr zögerlich. Der Wille ist zwar da, doch Geld und Sachverstand fehlen, um der Innenstadt wieder das historische Gesicht zurückzugeben.

 

 

Berliner Narrenhäusel im Rausch
Betr.: "Fünf vor zwölf" (Folge 40)

Der Hofstaat im Berliner Narrenhäusel leidet zunehmend an einem Aktivitätsrausch, denn wir hatten die Woche der erhöhten Effektivität und die Devise lautet: Ballast abdrücken und loswerden. Stolpe-Manni, besser bekannt als IM Maut, ging mit gutem Beispiel voran und hat einen fahren lassen, der allerdings nicht wiedergekommen ist. Von solchen Erfolgen waren die anderen "Fachmenschen" meilenweit entfernt. Unter Aufbietung aller Kräfte versuchten sie, diese schreck-lichen Rentner, Arbeitslosen, Sozialhilfeempfänger usw. kaltzustellen. Der Eichel-Hansi hatte da ganz andere Probleme, denn er braucht immer möglichst viele Leute, denen er immer möglichst viel wegnehmen kann. Am verlängerten Kanzlertisch blies man nun zum allherbstlichen Halali, um den Platzkeiler zu ermitteln. Das ist jene Flasche, die den anderen fröhlich einschenken darf.

Zum Glück für manchen Volksgenossen waren damit die Reformen natürlich noch lange nicht reformiert. Sie mußten erst noch zügig weggeschrödert, umgestoibert, abgekocht und ausgemerkelt werden. Die Lobbyisten nahmen ihrerseits Partei, und schon gab's die allerschönste Keilerei. Doch bald herrschte wieder Einigkeit im Saal, und nun freuen sich alle schon aufs nächste Mal. Wenn die x-te Kommission einen steigen läßt, Bürger, gibt's noch mal so'n schönes Fest.

Zwei der allergrößten Koryphäen läßt das ganze Tamtam wie immer völlig kalt. Der eine hockt zerknittert im Arsch von Bush, der andere verteidigt uns am Hindukusch. Dem Struck war es kürzlich sogar fast gelungen, die Bundeswehr abzu-drücken, aber die Polen haben nur hochwertige Ware (MiG-21-Jagdbomber) genommen. Alle Teufel noch mal, da soll einer sagen, die Bundesrepublik sei langwei- lig. 

Rolf Stenzel, Dresden

 

 

Nur den Deutschen bekannt
Betr.: Wilhelm Gustloff

In der Zwischenzeit habe ich "Im Krebsgang" von Günter Grass gelesen, allerdings in englischer Übersetzung, da es hier in Florida nur die gibt. Vor mehreren Jahren traf ich bei einem Ausflug nach Copper Harbor in Michigan eine Frau aus Tawe/ Elchniederung. Sie war eine Überlebende der Wilhelm Gustloff. Sie hatte das Glück gehabt, mit ihrer damals zweijährigen Tochter und ihrem sechs Wochen alten Sohn in einer Offizierskajüte am oberen Deck untergebracht zu werden, während ihre Mutter und drei Schwestern im unteren Deck einen Platz fanden. Wie durch ein Wunder wurde sie mit ihren Kindern gerettet, doch der Rest ihrer Familie versank in den Fluten.

Diese Tragödie kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich hier das ganze Palaver über die Titanic höre, die als größte Schiffskatastrophe vermarktet wird. In den USA hat niemand je vom Untergang der Gustloff gehört. 

Frieda Lukner, Orlando, Florida, USA

 

 

Hitlers ideologische Besessenheit
Betr.: "Ruki werch - Hände hoch" (Folge 35)

Weitgehend bin ich mit den Ausführungen von Herrn v. Leesen einverstanden, nur fehlt mir die verhängnisvolle Rolle Hitlers, der in seiner Arroganz und ideologischen Besessenheit die für Deutschland günstige Lage nicht ausgenutzt hat. Auch wenn es Schnee von gestern ist, der Feldzug im Osten hätte einen ganz anderen Verlauf nehmen können, wenn Ukrainern und anderen gleich eine weitgehende Selbständigkeit zuerkannt worden wäre. Sie hätten dann mit uns statt gegen uns gekämpft.

Auch wenn Stalins Terror eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben wird, der Große Vaterländische Krieg konnte von ihm entfacht werden, weil Hitler ihm dazu die Voraussetzungen lieferte. Lügen allein können es nicht gewesen sein. Auch das schlimme Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden.

Manfred Altenbach, Templin

 

 

Gedankenaustausch
Betr.: Leserzirkel

Wer Interesse an einem monatlichen Treffen von interessierten PAZ-Lesern zum gemeinsamen Austausch über die Beiträge der Zeitung in und um Neubrandenburg hat, melde sich bitte bei André Lange, Fasanenweg 21c, 17034 Neubrandenburg, Telefon 01 78-2 17 62 82.

Andre Lange, Neubrandenburg

 

 

Schmerzliche Verallgemeinerung
Betr.: "Schicksale verleugnet" (Folge 42)

Vor Tagen erhielt ich vom Preußischen Mediendienst das Buch der Anonyma, "Eine Frau in Berlin", dessen Schilderungen mich schon gleich zu Beginn des Lesens so erfaßten, daß ich sie in einem Zug zu Ende las. Ich empfinde große Achtung vor der Autorin, daß sie dies ohne Haßgefühle schreiben konnte. Jetzt drängt es mich, zu einzelnen Passagen des Buches etwas zu sagen.

Nun frage ich mich, warum in dem Buch all die erschütternden und erbarmungswürdigen Leiden der unschuldigen Menschen, vor allem der Mädchen und Frauen, im untergehenden Berlin nicht einfach so dargestellt werden, wie sie waren - ohne Selbstbezichtigung! Zum Beispiel schreibt C. W. Ceram in seinem Nachwort, die Autorin habe ihm 1947 einmal gesagt, "Keins der Opfer kann das Erlittene gleich einer Dornenkrone tragen. Ich wenigstens hatte das Gefühl, daß mir da etwas geschah, was eine Rechnung ausglich." Man stelle sich vor, "keins der Opfer ..." Ich finde, ein solch schwerwiegendes Wort konnte die Autorin (wenn sie sich dazu veranlaßt fühlte) allenfalls für sich aussprechen, niemals aber verallgemeinernd für ihre Landsleute! Und ebenso das Zitat der sudetendeutschen Flüchtlingsfrau auf Seite 275: "Wir dürfen nicht klagen. Wir haben's ja selbst so gewollt."

Solche Aussagen finde ich angesichts des unfaßbaren Leides wirklich unschuldiger Menschen schmerzlich. Sicher finden sie Beifall, und mancher wird auch meinen, das seien Nebensächlichkeiten angesichts eines so großartig verfaßten Zeitdokumentes. Dagegen wäre einzuwenden, daß andererseits schon wegen eines ein- zigen nichtkorrekten Satzes ganze Buchauflagen eingestampft werden mußten. So einfach, wie dies heute oft im Medien- und Lehrbetrieb dargestellt wird, lassen sich Recht und Unrecht dieser Welt nicht definieren. Der höchste aller Richter wird bei Zeit und Stunde allen Tätern und auch allen Opfern - auch den deutschen - Gerechtigkeit widerfahren lassen. Darauf hoffe ich. 

Wilfried Sprenger, Neuenbürg

 

 

Nicht würdig?
Betr.: "Skandal um Schutztruppen-Denkmal" (Folge 38)

Über deutsche Kolonien und die dortigen deutschen Leistungen ist recht wenig bekannt.

Die Tatsache: Lettow-Vorbeck, ein treuer Verteidiger im Ersten Weltkrieg, hielt die Kolonie Deutsch-Ostafrika mit zähem Ringen bis Kriegsschluß gegen eine feindliche Übermacht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden den Deutschen ihre Kolonien entrissen. Die fetten Happen teilten sich Engländer, Amerikaner und Franzosen. Wie immer, wenn es um Deutschland geht, äußerten die Alliierten sich insoweit, daß Deutschland nicht würdig sei, Kolonien zu besitzen.

Fest steht jedoch, daß Deutschland mehr in die Kolonien reinsteckte, als es rausholte, 1912 waren es beispielsweise 31,5 Millionen, die aus den Kolonien kamen, während 50 Millionen in die Kolonien flossen. 

Franz-Albert Weszkalnys, Bad Säckingen

 

 

Endlich wieder Glockenklang in Arnau
Betr.: "Abenteuer mit dem russischen Zoll" (Folge 42)

In Ihrer Zeitung wurde über die Schwierigkeiten, "unsere" Glocke aus dem russischen Zoll frei zu bekommen, ausführlich berichtet. Nun können wir glücklich vermelden, daß diese Schwierigkeiten überwunden werden konnten.

Noch einmal machten sich drei Mitglieder des Kuratoriums Arnau nach Königsberg auf den Weg. Diese drei Männer waren auch Teilnehmer der ersten, ergebnislosen Reise. Diese nochmalige Fahrt war notwendig geworden, da die dort tätigen Russen unserer Baufirma mit der Glockenmontage nicht allein fertig wurden. Dazu muß man wissen, daß russische Glocken starr aufgehängt und angeschlagen werden, während unsere Glocken frei schwingen im sogenannten Glocken- stuhl. Ein Wort übrigens, das man in der russischen Sprache nicht kennt. Man hat es jetzt der Einfachheit halber als russische Vokabel in die Sprache übernommen. Und es ist ja nicht das erste deutsche Wort, das man im Russischen findet.

Unter Anleitung und mit mitgebrachten Hebewerkzeugen gelang es gemeinsam mit dem russischen Vorarbeiter Leonid, die Glocke zu montieren, und selbstverständlich erklangen dann probeweise die ersten Glockentöne seit mehr als 50 Jahren vom Turm der Katharinenkirche in Arnau. Ein wirklich bewegender Augenblick, in dem man dann auch nicht mehr an all den vorherigen Ärger dachte!

Wir freuen uns sehr - und wir denken auch an den Gottesdienst in Leipzig anläßlich des Ostpreußen-Treffens im Jahr 2002, dessen Kollekte das Startkapital "unserer" Glocke war. 

Ulla Schroeder, Großhansdorf

Mission mit Hindernissen: Endlich ist sie an ihrem angestammten Platz. Bezüglich der neuen Glocke in Arnau hatten die Kuratoriumsmitglieder so manchen Ärger. Weder der russische Zoll noch die Handwerker wußten so recht, was sie mit dem ungewöhnlichen Geschenk aus Deutschland anfangen sollten.