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08.11.03 / Seit 50 Jahren im Zeichen von Freundschaft und Verständigung

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. November 2003


Fünf Jubiläen in einem
Seit 50 Jahren im Zeichen von Freundschaft und Verständigung

Fast genau 50 Jahre ist es jetzt her, daß Stadt und Kreis Rendsburg im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Stadttheater die Patenschaft für Stadt und Kreis Gerdauen übernahmen. So ist es verständlich, daß in diesem Jubiläumsjahr der Festakt des Heimatkreistreffens im Bürgersaal des Rendsburger Kulturzentrums ein ganz besonderer war und im Zeichen dieses Jubiläums stand. Entsprechend groß war das Interesse.

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Ostpreußenchor aus Hamburg, der zu dem ebenfalls eingeladenen Gerdauener Jugendchor "DOM" einen reizvollen Kontrast darstellte. Er leitete die Veranstaltung mit einer Reihe von Liedern ein und gab der Veranstaltung mit Stimme und Erscheinungsbild einen würdigen Rahmen.

In seiner Begrüßungsansprache wies Gerdauens ebenso junger wie hoch aufgeschossener Kreisvertreter Dirk Bannick gut gelaunt darauf hin, daß nicht nur die Patenschaft Jubiläum habe. So seien der Heimatbrief 15, die Heimatstube 35, die Heimatkreisgemeinschaft 55 und die Stadtrechte von Gerdauen 605 Jahre alt. Nach diesem originellen Hinweis leitete er zu den schleswig-holsteinischen Ehrengästen über, die für Bundesland, Kreis und Stadt Grüße übermittelten.

Das Land war durch den Kunsthi-storiker Dr. Andreas v. Randow vertreten. Letzterer beschränkte sich in seinem Grußwort weitgehend auf den Hinweis, daß die Patenschaften das Fundament der kreisgemeinschaftlichen Arbeit darstellten und Gerdauen in diesem Punkte großes Glück habe. Über die Kreisgemeinschaft selber verlor er kein Wort. Überhaupt schien Ostpreußen nicht seine Welt zu sein. So erhob er sich zwar schließlich, als das Ostpreußenlied erklang, hielt aber während des Gesangs die Arme verschränkt vor dem Bauch.

Von etwas anderem Zuschnitt war da der Kreispräsident Lutz Clefsen, der sich in seinem Grußwort für den Patenschaftsträger Kreis Rendsburg-Eckernförde als Dreiviertel-Ostpreuße "outete". Er wies zwar darauf hin, daß er in Schleswig- Holstein zur Welt gekommen und Schleswig-Holstein seine Heimat sei, doch meinte er schließlich, daß auch Ostpreußen seine Heimat sei. Seine Würdigung von Heimatliebe, Heimat und Werten kann durchaus als wertekonservativ eingestuft werden. Doch spiegelten sich auch in seinen Worten aktuelle Trends bundesdeutscher Vertriebenenpolitik. So betonte er, daß sich die Aufgaben der Patenschaft inzwischen geändert hätten und der Schwerpunkt eher in gemeinsamen Hilfstransporten in die Region läge. Dazu paßt es, daß Clefsen differenzierte zwischen den jetzt dort Wohnenden, deren Heimat Gerdauen sei, und den Anwesenden im Saal, deren Heimat Gerdauen gewesen sei.

Bürgermeister Andreas Breitner, der erst ein halbes Jahr im Amt ist, sprach sich dafür aus, die Erinnerung an das Leid, das ein persönliches sei, wachzuhalten, und erklärte, die Arbeit der Kreisgemeinschaft weiterhin zu unterstützen.

Im Gegensatz zu Bürgermeister Breitner kann der Festredner, Landrat a. D. Geerd Bellmann, auf eine langjährige Erfahrung zurückgreifen, und so lautete denn auch der Titel seiner Rede "Ein Blick zurück auf 50 Jahre Patenschaft Kreis Rendsburg-Eckernförde / Kreis Gerdauen". Er bot einen Rückblick auf das halbe Jahrhundert, der nicht frei von Humor war. Das zeigte sich bereits in den einleitenden Worten, in denen es hieß: "Ich muß allerdings darauf hinweisen, daß vorangegangene Jubiläumsveranstaltungen besser ausgestattet waren, was die Festredner anging. Zum zehnjährigen Bestehen war die Sozialministerin ... aus Kiel zu Gast bei diesem ersten kleinen Jubiläum. Beim 25jährigen Jubiläum, im Jahre 1978, war der Kieler Kultusminister ... im Conventgarten. Zum 30. Geburtstag war sogar der damalige Bundesvertriebenenminister Windelen zu Gast. Und heute nun ist ein ,ausgedienter' Landrat an der Reihe."

Standen vor der Festansprache die Patenschaftsträger im Vordergrund, so waren es anschließend die jungen musikalischen Gäste aus der Heimat. Begleitet an der Gitarre gaben sie eine Probe ihres Könnens. Es folgte die Überreichung von Geschenken und Ehrenzeichen. Kreispräsident Clefsen und Bürgermeister Breitner erhielten stellvertretend für die von ihnen vertretenen Patenschaftsträger vom Kreisvertreter die Ehrennadel der Kreisgemeinschaft verliehen. Der Ostpreußenchor erhielt zur Erinnerung einen Wappenteller. Die zehn jungen Gäste aus Gerdauen hatten als Geschenk ein Album mit Bilder von der Heimat mitgebracht und erhielten ein Liederbuch sowie mit Marzipan eine Köstlichkeit, die Lübeck auf der einen Seite und Königsberg auf der anderen gemein haben. V. Vae

Unterschiedliche Meinungen - gemeinsame Ziele: Andreas Breitner, Dirk Bannick und Lutz Clefsen (v. l.). Foto: V.V.