17.01.2022

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20.12.03 / 27.12.03 / Wie ein weißer Fleck auf der Karte / Rupert Neudeck berichtet über seinen Einsatz im afghanischen Hinterland

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 20. u. 27. Dezember 2003


Wie ein weißer Fleck auf der Karte
Rupert Neudeck berichtet über seinen Einsatz im afghanischen Hinterland

Kabul, Kandahar, Kunduz, diese Städtenamen kennen die meisten Deutschen mittlerweile aus den Nachrichten. Isaf-Truppen, Taliban, Opium, das ist nahezu alles, was der Westeuropäer gemeinhin mit Afghanistan verbindet. Das Land am Hindukusch ist trotz des jahrzehntelang währenden Krieges, trotz der Besatzung durch die Sowjets, der Schreckensherrschaft durch die Taliban ein "weißer Fleck auf der Landkarte" geblieben.

Kaum einer weiß um das Leben dort, das die Menschen nach der Befreiung von den Taliban fristen müssen. Der Blick des Westens konzentriert sich, wenn überhaupt, auf die Hauptstadt Kabul. Wie sieht es in den anderen Landesteilen aus? Unter welchen Umständen können die Menschen einen Neuanfang wagen? Wie gelangen die Hilfsgüter in die abseits gelegenen Dörfer? Paschtunen, Tadschiken, Usbeken, Turkmenen, Hazaras - kommen sie miteinander aus? Flammen gar alte Rivalitäten wieder auf?

Einer, der das Land schon seit 1987 - also zu Zeiten der Mudschaheddin, der Freiheitskämpfer gegen die sowjetische Besatzung - bereist hat, ist der in Danzig geborene Rupert Neudeck. 1979 gründete er unter dem Eindruck der aus Vietnam fliehenden Boatpeople das Komitee "Cap Anamur Deutsche Notärzte e.V.", das seitdem als Feuerwehr in allen Krisengebieten der Erde eingesetzt wird, auch in Afghanistan. Erst im April 2003 rief Neudeck dann auch eine neue Hilfsorganisation ins Leben, die "Grünhelme e.V.", die dabei ist, in Afghanistan eine Schule zu errichten. In seinem bei C. H. Beck erschienenen Buch "Jenseits von Kabul" berichtet der umtriebige Helfer nun über seinen Einsatz in Afghanistan, über die Schwierigkeiten in einem von Kriegen zerrissenen Land, wo man nur im Schutz der Isaf-Truppen sicher zu sein scheint. Neudeck kritisiert, daß der Westen kaum einen Blick in andere Regionen riskiert. Wichtig sei es zunächst, eine stabile Infrastruktur zu errichten, Straßen zu bauen, Minen zu räumen, um die Menschen jenseits von Kabul am Aufbau zu beteiligen, die nämlich stehen "mit geballten Fäusten in der Tasche und wollen etwas tun. Keiner hilft ihnen. Wir werden ihnen helfen ..." Und wie diese Hilfe allen Schwierigkeiten zum Trotz dennoch bis zu dem einzelnen Menschen kommt, das beschreibt Neudeck

in diesem Buch. Leider vermißt man die Beschreibung einzelner Schicksale, auch ist die vorn im Buch abgebildete Karte nicht wirklich aufschlußreich. Dennoch sollten vor allem Politiker und andere Entscheidungsträger Neudecks Erfahrungen lesen. Sie sind es schließlich, die auch jenseits von Kabul etwas erreichen könnten. man

Rupert Neudeck: "Jenseits von Kabul. Unterwegs in Afghanistan", C. H. Beck Verlag, München 2003, 25 sw Abb., 1 Karte, geb., 217 Seiten, 19,90 Euro