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03.01.04 / "Ein Mindestmaß an Selbstachtung" / Im niedersächsischen Wolfenbüttel wurde ein von Wandalen zerstörtes Mahnmal wieder aufgestellt

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Januar 2004

"Ein Mindestmaß an Selbstachtung"
Im niedersächsischen Wolfenbüttel wurde ein von Wandalen zerstörtes Mahnmal wieder aufgestellt

Wiedereinweihung des Vertriebenen-Mahnmals am Rosenwall in Wolfenbüttel. Der Einladung des Kreisvorstandes des Bundes der Vertriebenen Wolfenbüttel waren rund 100 BdV-Mitglieder und Heimatfreunde gefolgt, teils in Trachten ihrer früheren Heimat.

Dazu gehörten auch BdV-Abordnungen aus Braunschweig, Salzgitter und Wolfenbüttel mit ihren traditionellen Fahnen der Heimatländer. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Buchenland-Chor unter Leitung seines Dirigenten Rudolf Stefany. Das Mahnmal, eine 1950 errichtete Eichenstele, wurde in der Nacht zum 8. Oktober 1997 von bisher Unbekannten geschändet, das heißt abgesägt, abgebrochen und weggeschafft. Wes Geistes die Täter waren, erhellt sich aus dem hintelassenen Bekenntnis: "Deutschland verrecke!" Nach einem Provisorium wurde es nun mit Spendengeldern und Unterstützung der Stadt Wolfenbüttel restauriert.

Zwischen fünf Bildreliefs trägt die rund vier Meter hohe Stele die Inschrift: "1945 - Sie können uns das Herz aus dem Leibe reißen, aber nicht die Heimat aus dem Herzen." Pastor Volker Hanke, er stammt aus Pommern, sagte, das Mahnmal erinnere an Millionen Deutsche, die aus ihrer angestammten Heimat vertrieben oder verschleppt wurden, die auf der Flucht um- gekommen sind oder die vergewaltigt wurden.

Es erinnere an die Jahrhunderte alte deutsche Geschichte in den Flucht- und Vertreibungs- sowie den östlichen Siedlungsgebieten. Das Gedenken gelte genauso der Völker, die unter den deutschen Greueltaten während der zwölfjährigen NS-Herrschaft gelitten haben.

"Leid ist nicht teilbar. Die Opfer dürfen nicht unterschiedlich qualifiziert werden." Die NS-Herrschaft stehe "quer" zur humani-stischen und christlichen Ge- schichte Deutschlands. Gleichwohl brauche die deutsche Nation ein Mindestmaß an Selbstachtung. Dazu gehöre die Erinnerung an die eigenen Toten und die Vertreibungsopfer - wie es in jeder anderen Nation selbstverständlich sei.

Solche "Erinnerungsarbeit" sei die Grundlage für ein gemeinsames Europa. Bürgermeister Axel Gummert teilte diese Bewertung des Mahnmals. "Wir brauchen solche Symbole, die uns an unsere Geschichte erinnern". Darauf baue das Engagement für Frieden in der Welt auf. Er verwies auch auf die Städtepartnerschaft Wolfenbüttel mit Landshut/Schlesien (Kamienna Gòra). Zum Ausklang der Veranstaltung reichten die Frauen der Landsmannschaften Ost- und Westpreußen, Danziger und Pommern den Teilnehmern wärmende Getränke wie Kaffee und Tee mit Keksen, was von allen sehr begrüßt wurde. WG/BS

Die Menschen brauchen Erinnerungssymbole: Rund 100 Teilnehmer waren bei der Wiedereinweihung des Mahnmals zugegen. Foto: Braunschweiger Zeitung/Thomas Stechert