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10.01.04 / Unvergeßliches Ereignis in der Geistesgeschichte / Neue Biographien schildern das Leben und das Werk des Königsberger Philosophen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. Januar 2004

Unvergeßliches Ereignis in der Geistesgeschichte
Neue Biographien schildern das Leben und das Werk des Königsberger Philosophen Immanuel Kant

Es ist gut" sind seine letzten Worte gewesen, und man weiß bis heute nicht, was der große Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) damit meinte. War es die gelungene Mischung von Wasser und Wein, die ihm auf dem Krankenlager gereicht wurde? Hatte er genug davon? Oder meinte er gar, es sei genug des Lebens? "So vieldeutig seine letzten Worte waren, so komplex und vielschichtig war sein Leben und Werk", schreibt der Sprach- und Literaturwissenschaftler Manfred Geier im Vorwort zu seiner gerade rechtzeitig zum Kant-Jahr erschienenen Biographie über den Sohn Königsbergs: Kants Welt (Rowohlt Verlag, Reinbek, 350 Seiten, sw Abb., geb. mit farbigem Schutzumschlag und Lesebändchen, 24,90 Euro). "Für uns ist Kants Welt ein Reich der Zeichen", so Geier. "Auch Kant selbst ist zum Geschichtszeichen geworden. Wer sich für sein Lebenswerk interessiert, kann es nicht als bloße Tatsache betrachten." Kant sei mehr als das in Königsberg geborene und gestorbene Individuum, mehr als der schreibende Philosoph. "Kant ist ein Zeichen, das innerhalb der europäischen Geistesgeschichte ein unvergeßliches Ereignis darstellt." Und so zeigt Geier in seinem durchaus auch für Laien lesbaren Buch die Bedeutung auf, die Kants Denken noch heute hat. "Kants Welt ist unsere Welt, wie sie sein sollte. Sie ist für uns aktuell, weil sie fast alle großen geistigen und politischen Herausforderungen, denen wir uns heute konfrontiert sehen, klar und deutlich herausgearbeitet und möglichen Lösungen zugeführt hat..." Ein Buch, das dem Leser von heute hilft, ein wenig in die Gedankenwelt des Philosophen einzudringen und nicht zuletzt auch dem geistigen Leben im Königsberg des 18. Jahrhunderts zu begegnen.

Kants Leben und die Entwicklung seiner Philosophie zeigt der Marburger Philosophieprofessor Manfred Kühn in seinem neuen Buch über den Königsberger auf: Kant - Eine Biographie (C. H. Beck, München. Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer. 639 Seiten mit 28 Abb., Leinen mit farbigem Schutzumschlag und Lesebändchen, 29,90 Euro). Die bereits 2001 in englischer Sprache erschienene Biographie zählt zu den ersten umfassenden Lebensbeschreibungen des Königsbergers seit über zwei Jahrzehnten. Kühn zeichnet hierin ein Bild Kants, das so gar nicht mehr der Karikatur eines verschrobenen Wissenschaftlers und Eigenbrötlers entspricht, die späterhin von Kant verbreitet wurde. Auch hilft er, nicht nur den Menschen Kant zu verstehen, sondern auch die Zeit, in der er lebte, und die Menschen, die seinen Lebensweg kreuzten. Kühn schrieb eine "intellektuelle Biographie Kants, welche zeigt, wie Kants intellektuelle Interessen in seiner Zeit verwurzelt waren". Anders als frühere Biographen beschäftigt sich Kühn vor allem auch mit dem jüngeren Kant, "der das Projekt einer ,Kritik der reinen Vernunft' entwarf".

Wer sich mit dieser zu den bedeutendsten Werken der modernen Philosophie zählenden Schrift eingehender befassen will, hat mit dem ebenfalls bei C. H. Beck herausgekommenen Buch von Otfried Höffe von der Universität Tübingen eine Chance zum Einstieg: Kants Kritik der reinen Vernunft - Die Grundlegung der modernen Philosophie (378 Seiten, Leinen mit farbigem Schutzumschlag, 24,90 Euro). Kein Buch für Anfänger, aber ein wichtiger Wegweiser zu einem Schlüsseltext der modernen Philosophie. Silke Osman