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14.02.04 / Anzeichen für Entspannung / Chirac strebt Einigung mit Algier bezüglich algerischer Einwanderer an

© Preußische Allgemeine Zeitung / 14. Februar 2004

Anzeichen für Entspannung
Chirac strebt Einigung mit Algier bezüglich algerischer Einwanderer an

Mehr als 40 Jahre nach Algeriens Erlangung der Unabhängigkeit am 1. Juli 1962 sind die Streitigkeiten zwischen der ehemaligen Kolonie und dem einstigen Mutterland noch nicht bereinigt. Frankreichs Staatschef Jacques Chirac, der schon am Anfang seiner Laufbahn als hoher Beamter eine gewisse Sympathie für die Sache des "französischen Algerien" hegte, will nun alles unternehmen, damit sich das Verhältnis zwischen den einstigen Kriegsgegnern von 1954 bis 1962 endlich entspannt.

Der Hauptstreitpunkt zwischen Algier und Paris ist gegenwärtig die Frage um das Schicksal der "Harkis". Diese Gruppe gebürtiger Algerier hatte im Krieg auf der Seite Frankreichs gekämpft, und Algerien streitet ihnen bis heute das Recht, in ihr Heimatland zurückzukehren, ab. Von den Behörden Algeriens werden die "Harkis" noch heute als "Verräter" und "Kollaborateure" gebrandmarkt, was verständlicherweise die Stimmung zwischen Paris und Algier nicht entspannt. Im Jahre 1962 wurden schätzungsweise 200.000 "Harkis" und ihre Familiengehörigen von den algerischen Aufständischen der FLN ("Front libération nationale") getötet. Bei den französischen Behörden schätzt man die Zahl der Mitglieder der "Harki-Gemeinschaft", denen die Flucht nach Frankreich gelang, auf 66.000.

Wie schon in dieser Zeitung berichtet, unternahm Jacques Chirac im letzten Jahr eine Reise nach Algerien und führte direkte Gespräche mit dem algerischen Staatspräsidenten, um die die "Harkis" betreffenden Verhandlungen zwischen beiden Staaten zügig voranzubringen. Da Algerien aus unterschiedlichen Gründen die Auswanderung nach Frankreich fördert und hier auf Entgegenkommen von französischer Seite hofft, wird es vermutlich in der Frage der "Harkis" nachgeben.

Trotz der Kohabitation mit den Sozialisten, die bekannterweise dem französischen Kolonialismus ablehnend gegenüberstehen, konnte Chirac 2001 durchsetzen, daß der 25. September ein Gedenktag für die "Harkis" wurde. 2002 setzte der konservative Regierungschef Jean-Pierre Raffarin sogar einen Hohen Rat für die Aussiedler ein, in dem die "Harkis" und ihre Nachfahren besonders gut vertreten sind. Zudem soll das Nationalparlament darüber beraten, wie die in Rück-stand stehenden Integrationsmaßnahmen endlich umgesetzt werden können. Nach Meinung der französischen Regierung geht es nämlich um die völlige Integration der "Harki-Gemeinschaft" in die nationale Gemeinschaft.

Schätzungsweise zählte die "Harki-Gemeinschaft" 800.000 Personen, wobei Familien mit acht Kindern nicht selten sind. Sie leben im Süden und Norden Frankreichs und sind auch im Elsaß und in der Pariser Gegend vertreten. Bei der Wahl stimmen die meisten "Harkis" für Chirac, was jedoch mehr aufgrund ihrer Zuneigung zur Trikolore als aus gaullistischer Gesinnung geschieht. Ihre Nachfahren fangen jetzt an, sich politisch zu artikulieren, doch die Vielzahl der Vereinigungen in dieser Gemeinschaft stellt zur Zeit keine politische Kraft dar. Ihre Tätigkeit begrenzt sich auf die Bewahrung der Erinnerung an ihre Eigentümlichkeit. Pierre Campguilhem / E. D.

Nordafrikanische Gastarbeiter: Schwarzarbeit verringert das Bruttosozialprodukt und somit die darauf basierenden Zahlungen an die EU. Foto: Caro