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14.02.04 / Die ostpreußische Familie

© Preußische Allgemeine Zeitung / 14. Februar 2004

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

das Kulturschaffen unserer Heimat zu bewahren und fortzuführen ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Und so ist dies auch ein guter Platz, um über den Plan eines ostpreußischen Künstlers zu sprechen, der seinen künstlerischen Nachlaß in eine Stiftung einbringen will, die der Erforschung der Augenkrankheit Makula dienen soll. An dieser ist nämlich der Maler und Graphiker Gerhard Wydra erkankt - für den bildenden Künstler, der in den letzten Kämpfen im Heilsberger Kessel einen Arm verlor, eine weitere Behinderung von besonderer Härte, weil er die für ihn so wichtigen Farbabläufe nicht mehr sehen kann. Ich bin dem in Masuren geborenen Künstler öfters begegnet und habe seine Arbeiten bewundern können, vielen Leserinnen und Lesern werden sie durch die Wiedergabe in unserer Zeitung bekannt sein, auch von verschiedenen Ausstellungen und anderen Präsentationen. Über sein Leben und Lebenswerk wird Silke Osman zum 80. Geburtstag des vielseitigen Masuren berichten, hier soll nur auf das Vermächtnis hingewiesen sein, das Gerhard Wydra und seine Frau Christel jetzt festgelegt haben. Der freischaffende Künstler hat etwa 1.000 Aquarelle und ebenso viele graphische Werke geschaffen, die zum großen Teil dokumentarischen Charakter haben. Deshalb bezeichnet er sich selber als "Berichterstatter mit dem Pinsel", wobei besondere Schwerpunkte auf Ostpreußen und Schlesien liegen. Seinen künstlerischen Nachlaß möchte das Ehepaar nun in die "Wydra-Stiftung" einbringen, die nicht nur der Makula-Forschung dienen, sondern auch Sehbehinderten in den armen Ländern der Welt helfen soll. Für die noch zu gründende Stiftung, der auch Pflege, öffentliche Präsentation und Verkauf der Werke obliegen sollen, werden Sponsoren benötigt. Diese, so hofft das Ehepaar, könnten sich auch unter Landsleuten finden, die ich hiermit anspreche. Außerdem möchte Gerhard Wydra einen Förderverein bildender Künstler gründen mit einem ähnlichen Zweck: Die Werke sollen der Christoffel-Blindenmission zur Verfügung gestellt werden, der bei Verkauf der Reinerlös überlassen wird. Wer sich für diese von großem Idealismus getragenen Projekte interessiert, wende sich bitte an Gerhard Wydra, Raiffeisenstraße 12 in 57577 Hamm, Telefon 0 26 82 / 96 90 17, Fax 0 26 82 / 96 78 50.

Der Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Lyck, Gerd Bandilla, hat sich mit dem Hinweis an mich gewandt, daß es auch im südlichen Ostpreußen "Wolfskinder" gibt. Er schreibt: "In der Goldaper Straße in Treuburg befand sich ein Waisenhaus, in dem Kinder aus ganz Ostpreußen untergebracht waren. Im Herbst 1944 wurden einige zunächst nach Rastenburg evakuiert. Ende September ging es dann über Allenstein und Breslau nach Kukus, etwa 20 Kilometer südlich von Trautenau im Sudetenland. Nach dem Einmarsch der Russen fuhren die Kinder am 6. Juni 1945 mit ihren Erzieherinnen nach Treu-

burg zurück. In das Waisenhaus konnten die Kinder nicht hinein, weil es mit russischen Soldaten belegt war. Daraufhin wurden sie an deutsche Frauen, aber auch an polnische Bauern verteilt. Sie erhielten polnische Namen wie Dieter Gutt, der heute Tadeusz Grabowski heißt und in Suwalki lebt. Auch Helmut Steinke mußte seinen Namen ändern: Er heißt nun Stanislaw Stankewicz und wohnt ul. Igo Maja 3/3, Pl. 19-400 Olecko. Noch immer sucht Helmut Steinke seine Geschwister Erika, * 12. Mai 1929, Friedrich Wilhelm, * 10. Juli 1931 und Karl Otto Steinke, * 25. April 1933. Zuschriften bitte an Herrn Gerd Bandilla, Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Lyck, Agnes-Miegel-Straße 6 in 50174 Erftstadt, Telefon 0 22 35 / 7 73 94, Fax 0 22 35 / 68 77 38.

Auch Ernst Knoop sucht noch heute seine Geschwister, allerdings wurden sie nicht als Kinder getrennt. Seine Schwester Hedwig, * 13. September 1926 in Almenhausen, Kreis Pr. Eylau, war bis zum Frühjahr 1945 als Hausangestellte bei der Familie Salewski in Königsberg beschäftigt, die den "Segelclub Baltic", Contiener Beek, bei der Schichau-Werft, bewirtschaftete. Herrn Knoop wurde später erzählt, daß seine Schwester, als die Front immer näher kam, mit Matrosen mitgefahren sein soll - wohin? Von da an fehlt jedes Lebenszeichen. Es ist wahrscheinlich, daß sie mit einem Schiff über See geflohen ist, wenn sie nicht den Russen in die Hände gefallen ist. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die damals 18jährige dunkelhaarige Hedwig Knoop? Auch das Schicksal seines Bruders Horst Knoop liegt im dunkeln. Der letzte Feldpostbrief des 1928 in Almenhausen geborenen Wehrmachtsangehörigen kam aus Kolberg, Pommern. Über jeden Hinweis würde sich der Suchende sehr freuen. (Ernst Knoop, Flütjenburgstraße 17 in 31311 Uetze, Telefon 0 51 73 / 70 07.)

Aus jenen letzten Kriegstagen stammt auch die letzte Nachricht, die Hans-Joachim Preuß über seinen Vater erhielt: Der Verwundete lag damals im Lazarett im westpreußischen Konitz. Herr Preuß würde nun gerne wissen, wann Konitz von den Russen eingenommen wurde und was mit den Verwundeten geschah. "Vielleicht gibt es unter Ihren Lesern jemanden, der auch dort war oder etwas von seinen Eltern über das Lazarett weiß", schreibt Herr Preuß und fügt hinzu: "Das ist zwar alles sehr unwahrscheinlich, aber wohl einen Versuch wert." Das ist es, und wir hoffen auf Zuschriften für Hans- Joachim Preuß, Hauptmannsreute 72 in 70193 Stuttgart, Telefon 07 11 / 65 35 51).

Da uns diese Zuschrift als E-Mail erreichte ohne Angabe der Adresse, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, daß stets, wie die Anfragen auch erfolgen, die genaue Anschrift genannt werden muß. Denn dies ist durchaus kein Einzelfall. Für uns bedeutet das nicht nur Mühe und Zeit, wenn wir ständig nachfassen müssen, sondern auch Verzögerungen in der Bearbeitung. Das gilt auch für postalisch beförderte Briefe, bei denen die Absenderanschrift lediglich auf dem Umschlag vermerkt ist, denn der geht oft verloren. Bitte, lewe Landslied und Freunde, immer die volle Anschrift auf dem Briefbogen vermerken. Mit Telefon- und Faxnummer, wenn gewünscht wird, daß diese veröffentlicht wird.

Durch unsere Berichte ermuntert, möchte Helga Krause nun etwas Licht in ihre Familiengeschichte bringen, denn die inzwischen verstorbene Mutter hat ihr leider fast nichts von ihrer masurischen Heimat erzählt. Ihr Großvater Johann Kolenda, * 1870 in Rundfließ, Kreis Lyck, hatte zwei Brüder. Der eine übernahm den Hof, der andere soll in das Rheinland gezogen sein. Zu diesen Familien bestand anscheinend kein Kontakt mehr, so daß Frau Krause nichts über sie weiß. Ihr fehlen auch nähere Angaben über ihre Großmutter, von der nur der Mädchenname bekannt ist: Warda. Der Vorname Marie ist ungewiß, Daten sind nicht vorhanden. Urgroßvater Warda soll Schneidermeister in Kölmersdorf gewesen sein. Bekannt sind Frau Krause die Vornamen der Geschwister ihrer Mutter: Lene, Charlotte und Hans. Vielleicht erinnern sich alte Kölmersdorfer noch an die Familie Kolenda, vor allem an Hans, der in der Dorfkapelle spielte. Da Frau Krause auch keine Verbindung zu ihren mehr oder weniger entfernten Verwandten hat, würde es sie besonders freuen, von diesen zu hören. (Helga Krause, In den Kolkwiesen 70 in 30851 Langenhagen, Telefon 05 11 / 73 24 58.)

Auch Kapitän H. Fechter beschäftigt sich in seiner Freizeit als Hobbygenealoge mit dem Ziel, eine Familienchronik zu erstellen. Das führte in bezug auf seine friesischen Vorfahren schon zu beachtlichen Erfolgen, aber dann befindet sich auf der Ahnentafel ein "großer weißer Fleck" - und der betrifft seine ostpreußischen Wurzeln. Daher wendet er sich zuversichtlich an die "immer größer werdende" ostpreußische Familie mit der Bitte um Unterstützung. Die Suche von Herrn Fechter gilt den ostpreußischen Linien Mey (May) und Koniarski (y). Er schlüsselt seine Suche auf bei Maria Mey (May), * 1881 in Klein Oletzko, wahrscheinlich verheiratet mit einem Koniarski. Sie wohnte in Klein Oletzko und in Marggrabowa, die zwischen den Weltkriegen in Herzogshöhe beziehungsweise Treuburg umbenannt wurden. Herr Fechter vermutet, daß es sich bei der Familie Mey um niederländische Einwanderer handeln könnte, denn diese werden unter anderem urkundlich um 1700 als Reformierte im Raum Pr. Holland genannt. 1793 wird eine Johanne Maria Mey, Tochter des Kaufmanns Jacob Mey, im reformierten Kirchenbuch Soldau erwähnt. Hier hofft Herr Fechter auf Hinweise von Genealogen. Aber in diesem besonderen Falle handelt es sich um eine im Kreis Treuburg ansässige Familie dieses Namens, und hier sind also unsere Treuburger Landsleute gefragt. (Kapitän H. Fechter, Ostermoor / Kuhweg 14 in 26532 Großheide.)

Eure Ruth Geede

"Meines Großvaters Hof": Linolschnitt von Gerhard Wydra