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21.02.04 / Kurden drohen mit Widerstand / Die Volksgruppe will den Irak als föderalen Staat

© Preußische Allgemeine Zeitung / 21. Februar 2004

Kurden drohen mit Widerstand
Die Volksgruppe will den Irak als föderalen Staat
von Jürgen Liminski

Man hat sich in der Politik daran gewöhnt, daß über die Köpfe der Menschen hinweg regiert und manipuliert wird. Das gilt auch für die internationale Politik. Aber nicht alle Völker lassen sich das gefallen. Zum Beispiel die Kurden. Eines der größten Probleme bei der Befriedung des Irak ist die ethnische Frage und hier vor allem die Koexistenz verschiedenster Völker und Religionen, etwa der Sunniten, der Schiiten und der Kurden. Das Schicksal der Kurden gehört auch über den Irak hinaus zu den tragischen Dilemmata der Region, immerhin sind die Kurden mit 30 Millionen Menschen das viertgrößte Volk im Nahen und Mittleren Osten, aber sie haben keinen Staat. Saddam Hussein hat sie brutal unterdrückt, das Ende seines Regimes erlebten die Kurden als Befreiung. Bei der Neuordnung des Irak werden die Kurden ein Wort mitreden. Denn im Norden des Irak leben rund fünf Millionen Kurden, das ist ein Viertel der gesamten irakischen Bevölkerung.

Die meisten Kurden wollen eine irakische Föderation, eine Bundesrepublik Irak. Das ist vielleicht nur eine bescheidene Form des alten Traums der Kurden vom eigenen Staat, aber in eine Staatsform, die ihnen weniger Autonomie zubilligt als die Diktatur des Saddam Hussein, werden sie nicht einwilligen. Das mußten jetzt auch die Amerikaner erfahren. Als Paul Bremer, der smarte Gouverneur der Besatzungsmacht, Ende Januar versuchte, den einflußreichsten Kurdenführer, Barsani, davon zu überzeugen, daß Washington vor allem wegen des Widerstands der Schiiten die Föderationspläne aufgeben und doch einen zentralistischen Staat befürworten wolle, kam es zu einer erhitzten Debatte, an deren Ende Barsani drohte: "Wenn wir die Autonomie nicht bekommen, gehen wir wieder in die Berge." Mit anderen Worten: Dann werden wir wieder kämpfen. Das war eine unverhüllte Drohung, und zwar von einem Mann, der sich den Frieden für sein Volk auf die Fahnen geschrieben hat und selbst bereit ist, sunnitische Polizeikräfte im Siedlungsgebiet der Kurden zu dulden. Wenn so ein Mann droht, dann muß die Enttäuschung bei den Kurden groß sein.

Amerika steht heute zwischen den Kurden auf der einen und den Schiiten sowie den Türken auf der anderen Seite. Wenn Washington es ernst meint mit der Selbstbestimmung der Völker, dann müßte es den Kurden dieses allgemein anerkannte Völkerrecht gewähren, Realpolitik hin oder her. Selbst ein Kurden-Staat wäre durchaus denkbar, und es hat ihn auch kurze Zeit im vorigen Jahrhundert gegeben. Aber Ankara warnt. Die Türkei würde am liebsten den Norden des Irak okkupieren. Die Amerikaner haben da bisher einiges verhindert, zum Beispiel die Stationierung türkischer Truppen, und sind auch heute eine Art militärischer Puffer zwischen Kurden und Türken. Auf die Schi-iten kann Washington sich nicht ver-lassen, selbst auf den Nato-Partner Türkei kann man nicht mehr bauen, sobald der Nationalstolz der Türken berührt wird. Die Kurden dagegen wären tief dankbar und könnten sich sogar als stabilisierendes Element in der Region erweisen. Oder als Brandherd neuer Kämpfe. Ohne eine Lösung der Kurdenfrage wird der Irak jedenfalls keine Ruhe finden.


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