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10.04.04 / Ein Medienrückblick

© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. April 2004


Gute und schlechte Manieren
Ein Medienrückblick von Hans-Jürgen Mahlitz

Adel verpflichtet - insofern war der Ausgang des TV-Benimmkurses von Thomas Gottschalk nicht sonderlich überraschend: Die "Blaublütigen" beendeten den Knigge-Marathon mit klarem Vorsprung vor den übrigen Teilnehmergruppen. Und mit dem 16jährigen Jobst Freiherr von Bomsdorff stellten sie auch den Einzelsieger.

Umso überraschender dafür das gute Abschneiden einer Gruppe, der wohl nicht alle Zuschauer so stilsicheres Benehmen zugetraut hätten. Die Biker. die in wildem Lederoutfit auftraten, zeigten, daß sie nicht nur PS-starke Zweiräder, sondern auch den Handkuß beherrschen. Zugleich widerlegten sie das Vorurteil, Motorradfahrer seien prinzipiell rücksichtslos und könnten sich nicht benehmen. Bleibt zu hoffen, daß ihr gutes Beispiel auch bei der lärmenden und rasenden Minderheit unter den Bikern Schule macht.

Daß die Gruppe der Jugendlichen bei diesem Fernseh-Wettbewerb am schlechtesten abschnitt, sollte man nicht überbewerten. Viel besser waren die sogenannten Promis auch nicht. Und wenn es bei den jungen Leuten Defizite in Sachen Tischmanieren gibt, dann sind die vor allem ihren Eltern anzulasten - von wem sonst sollen die Kinder es denn lernen!

Der Knigge-Test im Fernsehen: eine gute Idee und hoffentlich keine "Eintagsfliege".

Um "richtiges Benehmen" in ganz speziellen Fällen ging es in den letzten Wochen mehrfach. Genauer: um die Frage, wie Journalisten sich gegenüber Beamten zu benehmen haben. Ferner: ob Beamte von Journalisten etwas nehmen dürfen. Und schließlich: was Justiz und Polizei sich gegenüber Journalisten alles herausnehmen können.

Fall 1: Hans-Martin Tillack, Europa-Korrespondent des Stern, hatte sich in EU-Beamtenkreisen mit Artikeln über Korruption unbeliebt gemacht. Es kam zu Durchsuchungen und einer Festnahme. Allerdings nicht in Kreisen der mutmaßlich korrupten Beamten; die Nachstellungen der Brüsseler Ermittlungsorgane galten ausschließlich dem kritischen Journalisten.

Fall 2: Udo Ulfkotte, bis vor kurzem Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Buchautor und Fachmann für politischen, insbesondere islamistischen Extremismus und Terrorismus. Er hat wiederholt vor der zunehmenden Gefährdung durch radikal-islamistische Gewalttäter sowie durch hochkriminelle osteuropäische Mafiastrukturen gewarnt.

Auch diese eindringlichen und beängstigenden Mahnungen und Enthüllungen führten zu massiven Polizeiaktionen. Und auch in diesem Falle richteten sie sich nicht etwa gegen diejenigen, von denen die Gefahr ausgeht, sondern gegen den "Boten der schlechten Nachricht": Privatwohnung und Büroräume des kritischen Journalisten Ulfkotte wurden durchsucht, Dokumente und Computer beschlagnahmt.

Ulfkotte wird des Geheimnisverrats, der Anstiftung und der Bestechung beschuldigt - Vorwürfe, die er selbst energisch von sich weist und seinerseits mit Vorwürfen kontert: "Ich hätte mir gewünscht, daß die Polizei genauso energisch gegen islamistische Terroristen und gegen das osteuropäische organisierte Verbrechen vorgehen würde, und nicht gegen Journalisten, die darüber berichten."

Der einzige Unterschied zwischen den Fällen 1 und 2: Der eine, Hans-Martin Tillack, hatte die auf EU-Ebene weitverbreitete und offenbar äußerst einträgliche Selbst-bedienungsmentalität gestört, der andere, Udo Ulfkotte, hatte es gewagt, ein Tabu zu brechen, indem er über Deutschland als Tummelplatz ausländischer Krimineller und Extremisten berichtet.

Endlich hat es sich mal wieder gelohnt, den Sonntagabend bei Sabine Christiansens Rede-Chaos auszuharren. Zwar wurde auch an diesem 4. April - wie üblich - wild durcheinandergeredet, manchmal kam aber doch so etwas wie Disziplin auf. Nämlich immer dann, wenn der Chef des Münchner ifo-Instituts, Professor Hans-Werner Sinn, das Wort ergriff. Seine Ausführungen zu den Ursachen der deutschen Krise waren so klar und überzeugend, daß es den Mitdisputanten minutenlang die Sprache verschlug. Erfreulich für das TV-Publikum: ausnahmsweise einmal mehrere zusammenhängende Sätze, die sowohl akustisch als auch inhaltlich gut zu verstehen waren.

Die Sendung zum Thema "Verrät die SPD die Armen und Schwachen?" bot eine weitere reizvolle Konstellation: die Generalsekretäre von CDU und SPD im direkten Vergleich. Der neue Obergenosse gab sich - um es vornehm zu formulieren - reichlich zurückhaltend, was Angela Merkels "Mann fürs Grobe" regelrecht aufwertete: Gegenüber Klaus Uwe Benneter kann man Laurenz Meyer fast schon als Glücksgriff sehen.

Daß es Benneter nicht gelang, das Publikum vollends einzuschläfern, ist übrigens einer Talkshow-bewährten Kraft zu danken - Ursula Engelen-Kefer, die ihrem Ruf als "Frau Quengelen" gerecht wurde.

Zum Schluß noch ein ganz großes Lob. In der ZDF-Reihe "37 Grad" brachte Katrin Wegner eine Reportage über Kinder gehörloser Eltern ("Plaudernde Hände", 23. März). Ein großartiger, einfühlsamer, informativer und emotional bewegender Beitrag - leider erst um 23 Uhr, also viel zu spät.

Hans Heckel macht zur Zeit Urlaub, fernab von den Aufgeregtheiten deutscher und internationaler Politik. Daher erscheint statt seines an dieser Stelle gewohnten politischen Wochenrückblicks in den nächsten Ausgaben ein Blick zurück in die Medien - manchmal, aber nicht immer im Zorn.

So, jetzt versuch's noch mal Zeichnung: Götz Wiedenroth


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