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29.05.04 / Das letzte Aufgebot / Novelle über eine kleine Truppe, die beim Endkampf um Berlin eine Brücke verteidigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Mai 2004


Das letzte Aufgebot
Novelle über eine kleine Truppe, die beim Endkampf um Berlin eine Brücke verteidigt

Bücher, in denen geschildert wird, wie deutschen Soldaten den Zweiten Weltkrieg erlebten, sind erstaunlicherweise dünn gesät, zumal solche, die darstellen, wie es wirklich war, und nicht, wie es heute gesehen werden soll. Zu den mit Abstand besten gehört das seit langem vergriffene Buch "Der Ruf der äußersten Grenze - Tagebuch eines Frontsoldaten" von dem 1943 gefallenen Helmut Pabst. Anfang der 50er Jahre erschienen sogar Auszüge in der FAZ, was heute undenkbar erscheint.

Zwar gibt es Kolportageromane, die mit der Wirklichkeit kaum etwas zu tun haben, oder Darstellungen des Kriegsalltags aus heutiger korrekter Sicht, die aber zur Beurteilung der Zeit unergiebig sind.

Der Schauspieler Jochen Stern, Jahrgang 1928, Autor bereits mehrerer Bücher, hat als 16jähriger Soldat am Endkampf um Berlin teilgenommen. Unter dem Titel "WegEnd" schildert er in einer Novelle, die er eng an die tatsächlichen Ereignisse anlehnt, wie die Reste einer Kompanie, gerade noch 21 Mann stark, unter Führung ihres Leutnants den Auftrag bekommen, die Schulenburgbrücke über die Havel, die die Bezirke Charlottenburg und Spandau verbindet, vor der anstürmenden Roten Armee für deutsche Truppenteile und flüchtende Zivilisten so lange wie möglich offenzuhalten. Stern zeichnet jeden Soldaten mit seinem eigenen Charakter. Da gibt es welche, die man damals und auch heute noch mit Fug und Recht als Helden bezeichnen kann, neben anderen, die immer wieder in Versuchung sind abzutauchen. Die Gruppe wird durch den Auftrag und die Kameradschaft zusammengehalten, aber einen nach dem anderen ereilt der Tod.

Stern hat mit seiner Novelle unausgesprochen auch eine Antwort gegeben auf die Frage, warum die Deutschen sich bis zum Schluß gewehrt haben, ebenso wie er die Propagandaformel von der angeblichen "Befreiung" ad absurdum führt.

Seine Schilderung entspricht den wirklichen Vorgängen um die Schulenburgbrücke. Anhand eines Berliner Stadtplanes kann man heute noch den Weg der Soldaten und Flüchtlinge, so wie in der Novelle geschildert, verfolgen. Nicht zuletzt macht das den Reiz des schmalen Bändchens aus. H.-J. von Leesen

Jochen Stern: "WegEnd", Kolb Verlag, Mannheim, 128 Seiten, 10 Euro


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