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29.05.04 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Mai 2004


Starke Männer /... und die Flöhe von Bagdad
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Für Wolfgang Thierse war das ein schrecklicher Tag, dieser 23. Mai, als der Bundespräsident gewählt wurde: Der absehbare Sieger hatte ihn offensichtlich schon in der Nacht zuvor um den Schlaf gebracht, und dann die Rede: Er "liebe unser Land", jenes Land, von dem Thierse gerade einen Gutteil unter 27.000 Betonstelen glücklich hatte verschwinden lassen. Listig versuchte der Bundestagspräsident, Verwirrung zu stiften, redete seine Favoritin mit "Herr Professor" an, faselte krauses Zeug ("Die Stimmkarten müssen in den Umschlag gewählt werden"), und dann landeten zwei Köhler-Stimmen aus purem Zufall im Schwan-Korb. Alles umsonst.

Mit Horst Köhler ist nicht bloß ein Mensch an die Staatsspitze vorgedrungen, der sich anschickt, das höchste Predigeramt Deutschlands mit Politik zu verseuchen. Was noch betroffener macht: Es ist vor allem wieder ein Mann geworden, trotz all des Charmes, den die heitere Frau mit dem Vogelnest auf dem Kopf versprühte.

Dabei haben Untersuchungen bestätigt, daß Mädchen schlauer sind als Jungs. Das soll zum einen daran liegen, daß die meisten Lehrer Lehrerinnen sind und die Mädchen in gemischtgeschlechtlichen Klassen bessere Chancen bekämen (bei getrennten Mädchen- und Jungenklassen sind die Leistungen in der Tat wieder gleich). Was aber wohl schwerer wiegt: Für Jungs gibt es in unserer Gesellschaft kaum noch was zu tun. Früher gingen die Kerle mit 13 auf die Jagd und sattelten mit 17 ihr Pferd für die erste Schlacht. Gejagt wird heute in Supermärkten und in Kurparks. In beiden Revieren haben die Frauen den Jagdschein. Und Krieg? Statt stolzen Rössern und blinkenden Schwertern begegnet man dort heute Panzerfahrzeugen und Lynndie England.

Der Mann verkommt zur kratzigen Staffage. Wie weit es gekommen ist, zeigen die neuen, sehr einseitigen Sprachregelungen. Alles muß seit einiger Zeit stets auch in weiblicher Form genannt werden, wo früher die männliche genug war (Bürger/ Bürgerin, Student/Studentin usw.). Alles? Eben nicht. Es gibt entlarvende Ausnahmen: Trottel, Blödmann und Hanswurst blieben bezeichnenderweise allein männlich.

Ganz ohne männliche Hilfe geht es aber auch nicht voran. Der türkische SPD-Europakandidat Vural Öger läßt uns wissen, daß die "gesunden türkischen Frauen mit unseren kräftigen Männern" verwirklichen würden, "was Sultan Süleyman mit der Belagerung Wiens 1683 begonnen hat". Na immerhin. Die Tugend des Mannes ist jedoch nicht allein sein Stehvermögen. Wie Öger vorführt, sind Geist und Sinn fürs Feine unter unseren Geschlechtsgenossen noch nicht gänzlich verdorrt. Auf die Frage, wie denn diese Eroberungsgespinste eines türkischen Kandidaten einer deutschen Partei zu verstehen seien, gab er fesch zurück: Das sei ein Witz gewesen, Ironie. Es darf gelacht werden.

Nun soll niemand glauben, nur türkische Männer hätten Ironie und Mannesstärke. Der scheidende Präsident Rau war ein halbes Politi-kerleben lang NRW-Ministerpräsident, wo während seiner Regentschaft um die Westdeutsche Landesbank herum das prächtigste Filz-Netz der Republik geflochten ward. In seiner Abschiedsrede als Staatsoberhaupt wetterte derselbe Rau gegen den Filz einer politischen Klasse, die sich zu sehr um persönliche Vorteile kümmere. Auch hier haben wir gegluckst vor Vergnügen - und gelernt: Wer die Ironie liebt, darf die Frechheit nicht scheuen.

Welch seelische Stärke dem männlichen Geschlecht innewohnt, führt uns ein anderer verdienter Deutscher vor: "Florida-Rolf" hat seine Deutschland-Allergie, für die ihn die Steuerzahler bislang mit 1.700 Euro monatlicher Sozialhilfe entschädigten, tapfer überwunden und ist in Frankfurt am Main eingetroffen. Dort boten ihm die kaltschnäuzigen Hessen tatsächlich ein 13-Quadratmeter-Loch an, das er, an sein 60-Quadratmeter-Apartment am Stand von Miami-Beach gewöhnt, natürlich ablehnen mußte. Zurück nach Florida will Rolf jedoch nicht. Einerseits, weil der deutsche Staat seinen Unterhaltspflichten nicht mehr hinlänglich nachkommt. Andererseits dürften ihm die weichlichen Männer dort auf die Nerven gehen. Aus dem Irak erreichen uns Nachrichten, daß die US-Soldaten aus Furcht vor der "Kamelspinne" beinahe unter sich machen. Wenn die riesige Spinne ihre unrasierten Beine ausstreckt, soll sie einen ganzen Kuchenteller bedecken. Sie sprintet mit hochgestreckten Fühlern 20 Sachen schnell durch den Sand. Daß sie sogar 50 schafft, dabei zum Knie-Erweichen schreit und sogar ganze Kamele und Soldaten (an-)frißt, sei hingegen Legende, behaupten die Wissenschaftler. Nur ein paar Tage übel sei einem nach dem Biß. Deshalb sieht US-Zivilverwalter Paul Bremer immer so schlecht aus im Fernsehen.

Bush hat jedenfalls die Nase voll und versichert, die Zivilverwaltung des Irak pünktlich am 30. Juni zu übergeben. Um nicht mißverstanden zu werden, will er ab jetzt jede Woche eine Fernsehrede zwecks dieser Ankündigung halten. (Wir teilen zur Beruhigung der Leserschaft mit, daß CNN-Gucken nicht zu unseren Nato-Verpflichtungen zählt.) Die Macht wird also übergeben, pünktlich. Fragt sich, an wen? An den irakischen "Regierungsrat", heißt es. Lange Zeit war die große Nummer in dem Gremium ein guter Freund Washingtons: Achmed Schalabi. Den aber haben die USA soeben fallengelassen. In Jordanien wird der rührige "Geschäftsmann" wegen Kreditbetrugs gesucht, weshalb die US-Dienste dem Iraker jene 27 Millionen Dollar, die er für seine brandheißen Infos über Saddams Waffen und seine treue Zusammenarbeit zum Nutzen der freien Welt forderte, lieber gleich geschenkt haben.

Bedauerlicherweise erwiesen sich Schalabis Informationen als ebenso zuverlässig wie die Zusicherung eines orientalischen Teppichhändlers, sein Produkt könne fliegen. Schalabis sagenhafter Phantasie sind beispielsweise Saddams "Fahrende Biowaffenlabors" entsprungen, mit denen Colin Powell den UN-Sicherheitsrat erschreckt hat. Wie sagt der Volksmund: Wer mit den Hunden schlafen geht, wacht mit ihren Flöhen auf. Es ist vielleicht nicht nur seine neue Nachdenklichkeit, die den US-Außenminister veranlaßt, sich öfter mal am Ohr zu kratzen.

Pisa-Test zum Signal-Leseverständnis Zeichnung: Götz Wiedenroth


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