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19.06.04 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / 19. Juni 2004


Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

Nach dem Krieg gab es in Hamburg den "Glockenfriedhof". Dort warteten die geretteten Glocken aus den Kirchen unserer verlassenen Heimat auf eine Rückkehr - vergeb-lich. Sie wurden als "Leihglocken" den Gotteshäusern im Westen übergeben und blieben dort. So auch die Bronzeglocke aus Borchertsdorf, Kreis Pr. Holland. Sie hängt heute im Turm der Evangelischen Pfarrkirche in Trostberg, die das besonders schöne Geläut eben dieser Glocke verdankt. Gisela Huber aus Traunstein, die aus Pr. Holland stammt, liebt diesen einmaligen Klang besonders und hat sich deshalb mit dem Pfarrer der Christuskirche in Trostberg in Verbindung gesetzt, um Näheres über die Glocke zu erfahren. Nun wurde umgekehrt ein Schuh daraus, denn auch das Pfarramt wünscht Informationen über die Glocke, von der nur bekannt ist, daß sie zwischen 1400 und 1500 gegossen wurde. Der Name des Gießers ist nicht entzifferbar, die Inschrift nur teilweise: "+ katharina mag er * zeart mit uns * vfde * vimmel *vart". Ein Archivar, den Frau Huber befragte, meinte, daß die Sternchen für nicht erklärbare Buchstaben stehen könnten. Vielleicht weiß ein ehemaliger Borchertsdorfer etwas über die Geschichte der Glocke? Gibt es noch eine alte Ortschronik oder andere Dokumentationen, die sich mit Kirche und Glocke befassen? Es könnte auch ein Historiker, der sich speziell mit Glocken beschäftigt, zur Entzifferung der Inschrift beitragen. Vor allem aber wird ein Bild der alten Kirche von Borchertsdorf gesucht, denn Pfarrer und Gemeinde möchten soviel wie möglich über das Gotteshaus wissen, in dem die Glocke ein halbes Jahrtausend lang hing. Und natürlich Gisela Huber, die - als geborene Eisenblätter - nun näher an der Urheimat ihrer Salzburger Vorfahren lebt - aber ihre Wurzeln sind und bleiben im schönen Oberland, wie sie schreibt. (Gisela Huber, Bachmayerstraße 14 in 83278 Traunstein/Obb.)

Eine Goldene Konfirmation ist auch in unserer langlebigen Zeit etwas Besonderes, vor allem, wenn sie in der Heimat stattfindet. So in der Evangelischen Pfarrkirche in Allenstein am 25. Juli 2004. Eingeladen sind die ehemaligen Konfirmanden der Jahrgänge 1946 bis 1954, also jene Mädchen und Jungen, die damals in der schweren Zeit nach dem Zusammenbruch eingesegnet wurden. Wer wird sich einfinden? In Allenstein hofft man, daß möglichst viele der ehemaligen Konfirmanden kommen. Anmeldungen bitte an die Evangelische Pfarrkirche, Stare Miasto 1 in 10 - 559 Olsztyn.

Mit alten Ortsnamen hat man schon seine Schwierigkeiten, das weiß wohl jeder, der auf Ahnensuche geht. Vor allem mit den ostdeutschen, weil sie oft geändert wurden oder gänzlich von der Bildfläche verschwanden. So ergeht es Jutta Seifert, die bei ihrer Ahnenforschung auf eine Urgroßmutter Emma Müller stieß, die 1862 in Rose geboren wurde und dort auch 1881 Johann Kuczewski heiratete. Ihre Eltern waren Christian Michael Müller und Anna Christina Berg, geboren in Klein-Mühle. Frau Seifert findet diese Orte auf keiner Karte, meint aber, daß sie in Masuren lagen, da ihre Vorfahren seit 200 Jahren nur dort gelebt haben und Urgroßmutter Müller auch in Rummy, Kreis Ortelsburg 1944 verstarb. Das könnte auf Klein Mühle zutreffen, denn diese Wasser- und Windmühle lag nahe bei Lyck. Unter Rose finde ich aber nur eine Försterei, die im Kreis Insterburg lag und zum Kirchspiel Puschdorf gehörte. Wer kann hier weiterhelfen? (Jutta Seifert, Alfred-Randt-Straße 33 in 12559 Berlin, Telefon 0 30 / 6 54 45 18.)

Und wer weiß etwas über den Ort Kappe? Er liegt bei Schneidemühle, aber da versagen leider meine umfangreichen Register, und so hoffe ich, daß sich in unserm Leserkreis jemand findet, der Auskunft geben kann. Der Suchende hat sich bisher vergeblich bemüht, aber meine "alte Königsbergerin" Felicitas Dreyer meint, die Ostpreußische Familie bringt eben alles fertig. An sie sind auch die Antworten zu richten: Felicitas Dreyer, Berli-nerstraße 43 in 16515 Oranienburg, Telefon 0 33 01 / 52 42 08.

Einen ganz dicken Großbrief bekam ich von Christa Möller aus Bienenbüttel - zu Hause, so meint sie, sei sie aber in Sensburg, denn dort besuchte sie in den Kriegsjahren die Schule. Geboren wurde sie als Christa Koller auf dem Vorwerk ihrer Patentante Edith Wenk in Fürstenau, Drengfurt, auf dem ihr Vater Ernst Koller Verwalter war. Knapp zwei Jahre war er dann Wirtschafter auf dem Gut Gutbergen, bis die Eltern sich 1940 trennten und die kleine Christa zu ihrer Großmutter Elly Borowski nach Sensburg kam. Ernst Koller war zuletzt auf dem Gut Auhof bei Braunsberg tätig, ehe er zum Volkssturm eingezogen wurde. Er fiel am 26. März 1945 bei Balga. Zu diesen Angaben stellt nun Frau Möller einige Fragen. Zuerst nach Aufnahmen von Gutbergen - wer besitzt noch welche? Leben noch von der Gutsfamilie von Auhof Angehörige? Sie selber hat noch Fotos von Tante und Mutter, beide begeisterte Reiterinnen. Margarete Koller, geborene Borowski, war während des Krieges Remonteausbilderin bei der Wehrkreisreit- und -fahrschule Lyck. Sie brachte Anfang 1945 Remonten - zu Fuß und im Sattel - von Lyck über Demmin nach Schleswig-Holstein! Ihre kleine Tochter aber floh mit der Großmutter über das Frische Haff, und diese Erinnerungen lassen Frau Möller nicht mehr los. Vor allem die an jene Familie, die sich der Großmutter und ihrer achtjährigen Enkelin auf dem vereisten Haff annahm, sie mit Pelzdecken wärmte und ihnen Brot und Schinken gab. Der Treckwagen - eigentlich waren es zwei, der eine brach auf dem Haffeis ein - hatte Gummiluftreifen und einen Traktoranhänger, er brachte die Flüchtlinge sicher auf die Nehrung. Dort wurden sie von der Treckfamilie getrennt. Frau Möller meint, sie hieß Meyer, aber von wo sie kam, weiß sie nicht. Trotzdem sucht sie diese Familie - vielleicht erinnert sich ja noch jemand an Großmutter und Enkeltochter? Christa fiel dann doch den Russen in die Hände. Sie kam mit ihrer Großmutter auf eine Kolchose bei Wehlau. Vier lange Elendsjahre folgten, ehe sie dann ausgewiesen wurden. Als vor einigen Jahren Frau Möller mit ihrem Mann in der Heimat war, suchte sie auch diese Stätten auf - und die Erinnerung wurde lebendig und greifbar. Denn das Gutshaus Parnehmen ist zwar verfallen, "... aber der Brotverteilerraum ist noch so wie vor 50 Jahren, und die Menschen von heute gehen genauso wie die von damals mit Wattestiefeln und -jacken dorthin zum Einkauf. Es war wie in einem schlechten Film!" Ja, so vieles könnte ich aus ihrem dicken Packen Erinnerungen bringen wollen, aber das geht ja leider nicht. Hier die Anschrift von Christa Möller, geborene Koller: Am Krummbach 9 in 29553 Bienenbüttel.

Frau Möllers Superbrief enthält auch Unterlagen über ihre Salzburger Vorfahren - und um solche ging es ja Karl Neumann bezüglich seiner Familienforschung. Daß ich seinen Fall in die Kategorie "kaum lösbare Fragen" einordnete - weil der aus Altendorf bei Posen stammende 94jährige zwar glaubte, daß seine Vorfahren aus dem Salzburgischen kämen, aber keinerlei Unterlagen hatte -, erwies sich als erfreulicher Irrtum. Er erhielt aus Leipzig den urkundlich belegten Hinweis, daß ein Johann Neumann als Säugling mit seinen Eltern nach Altpreußen kam, in Hanswalde aufwuchs und dort als "Königlicher Wirt und Erbsaß" lebte. Jetzt will Herr Neumann weiterforschen, was ja nun viel leichter ist. Vielleicht helfen ihm ehemalige Hanswalder weiter - ich nehme an, daß es sich um Hanswalde, Kreis Wehlau handelt, denn in Groß Engelau wurde der einzige Sohn von Johann Neumann 1807 getraut. Also, an solch einen schnellen Erfolg hätte ich nicht geglaubt! Herr Neumann freut sich, seine Enkelin auch und ich erst recht. (Karl Neumann, Heißstraße 4 in 87700 Memmingen.)

"Nachdem meine Suchmeldung bei allen zuständigen Adressen bisher erfolglos verlief, möchte ich mich an Sie wenden, vielleicht haben meine Brüder und ich nun mehr Glück!" hofft Eva Möller, geborene Schwarz. Allerdings bin ich da eher skeptisch, denn der Gesuchte, ihr Vater Hermann Richard Schwarz, kam nicht aus Ostpreußen. Was Frau Möller veranlaßt, an uns zu schreiben, ist die Tatsache, daß die letzte Nachricht des Angehörigen der Deutschen Wehrmacht lautete, daß er im Raum Königsberg zum Einsatz käme. Das war am 4. Januar 1945. Seitdem fehlt jede Spur von dem am 14. Dezember 1898 in Friedenthal auf der Krim Geborenen. Leider hat Frau Möller keine weiteren Angaben - wie über Dienstrang und Einheit des Berufssoldaten Hermann Richard Schwarz - gemacht. Bleibt also die Frage: Wer war damals mit dem 47jährigen Rußlanddeutschen zusammen und weiß etwas über sein weiteres Schicksal? (Eva Möller, Birkenweg 6 in 71297 Mönsheim, Telefon 0 70 44/60 73.)

Eure Ruth Geede


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