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03.07.04 / Ein Koloß wird wiedergeboren / Die Renovierung des Berliner Olympiastadions ist abgeschlossen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juli 2004


Ein Koloß wird wiedergeboren
Die Renovierung des Berliner Olympiastadions ist abgeschlossen
von Thorsten Hinz

Das Berliner Reichssportfeld gehörte zu den ersten Großanlagen, die von den Nationalsozialisten errichtet wurden. Das gewaltige Areal umfaßt insgesamt 132 Hektar. Die Planungen gehen auf das Jahr 1933 zurück. Es ging der NS-Führung darum, für die Olympischen Spiele 1936, die das IOC 1928 nach Berlin vergeben hatte, einen architektonischen Rahmen zu schaffen, in dem sie sich effektvoll der Welt präsentieren konnte.

Herzstück war das Olympiastadion, das nicht zuletzt durch Leni Riefenstahls "Olympia"-Film weltbekannt wurde. Die Arena bot damals Platz für rund 110.000 Zuschauer, heute, nach einer durchgreifenden Modernisierung, nur noch für 74.000.

Die Anlage zitiert antike Bautypen. Neben dem "Stadion" (Kampfbahn) sind es das "Theatron" (Freilichtbühne) und das "Forum" (Maifeld), ein Aufmarschplatz für rund 250.000 Menschen. Im September 1937, während des Deutschlandbesuchs von Benito Mussolini, wurde auf dem Platz vor dem Stadion eine "Völkerkundgebung der 115 Millionen" zelebriert, bei der Hitler und der italienische Diktator Ansprachen hielten. Noch ehe Mussolini - auf deutsch - seine Prophezeiung ausgesprochen hatte, morgen werde Europa faschistisch sein, trieben Gewitter und Wolkenbrüche die versammelten Massen auseinander.

Zunächst sollte für die Olympischen Spiele 1936 das alte, vom Architekten Otto March (1844-1913) erbaute Grunewald-Stadion erweitert werden. Im Oktober 1933 entschied Hitler nach einer Besichtigung, auf den Umbau zu verzichten und eine totale Neuplanung vorzunehmen. Den Auftrag dafür erhielt ein Sohn Otto Marchs, der Architekt Werner March (1894-1976). Sein Konzept stellte Bezüge zum antiken Olympia her, wobei Hitler, der sich bekanntlich stark für Architektur interessierte, auch persönlich Einfluß nahm. Zu den bereits erwähnten Bauten kamen der Glockenturm, die Langemarckhalle - die dem Gedenken an die 80.000 deutschen Soldaten gewidmet ist, die im November 1914 im belgischen Langemarck starben - sowie ein Schwimmstadion, ein Reiter-, Hockey- und Tennisstadion. Die Freilichtarena (vormals Dietrich-Eckardt-Bühne) ist heute unter dem Namen "Waldbühne" ein populärer Veranstaltungsort für Konzerte.

Diese unterschiedlichen Einrichtungen sind durch eine symmetrische Gliederung und eine klare Achsenführung zu einem einheitlichen Ensemble zusammengefügt und geschickt in die Landschaft im Nordwe-sten Berlins eingepaßt worden. Von ihnen geht jene düstere Monumentalität aus, die für Bauten jener Epoche weltweit oft prägend war.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs kam es hier zu schweren Kämpfen, bei denen 2.000 Soldaten und Hitlerjungen starben. Der Glockenturm brannte aus und mußte aus Sicherheitsgründen gesprengt werden. Dabei stürzte die 13 Tonnen schwere Olympiaglocke - die größte Stahlglocke der Welt, die aus den Bochumer Stahlwerken feierlich nach Berlin überführt worden war - zu Boden und erhielt einen tiefen Riß. Nach Ende der gegenwärtigen Sanierungsarbeiten soll sie wieder am Südtor aufgestellt werden. Der Turm und die Lange-marckhalle wurden 1961 bis 1963 originalgetreu rekonstruiert - von Werner March. Für den Turm gibt es eine Ersatzglocke. Auf einem Teilareal hatte zwischen 1952 und 1994 die britische Besatzungsmacht ihr Hauptquartier aufgeschlagen.

Im Juli soll die vierjährige Sanierungsphase des Stadions abgeschlossen sein. Am 1. August laufen dann die Fußballer von Hertha BSC auf, und am 8. September tritt die deutsche Nationalmannschaft gegen Brasilien an. Bei der Fußball-WM 2006 wird das Olympiastadion eine zentrale Spielstätte sein.

Bis dahin sollen 35 Tafeln aufgestellt werden, die die Besucher auf deutsch und englisch über die historischen Hintergründe der bis heute imponierenden Anlage informieren. Auch Fotos und Lagepläne werden zu sehen sein. Darüber hinaus soll bis Oktober am Haupteingang des Stadions ein Ort der Information entstehen.

Zentrale Spielstätte der Fußball-WM 2006: Schon am 1. August laufen die Kicker von Hertha BSC Berlin im "neuen" Olympiastadion auf. Foto: dpa


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