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10.07.04 / Hobby machte Welt zu einem besseren Ort / Susanne Deuter im Gespräch mit den Promi-Zwillingen Christel und Margret Tenbuß in München

© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. Juli 2004


Hobby machte Welt zu einem besseren Ort
Susanne Deuter im Gespräch mit den Promi-Zwillingen Christel und Margret Tenbuß in München

Quicklebendig sitzen sie vor mir, in ihrer gemeinsamen Wohnung in der Münchner Innenstadt - zwei Energiebündel von erstaunlicher Ähnlichkeit. Neben Alice und Ellen Kessler dürften Christel und Margret Tenbuß das bekannteste Zwillings-paar im Lande sein. Unzählige Stars aus aller Welt fingen sie schon mit ihren Kameras ein. Heute stehen sie selbst im Blitzlichtgewitter. Ganze 49,1 Prozent der Zuschauer wählten die beiden im April, innerhalb einer groß angelegten RTL-Show mit Desirée Nosbusch, zum beliebtesten Zwillingspaar 2004. Mit 150 weiteren Doppelpacks waren sie ins Rennen gegangen. Wer hätte an diese Popularität zu denken gewagt, damals am 5. März vor 68 Jahren, als die Zwillinge sich in Gladbeck erstmals schreiend zu Wort meldeten.

"Wir waren ja gar nicht mehr geplant, unsere Geschwister 12, 14 und 15 Jahre älter", erzählt Christel. Die Mutter wurde von der Mehrlingsgeburt überrascht und sagte, als sie hörte, da sei noch ein zweites Baby: "Lassen sie das bloß drin!" So kam es natürlich nicht. In den ersten Lebenstagen dürften sie sich unterschieden haben wie später nie mehr in ihrem Leben. Die eine war schneeweiß, die andre krebsrot. Was ihnen die Spitznamen "Schneeweißchen und Rosenrot" einbrachte.

In einem musischen Elternhaus aufgewachsen, liebten sie seit frühester Kindheit die Märchen und anderen Aufführungen, die ihnen das örtliche Theater bot. Die Faszination für die Bühne und ihre Protagonisten wuchs. In der Schule kamen sie gut mit, saßen aber nicht zusammen, "das wollten wir nicht". 1952 wurde für die 16jährigen Zwillinge der Grundstein gelegt für ihr weiteres Leben als "Promi"-Fotografinnen. Als eine kleine Göre ihren Erfolgsschlager "Pack die Badehose ein" in den Ruhrpott trug, kam es zu einer Begegnung mit Cornelia Froboess. Von ihr entstanden die ersten Starfotos. Und auch die Kinderstars Christine Kaufmann und Oliver Grimm mochten die Zwillinge, die immer eine Überraschung im Gepäck hatten. Ihre Aufnahmen, an die 80.000 sollen es inzwischen sein, sind auf Illustriertentiteln, Buchumschlägen und auf Autogrammzetteln zu finden. Der Fotoerlös floß nicht selten in das soziale Engagement der hilfreichen Zwei.

Bei der Aufzählung der berühmten Namen fällt, wen wundert's, mehrmals der Satz: "Christel, du mußt das straffen!" Ja, man braucht schon Ausdauer, um dem Lebensweg der munter erzählenden Tenbuß-Zwillinge zu folgen. Ausdauer hatten beide stets genug. Als Verkäuferinnen im Textil- und Konditoreigewerbe waren sie zumindest langes Stehen gewöhnt, was ihnen bei mancher Schlacht ums beste Promi-Foto zugute kam. Denn an den Bühnentüren, auf dem Bavaria Filmgelände, in der Nähe der roten Teppiche bei Filmfestspielen oder bei unzähligen Events war Stehvermögen angesagt. Hatte es Vorteile, im Doppelpack aufzutreten? "Es war so, wir hatten's leichter, wurden immer gleich angesprochen, waren ja damals auch gleich angezogen", meint Christel. Manchmal hätten sie sich geniert, mit den Prominenten gemeinsam aufs Foto zu kommen, doch dafür entwickelten sie Fingerspitzengefühl. "Heute glaubt ja keiner mehr, daß wir mal schüchtern waren", so der Zwillingsmund.

Sie nutzten die Gelegenheiten, Bei den Wiener Festwochen 1957 lernten sie Vivian Leigh im "Sacher" kennen. Margret war am Flughafen, als in den 60er Jahren die Beatles an die Isar kamen. In Monaco lief sie - "mit Stöckelschuhen damals" - dem Wagen von Fürst Rainier und Gracia Patricia hinterher und schoß ein wunderbares Foto: Beide drehen sich um und winken. In Gstaad entstanden Aufnahmen von Jackie Kennedy. Liv Ullmann lernten sie Ende der 70er kennen. "Eure norwegische Schwester" lautet eine ihrer Widmungen.

Als "prominentengeil" bezeichnet zu werden, das schmeckt ihnen nicht. Das war nie der Fall. Sie hätten die mehr geschätzt, die in der zweiten Reihe standen, "das waren oft die farbigeren Typen und die besseren Künstler. Unser Hobby machte die Welt wirklich zu einem besseren Ort", fügt Margret dankbar hinzu. "Ich glaube nicht, daß wir dieselben Menschen wären, wenn wir dieses nicht gehabt hätten."

Christel und Margret bleiben am Ball, die Fahrräder startklar, die Contaflex Zeiss Ikon und die Leica M 3 im Einsatz - wenn ihnen auch die Masse der Fotos langsam über die Köpfe wächst. Doch kulturell reißen sie sich, wenn es um Qualität geht, schon mal ein Bein aus. "Der Niddel-Naddel-Küblböck-Schund setzt sich von allein durch. Da muß man etwas dagegen setzen."

Im vergangenen Jahr hatten die begeisterten Fotografinnen eine Ausstellung mit 260 Bildern in Essen.

Da hingen sie an den Wänden, die unvergessenen Publikumslieblinge: Heinz Rühmann, Shirley MacLaine, Gina Lolobrigida, Curd Jürgens, Liz Taylor, Alfred Hitchcock, Ingrid Bergman, Romy Schneider, Sophia Loren und weitere Stars aus den Bereichen Film, Fernsehen, Musik, Politik und Sport.

In nächster Zeit sind die beiden in eigener Sache "Zwillinge 2004" unterwegs. Nach ihrem Sieg in der RTL-Show zeigten ihnen zahlreiche Prominente und Zuschauer ihre Mitfreude. Am 24. Juli folgen Christel und Margret einer Einladung des Pharmakonzerns zum 2. ratiopharm-Zwillingstreff in den Europa-Park Rust bei Freiburg. Anschließend geht es auf Einladung des Senders RTL - von einem Team begleitet - für eine Woche nach New York und von dort weiter zum größten Zwillingstreffen der Welt am ersten August-Wochen- ende in Twinsburg/Ohio. Mal sehen, vielleicht schießt das quirlige Doppel dort auch den Vogel ab - zumindest mit der Kamera!

Quirlige Zwillinge: Die Tenbuß-Schwestern Christel (jeweils rechts) und Margret haben einen guten Draht zu Prominenten (hier mit Mario Adorf). Foto: Tenbuß


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