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10.07.04 / Leserbriefe

© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. Juli 2004


Leserbriefe

Das Spiel mit den Opferzahlen
Betr.: "Rheinwiesen? Alles Legende" (Folge 24)

Im Gegensatz zur weltweiten Empörung über Amerika, die die immer wieder gezeigten Folterbilder aus dem Irak ausgelöst haben, zeichnet Felix Kellerhof in der Welt vom 1. Juni im Rückblick auf das Kriegsende ein Bild des guten Amerikaners als Besatzungssoldat in Deutschland unter dem Titel "Soldaten, seid nett zu den Deutschen!" Seine selektive Geschichtswahrnehmung sieht keine Opfer bei der Behandlung deutscher Kriegsgefangener und mit wenigen Ausnahmen kein Fehlverhalten der Besatzungstruppe. Der Historiker dieser Zeitung, H.-J. von Leesen, dagegen erinnert in der Ausgabe vom 12. Juni an eine Reihe von schweren Übergriffen der US-Besatzer und vor allem an die menschenunwürdigen Zustände, denen deutsche Kriegsgefangene auf den Rheinwiesen ausgesetzt waren und die 5 bis 10.000 Todesopfer forderten. Doch eins soll hier noch richtiggestellt werden: Mord bleibt das gleiche Verbrechen, ob er an 1.000 oder 100.000 Menschen praktiziert wird.

Richtigstellungen falscher Behauptungen finden sich in den vom Zeitgeist geprägten Blättern kaum mehr. So schrieb Kellerhoff in der Welt vom 16. März über die führenden Experten für Militärgeschichte: "Sie stehen für den durch jahrelangen Streit gewonnenen Konsens über die Rolle der Wehrmacht: Deutsche Soldaten haben in vielen hunderttausend Fällen gemordet, geplündert und geschändet - und zwar oft, wenn auch nicht immer auf höheren Befehl." Die begründete Forderung nach Richtigstellung dieser Behauptung wurde von der Chefredaktion mit der Begründung abgelehnt, der Absender, ein ehemaliger Wehrmachtssoldat, sei damit nicht persönlich betroffen! Ein kurzer Leserbrief wurde wesentlich verändert, mit der diskriminierenden Überschrift "Die Legende vom sauberen Krieg der Wehrmacht" und einer Antwort Kellerhoffs abgedruckt.

Der angesehene Spiegel-Redakteur Fritjof Meyer hat in einem Beitrag in "Osteuropa" im Mai 2002 nachgewiesen, daß die Zahl der Toten in Auschwitz "nur" 510.000, davon 356.000 vergaste Menschen betrug. Schon früher war die ursprüngliche Zahl von 4 auf 1,5 Millionen Opfer herabgesetzt worden. Der Artikel Meyers, der sich als "Antifaschist" bezeichnet, fand bei rechtsextremen Blättern Beachtung, während er in der Tagespresse mit Ausnahme der Welt vom 28. Mai 2002 keine größere Resonanz fand. Etwas schwer tat sich deshalb Kellerhoff mit seinem Beitrag "Linksliberaler als Kronzeuge für Holocaust-Leugner". Er meint, der Artikel des ehrenwerten Fritjof Meyer sei gut gemeint, aber zweifelhaft, schwammig und widerspräche Zeitzeugenberichten.

Prof. Dr. Walter Wippermann, Historiker der FU Berlin, schrieb in der Woche vom 7. Dezember 2001: "Die weitaus meisten der geschätzten 500.000 Opfer des Völkermordes an den Roma und Sinti sind von Angehörigen der Wehrmacht und den mit ihr kooperierenden Einsatzgruppen und Polizeibataillonen ermordet worden ... Viele deutsche Soldaten haben Juden und ‚Kommissare' keineswegs nur deshalb ermordet, weil ihnen das befohlen worden war, sondern weil sie diese Juden und ‚jüdischen Bolschewisten' haßten." Nach Angabe des Instituts für Zeitgeschichte beträgt die Zahl der von den Nazis ermordeten Roma und Sinti nach seriösen Recherchen maximal 50.000. Die Antwort des Deutschen Presserates auf eine Beschwerde lautete: "Die Opfer des Völkermordes reichen von veröffentlichten Zahlen von 500.000 bis zu 50.000. Wenn die Zeitung 500.000 wählt, ist dies nicht zu kritisieren."

Die wenigen willkürlich ausgewählten Beispiele zeigen, die Medien können durch die Auswirkungen des Zeitgeistes unangefochten die absurdesten Opferzahlen aus der Kriegszeit verbreiten. Eine Richtigstellung wird fast immer abgelehnt. Trotzdem gilt: Glaubhafte Angaben machen es dem anderen schwerer, dagegen Stellung zu nehmen, während Übertreibungen um so leichter Angriffsflächen bieten. Sie relativieren auch nicht die barbarische Wirklichkeit von Verbrechen. Seriöse Kritiker der heutigen Geschichtspolitik sollten deshalb bei Opferzahlen, wie der des Luftangriffs auf Dresden, genaue Recherchen anstellen. Wie PAZ-Autor von Leesen dies übrigens bei verschiedenen Gelegenheiten demonstriert hat, als er hier auf eine plausible Spanne zwischen 35.000 und 60.000 Todesopfern kam.

Meinrad Freiherr von Ow, München

 

Des Sinnes ihres Todes beraubt
Betr.: "Versöhnung über den Gräbern" (Folge 24)

Zu den Ausführungen unter dem Titel "Versöhnung über Gräbern" kann einiges nicht unwidersprochen hingenommen werden. Wieso haben die Deutschen von heute nichts gemein mit denen in der NS-Zeit? Waren das damals wirklich allesamt Verbrecher?

In die gleiche Richtung geht die Mißachtung der Soldaten der Deutschen Wehrmacht durch den Bundeskanzler Gerhard Schröder, der an den fast 50.000 Gräbern der dort liegenden Gefallenen vorüberging, ohne Gedenken, ohne Ehrerbietung, ohne Kranz auf einem der großen deutschen Friedhöfe. Diese jungen Menschen, oft nicht einmal 20 Jahre alt, haben gegen eine erdrückende alliierte Übermacht tapfer gekämpft und ihr Leben gegeben, um ihrer Heimat zu dienen, für Frauen und Kinder, die unter einem menschenverachtenden Bombenhagel auf Wohnstätten Tod und Vernichtung über sich ergehen lassen mußten. Er raubt damit unseren Gefallenen den Sinn ihres Todes. Er stößt damit an die Fundamente des menschlichen Anstands.

Eine ehrliche Versöhnung hätte es erfordert, daß nicht nur Veteranen der Alliierten in Orden und Ehrenzeichen teilnehmen, sondern auch deutsche ehemalige Gegner, die sich in gegenseitiger Achtung die Hand drücken. Es bleibt somit der Eindruck zurück, daß der oberste Vertreter Deutschlands gekommen ist, um sich bei den ehemaligen Gegnern dafür zu bedanken, daß sie sein Land besiegt haben.

Dr. Gustav Krüger, Herrenberg

 

Alles nur schöne Fassade
Betr.: "Der letzte kalte Krieger" (Folge 24)

Die unkritische Charakterisierung von Ronald Reagan kann so nicht akzeptiert werden. Verschwiegen wird, daß er der logische Repräsentant einer Nation war, die den schönen Schein liebt, die Fassade, die Reklame, der "great pretender". Alle mediokrenen Präsidenten überbot er durch Ignoranz, Unfähigkeit, Faulheit, Korruption und über-

deckte dies durch Charme und stetiges Lächeln. Er sammelte eine Staatsschuld von 2,6 Billionen Dollar an. Um den Staatschef Ghadaffi zu töten, ließ er Libyen bombardieren. Im Iran-Contra-Skandal lieferte er am Kongreß vorbei Waffen an den Iran und belog danach die Nation. Er verminte den nicaraguanischen Pazifikhafen Cartina und wurde vom Weltgerichtshof verurteilt, was für ihn - wie er erklärte - ohne Belang war.

Zu Einmischungen kam es in Guatemala, San Salvador, Costa Rica und Bolivien. An der Berliner Mauer belog er 1987 die Deutschen, als er behauptete, die US-Streitkräfte würden Westdeutsche und ihre Freiheit weiterhin verteidigen. Sein Vorbild war der notorische Lügner und Kriegstreiber Roosevelt.

Friedrich Karl Pohl, Lüneburg

 

Ronald Reagan: Mit seinem Tod begannen sich die Medien und auch die US-Regierung mit Lobeshymnen über den Ex-Präsidenten zu überschlagen. Blickt man jedoch auf seine Amtszeit zurück, so ist auch viel Tadelnswertes auszumachen, doch frei nach dem Motto, daß man über Tote nicht schlecht redet, wurde vieles in der Biographie des ehemaligen Hollywoodschauspielers ausgeblendet. Foto: US-Regierung

 

Zerstörung des christlichen Abendlandes
Betr.: "Vor dem Bürgerkrieg - Europa und der Islam" (PAZ 21)

Leider trifft alles zu, was Daniel Lehe schreibt. Wir sind dieser unheilvollen Entwicklung hilflos ausgeliefert, weil wir keine Politiker und keine Parteien haben, die den Mut hätten, Gefahren zu erkennen, sie zu nennen und ihre Abwehr zu betreiben. Die Kinder und Enkel derer, die heute die Augen vor der Zukunft verschließen und nur ihrem Wohlleben dienen, werden es auszubaden haben, leider auch alle anderen.

Der deutsche Kanzler, der für mich kein Deutscher mehr ist, betreibt die Aufnahme der Türkei in die EU. Das kann die Ausbreitung des Islam in der EU nur noch beschleunigen. Schröder und andere ihm Gleichgesinnte sind dabei, das christliche Abendland zu zerstören. Wenn sie längst tot sind, werden die Rest-Deutschen sie verfluchen.

Gottfried Leistenberg, Lingen/Ems

 

Nur die Kräftigsten überlebten die Schikanen
Betr.: "Folter - weit mehr als ,bedauerliche Einzelfälle'" (Folge 20)

Die Amerikaner haben unsere gefangenen deutschen Soldaten nach dem Zusammenbruch des Zweiten Weltkrieges ebenso menschenunwürdig behandelt, wie sie es heute mit den Irakern tun. Mein Vater ist bei Andernach auf den Rheinwiesen mit Fußtritten und Stockhieben gemeinsam mit verwundeten und todkranken Landsern zusammengetrieben worden. Die teuflisch ausgedachten Schikanen der Amerikaner wie Hunger, Durst, Regen und Kälte auf freiem Feld überlebten nur die Kräftigsten.

Meinem Vater gelang die Flucht. Einer seiner Kameraden versprach, über diese unwürdigen Zustände ein Buch zu schreiben. Leider warteten wir vergeblich darauf. Vermutlich hat dieser Mann die Folter nicht überstanden.

Wer sich aber dennoch über die Behandlung unserer Kriegsgefangenen durch die Amerikaner informieren möchte, dem sei das Buch von Josef Nowak "Mensch auf den Acker gesät" empfohlen. Die Angaben entsprechen denen meines Vaters.

Gisela Biron, Bodenwöhr


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